EIGHT ROUNDS RAPID, 09.08.2025, Umsonst & Draußen-Festival, Stuttgart

Immer wieder eine tolle Sache (mit spürbarem Nostalgie-Vibe): Das Umsonst & Draußen in Stuttgart-Vaihingen. Nach verregnetem Juli diesmal wieder verdientermaßen mit perfektem Festival-Wetter gesegnet. Ein lustiger Skurrilitätsfaktor ist auch diesmal nicht zu leugnen, Spaß macht es umso mehr. Klassiker wie das nicht unkomplizierte Papiergeldsystem gehören ebenso dazu wie die stramm linke politische Haltung – in diesen Zeiten umso wichtiger!
Das Bandbooking fällt für meinen Geschmack ein wenig flach aus, das ist bei diesem Feel-Good- und Social-Event aber wahrscheinlich auch gar nicht so wichtig. Bezeichnend allerdings, dass der Gigblog-„Chefredakteur“ kurzfristig entscheidet, nur über das eindeutige Festival-Highlight Eight Rounds Rapid zu berichten. Und wenn sonst niemand von der Schreiberschaft unbefangen übernehmen kann, muss ich halt ran.

Was nach dem fulminanten Auftritt der vier Briten allerdings ein echtes Vergnügen ist. Dabei sind die Vorzeichen zunächst nicht optimal. Noch bei Tageslicht im schwülwarmen Festivalzelt zu spielen, ist für die Anzug tragende Truppe aus Essex jedoch eine leichte Übung – trotz (wie man hört) anstrengendem Vorabend im Schlesinger.
Mit runderneuerter und komplett überzeugender Rhythm Section hat sich am Sound von ERR aber mal gar nichts geändert. Der lässt sich zwischen Punk, R&B und Pubrock verorten. Grobe Referenzen: ein bisschen Sleaford Mods und reichlich Dr. Feelgood! Was nicht jede*r weiß: Gitarrist Simon ist der Sohn von Dr. Feelgood-Gitarrengott Wilko Johnson – was man auch deutlich hören kann. Sein Stil ist recht eigenwillig: ohne Plektrum eher schrammelig, verbindet er gesunde Härte mit einer verwaschenen Funkiness a la Gang Of Four. Schwitzend auf der Bühne verliert er schon mal die Brille oder stolpert über ein Effektgerät, ohne dabei aber an Drive zu verlieren.

Noch charakteristischer für den Sound von ERR ist allerdings Sänger David Alexander. Anfangs noch erkennbar schlecht gelaunt, taut er während des Konzerts (wohl auch wegen der begeisterten Reaktionen im vollen Zelt) aber auf. Zunächst greift er noch zur Mundharmonika (siehe Dr. Feelgood), feuert diese aber bald in die Ecke und konzentriert sich ganz auf seine schrill gebellten Vocals.
Die bewegen sich irgendwo zwischen explosivem Sprechgesang (siehe Sleaford Mods) und der hysterischen Schärfe von John Lydon – einmal gehört und niemals vergessen. Allein dieses Alleinstellungsmerkmal sollte der Band eigentlich internationalen Erfolg eingebracht haben, was aber leider nicht passiert ist. Bleibt mir ein Rätsel, weshalb ERR noch immer eine Band für Auskenner*innen ist. Allerdings dürfte ihr U&D-Auftritt etliche neue Fans gebracht haben – der Merch wurde der Band jedenfalls aus den Händen gerissen.

Das hochenergetische einstündige Set bringt aber auch alle Stärken der Band auf den Punkt. Im Prinzip spielen sie beinharten und schnellen R&B mit Punk-Attitude – eventuell beeinflusst von The Fall, Wild Billy Childish, Nine Below Zero oder den jungen The Jam. Das funktioniert prächtig, vor der Bühne wird getanzt und sogar ein bisschen gepogt. Dass die Band saustylish und dead british rüberkommt, macht gerade beim multikulturellen und bisweilen doch recht hippieesken Festival erst recht Eindruck.
Fazit: Bitte beim nächste U&D etwas mehr Mut beim Booking. Es gibt auch in der Region reichlich junge und frische Bands, die dort gerne spielen würden und dem Festival ein wenig frisches Blut verpassen würden. Natürlich geht an die Veranstalter*innen heißester Dank und ganz viel Respekt, das U&D wieder so souverän gestemmt zu haben.

Wir haben die in die Ecke gefeuerte Mundharmonika gefunden, was sollen wir damit tun?
Danke für das geile Konzert beim U&D, und an alle anderen Bands auch
That’s my harp
We’ll find out how to bring it back to you, David.