FLIEHENDE STÜRME, PHILEAS FOGG, 12.09.2025, Goldmark’s, Stuttgart

FLIEHENDE STÜRME, PHILEAS FOGG, 12.09.2025, Goldmark's, Stuttgart | Foto: Michael Weiß
Foto: Michael Weiß

Zweimal innerhalb einer Woche bei Goldmark’s-Konzerten und beide Male volles Haus. Beim Release-Gig von Berlin 2.0 war das nicht verwunderlich, bei den Düsterpunkern Fliehende Stürme hätte ich nicht mit einem derartigen Andrang gerechnet. Das Erfreuliche daran: Die Band mit gut vierzig Jahren Historie lockt nicht nur Altersgenoss:innen in den Rock-Club, auch ein erstaunlich großer Anteil junger Fans hat sich eingefunden. Sollten Booker und Club-Betreiber davon profitieren, dass die Eighties – auch in ihren obskureren Subkultur-Varianten – in Mode sind? Zu wünschen wäre es ihnen.

FLIEHENDE STÜRME, PHILEAS FOGG, 12.09.2025, Goldmark's, Stuttgart | Foto: Michael Weiß
Foto: Michael Weiß

Phileas Fogg eröffnen den Abend. Das Postpunk-Trio hat sein aktuelles Album im Gepäck und liefert ein grundsolides Warm-up-Set. Die Band um Gitarrist und Sänger Andreas Mäule ist schon immer ohne Schlagzeug – bzw. mit dem Drum-Computer „Monsieur Passepartout“ – unterwegs. Der technoide und etwas spröde Maschinen-Sound ist stilprägend. Dass die Synthie-Sounds als zweite markante Zutat ebenfalls aus der Retorte kommen, irritiert mich anfangs, tut der Qualität der Songs aber keinen Abbruch. Und es funktioniert im Kontrast zum Gesang, der mit großer Präsenz vorgetragen wird, erstaunlich gut. Ein ungewöhnliches Setup finden wir bei „Salz“, das neben einer Gitarre zwei Bässe präsentiert, von denen einer die Melodie und der andere den Rhythmus spielt. Vom Publikum wird der Auftritt so freudig angenommen, dass es sogar eine Zugabe bekommt. Und die ist – nach einem kurzen Intermezzo mit „No Rest“ von New Model Army – das mitreißende „Tag“ vom Erstling „Kopf, unten“.

FLIEHENDE STÜRME, PHILEAS FOGG, 12.09.2025, Goldmark's, Stuttgart | Foto: Michael Weiß
Foto: Michael Weiß

„Guten Abend. Schön, dass ihr hier seid.“ Frontmann Andreas Löhr schmeißt seine Zigarette weg und startet mit den Akkorden zu „Duell der Letzten“, Jens Halbauer stürzt sich mit vollem Einsatz auf seine Drums und Bassist Uwe Hubatschek steigt in das hohe Tempo des Chaos-Z-Klassikers ein. Was für ein Kaltstart, von 0 auf 100 in einer Sekunde! Das Publikum kommt umgehend in Bewegung und Fliehende Stürme haben den Laden bereits mit dem ersten Song im Sack. Nahezu ohne Unterbrechung geht es mit „Ein Tropfen im Feuer“ weiter, in dem Löhr vom aggressiven Punk-Gesang in seinen typischen, runtergepitchten Düster-Gesang wechselt.

FLIEHENDE STÜRME, PHILEAS FOGG, 12.09.2025, Goldmark's, Stuttgart | Foto: Michael Weiß
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Sollte hier jemand eine entspannt-nostalgische Retro-Show erwartet haben, sieht er sich getäuscht. Die Band ist in Topform und Spiellaune und die Songs passen mit ihr finsteren Stimmung nur allzu gut in unsere dystopischen Zeiten. Löhr, in Stuttgart geboren und aufgewachsen, hält sich mit Ansagen sehr zurück, nur zu „Kaleidoskop“ holt er kurz etwas aus. Er kehre immer mit gemischten Gefühlen nach Stuttgart zurück, aber diesen Song habe er nicht weit von hier, nämlich auf dem Schlossplatz geschrieben.

Im durchweg druckvoll vorgetragenen Set ragt das besonders treibende „Maschinentrauma“ heraus. Nach gut 75 Minuten findet das offizielle Set mit „Satellit“ und seinem nervösen Breakbeat ein fulminantes Ende. Temperatur und Luftqualität im Goldmark’s haben dank der intensiv tanzenden Masse bedenklich Grenzwerte erreicht. Doch Löhr und Co. sind noch nicht am Ende und eröffnen mit dem krachenden „Das Chaos brütet“ eine Zugabenrunde. Mal wieder ein Konzertabend, wie er so nur im Goldmark’s stattfinden kann. Möge es uns noch lange erhalten bleiben!

Setlist Fliehende Stürme

Duell der Letzten
Ein Tropfen im Feuer
Gestern
Zwischen Liebe
Industrie
Kaleidoskop
Die aus dem Schatten springen
Systemstörung
Maschinentrauma
Ziellose Wege
Sensation
Ein Gefühl
Trümmergemüt
Satellit

Das Chaos brütet
Spieler
Himmel steht still

Fliehende Stürme

Phileas Fogg

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