NIK WEST, CRITICAL MESS, 08.08.-09.08.2025, Theaterfestival Isny, Burkwanger Weiher, Isny

In diesem Jahr schlage ich beim Theaterfestival Isny erst am Abschlusswochenende auf. An meinem ersten Abend steht das Konzert der amerikanischen Bassistin und Sängerin Nik West samt Band auf dem Programm. Laut Ankündigung der Veranstaltenden ist sie die Lieblingsbassistin von Prince, Dave Stewart nannte sie mal „the female Lenny Kravitz“. Und das sind nur zwei ihrer Fans aus dem Reigen berühmter Musiker:innen.

Mit Prince hat Nik West einiges gemeinsam: Können, Bühnenpräsenz de Luxe, ein geniales Outfit und eine Band, deren Mitglieder selbst überirdisch gute Musiker:innen sind. Ich bleibe mit der Aufmerksamkeit meist am genialen Drummer hängen. Was macht der da eigentlich? Es sieht nicht aus wie es klingt oder klingt nicht wie es aussieht.

Nik Wests Sangeskunst und Stimme sind groß, Letztere ist für mich jedoch nicht sehr markant, ich würde sie nicht unbedingt wiedererkennen. Im Gegensatz zur Stimme ihrer Freundin Taneia Sanders, die heute für den Backgroundgesang zuständig ist. Als ich recherchiere, erfahre ich, dass Taneia selbst „Award Winning Singer-Songwriter-Composer“ ist. Nik West lässt sie mit zwei eigenen Songs scheinen und verlässt dafür sogar die Bühne. Als die sehr schüchtern wirkende Taneia Sanders beginnt Gitarre zu spielen und zu singen, fallen im Zelt am Burkwanger Weiher einige Kinnladen runter.

Nik West und ihre Band spielen funky und energiegeladen und sie strotzen vor Spielfreude. Ich bin lange hingerissen und mitgerissen. Und doch kommt ein Moment, in dem ich merke, dass ich beginne, mich etwas zu langweilen. Die Songs gleichen sich sehr, alles ist ein wenig zu perfekt. Mir fehlen Brüche. Und mein Getränk ist leer. Ich begebe mich ins Gastrozelt und bleibe dort im Gespräch hängen und erfahre, dass es einigen so geht wie mir. Ich wäre auch wieder reingegangen, aber man hört eh gut von draußen. Die Band spielt jetzt ein paar Coverversionen, so z.B. „Kiss“ und „Proud Mary“, was ich kaum fassen kann. Es gibt meines Erachtens wenig totgedudeltere Stücke. Ich bin nicht die einzige, die darüber ächzt. Dennoch überwiegen bei mir die positiven Gefühle nach diesem Abend und ich werde wieder mal zu einem Konzert von Nik West gehen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Beispielsweise im Herbst in Lindau im Club Vaudeville.
Im Gastrozelt wird noch aufgelegt, die Musiker:innen sind auch zugegen und wir feiern zusammen die Nacht.

Wenn mir vor 10 Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mich eines Tages für Akrobatik und Jonglieren begeistern werde, hätte ich das als unmöglich abgetan. Doch in den letzten Jahren hat das Theaterfestival die unglaublichsten Kompanien aus dem Bereich New Circus auf die Bühne gebracht und heute bin ich glühende Liebhaberin von Akrobatik und Jonglieren. Und der letzte Abend des Festivals bietet für diese junge Liebe die passende Show.

Die Kompanie Critical Mess führt in der Nacht des Donnermonds die Performance „superorganism“ auf, eine Mischung aus Jonglage, Musik und Tanz. Es ist leise, spannend, aufregend. Poetisch. Und zwischendrin wild und schnell und außerordentlich sportlich. Der Großteil des Publikums scheint wie ich begeistert zu sein und dankt den Künstlern mit frenetischem Applaus und Standing Ovations.

Am nächsten Morgen bade ich nochmal ausgiebig im Burkwanger Weiher, bevor ich mich wehmütig auf den Weg nach Hause mache. Nächstes Jahr will ich wieder von Beginn an bei meinen Lieblingsfestival dabei sein.

