THE WAILERS, 15.08.2025, Im Wizemann, Stuttgart

Bob Marley ist in den vier Jahrzehnten nach seinem Ableben zu einer noch größeren Legende geworden: Millionenfach prägt sein Konterfei diverse Kleidungsstücke und seine aus dem jamaikanischen Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit erwachsene Botschaft „Unity!“ fasziniert bis heute Anhänger jeden Alters.
Entstanden ist das musikalische Werk Bob Marleys als Mitglied der Gruppe The Wailers. Diese bestanden bereits seit 1963 und hatten mit der Ska-Nummer „Simmer down“ ein Jahr darauf bereits ihren ersten Nummer-Eins-Hit in Jamaika. Marley stieß erst später zur Band, avancierte aber immer mehr zu deren Frontmann, sodass man sich schließlich in „Bob Marley & The Wailers“ umbenannte.
Von den ursprünglichen Wailers ist natürlich niemand mehr dabei, aber als Band existieren sie weiter in der x-ten Auflage seit den 1980er Jahren. Dementsprechend entspannt war man beim Gig-Blog nach der Ankündigung des Stuttgart-Gastspiels im Wizemann. Zelebriert werden sollte das Best-Of-Album „Legend“ von 1984. Es stand also ein Abend mit den großen Hits Bob Marleys an.

Nachdem ich angekommen bin, heizen sogleich die Lokalhelden Jah Schulz und Easyman ein. Schulz bedient als Master of Ceremony die Elektronik und lässt Dubs und Reggae-Rhythmen durch die Halle schweben. Easyman toastet und rappt dazu. Schönes Warmup.

Ich schaue mich derweil am Merchandisestand um: Dieser hat verhältnismäßig wenig Bandklamotten, sondern wirkt eher wie ein Jamaika-Stand wie überall auf der Welt: Es gibt diverse Kleidungsstücke mit den dominierenden Farben Schwarz, Grün, Gelb und Rot. Dazu Ketten, Armbänder, Fäustlinge für Babys – eine wilde Mischung. Natürlich gehört auch die obligatorische Ecke mit der Ausstattung für den Cannabiskonsum dazu. Und wer sich ein wenig über die Genre-Grenzen hinaus bewegen möchte, findet Schlüsselanhänger mit der Zielscheibe der Mods oder einem Ska-Emblem. Es ist also an viele Geschmäcker gedacht und der Euro kann rollen.

Irgendwann nach 21 Uhr kommen die Musiker nach und nach auf die Bühne. Kein großer Auftritt wie bei anderen Bands mit Intro, sondern eine kurze Ankündigung, das Licht wird gedämmt und los geht es. Die Hitdichte ist groß an dem Abend und nachdem als zweiter und dritter Song „Is This Love“ und „No Woman, No Cry“ dargeboten werden, haben die Jamaikaner das Stuttgarter Publikum fest in der Hand: Die Klassiker werden in immenser Lautstärke mitgesungen und bejubelt.

In der ausverkauften Halle begegnen sich an diesem Abend Musik-Fans aus verschiedensten Richtungen: Hier ist ein Metal-Shirt zu sehen, dort trägt ein Rastafari stolz seine Frisur und direkt daneben steht eine ältere Frau im Sommerkleid. Es wird gemeinsam getanzt und gefeiert. „Stir It Up“, „Could You Be Loved“, „I Shot The Sheriff“ – die rund ein halbes Jahrhundert alten Titel finden an diesem Abend zu neuem Leben und entfalten ihre Wirkung. Lautstark wird mitgesungen, die Stimmung ist gigantisch.

Sänger Mitchell Brunings war ursprünglich Frontmann einer Bob-Marley-Tributband und erregte aufgrund seiner Stimmähnlichkeit bereits Aufsehen, bevor er vor drei Jahren den Wailers beitrat. Es fällt nicht schwer, sich bei geschlossenen Augen dementsprechend ein Live-Konzert des Originals vorzustellen.

Vor der Zugabe verlassen er und die beiden Background-Sängerinnen die Bühne, während die Musiker noch eine feine Jam-Session einlegen. Auch in der Zugabe wird dann noch einmal das Hitfeuerwerk abgebrannt: Mit „Redemption Song“, „Buffalo Soldier“ und „One Love“ geht nach rund 100 Minuten ein schweißtreibender Abend zu Ende.

