ENDSTATION SANIFAIR, 07.08.2025, Merlin, Stuttgart

Wie bin ich nochmal auf Endstation Sanifair gekommen? Ich bin mir ziemlich sicher, es müsste der exzellent kuratierte Instagram-Feed von Lieblingsinfluencerin B. gewesen sein. Und tatsächlich, in den Highlights der Band finde ich ein durch einen Bauzaun gefilmtes Video. November 2024, das war wohl der Erstkontakt. Klingt auf der Aufnahme toll und fresh und der Name ist natürlich auch super.
Post-Punk mit Fragezeichen, Grunge und Shoegaze ordnet sich die Gruppe selbst stilistisch ein, beziehungsweise „die Band von Jelena, Johannes und Viktor“, das muss eigentlich auch reichen.
Freut mich sehr, dass der Klinke–Auftritt des Trios heute trotz Sommerferien und Freibadwetter richtig gut besucht ist. Erster Eindruck der Band in echt: Fröhlich, aufgeweckt, die haben richtig Bock.

Allzu viele Songs gibt es naturgemäß noch nicht, reicht aber gut für einen Abend. Auf der Bühne wird sehr viel gesmiled und gelacht und mit „Schlussverkauf“ und „NWD“ (steht für „nie wieder denken“) startet das Set derart energiegeladen, dass ich spätestens jetzt sicher bin: ich bin Fan!
Ich glaube, ich mag grundsätzlich gesprächige Bands, die das Publikum mitnehmen, und auch hier ist man bei den Sanis (Eigenbezeichnung) an der richtigen Adresse.
Nach den ersten drei Stücken wird erstmal runtergestimmt, da bietet es sich natürlich an, die Zuschauenden zu begrüßen. „Ist jemand aus Plüderhausen anwesend?“ ist eine der Fragen ans Publikum. Huch, wie süß! Plüderhausen kenne ich, da wohnt mindestens ein sehr netter Mensch und ich war tatsächlich schon öfters dort. Es gäbe dort einen Edeka und einen Baggersee, werden wir weiter informiert, und es sei eigentlich ganz schön da. So schön, dass die Band die Ortschaft sogar in einer „Ballade“ verewigt hat.
„Ich weiß von einer Person im Publikum, die gefragt hat, was ist eigentlich Shoegaze,“ leitet Bassist Viktor den nächsten Song ein. Das folgende Stück „Ten hour sailing ship ambience“ etwa sei ein gutes Beispiel dafür. Verhallte und verzerrte Gitarren, eher dreamy – und deutlich unter zehn Stunden lang, gefällt mir gut.

„Hat jemand starke Meinungen zum kultigen Pop-Duo Glasperlenspiel?“ wird dem nächsten Stück ein Inhaltshinweis vorangestellt. Es folgt ein Song, der als Glasperlenspiel-Cover anfängt und dann doch recht schnell in ein eigenes Stück mit reichlich Schreianteilen übergeht.
An dieser Stelle in aller Deutlichkeit Hut ab an Frontperson Jelena, die exzellent und vielseitig singt und super Gitarre spielt. Ohne die Leistungen der restlichen Band schmälern zu wollen (überhaupt nicht), hier ist wirklich musikalisch und showmäßig einiges geboten.
Zum nächsten Runterstimmen wird dann ein kleiner Werbeblock eingebaut (Debüt-EP kommt demnächst raus, auf Instagram folgen wäre nett). Das folgende Stück wird dann mit der „transparenten“ Ankündigung verbunden, es sei „extrem Circle Pit geeignet“. Ich bringe mich schon mal in Sicherheit und tatsächlich, unter Anleitung von Drummer Johannes lässt sich ein beträchtlicher Anteil des Publikums zum Mitmachen motivieren.

Es folgt der sehr gute Song „Stuttgart“, bei dem Jelena auch in die E-Gitarre hineinsingt (?) Habe ich noch nie gesehen, lässt sich auch nicht im Internet recherchieren, ob man das so macht oder ob ich das einfach irgendwie falsch interpretiert habe. Jedenfalls ein Hit, das Stück und wird mit sehr viel Applaus belohnt.
Nach zwei weiteren Songs endet das reguläre Set, aber natürlich gibt es noch die vehement eingeforderten Zugaben. Zugabe eins ist ein Song über die TV-Sendung „Bares für Rares“ mit der wunderbaren Textzeile „Horst Lichter sag mir, was bin ich noch wert“. Als zweite Zugabe wird einfach ein weiteres Mal „NWD“ gespielt. Voll in Ordnung, ist auch ein super Stück.
Ich gehe davon aus, dass im beleuchteten Hut, der zwischendurch rumging, reichlich Scheine gelandet sind. Wir decken uns am Merch mit Beuteln und Aufklebern ein und sind uns einig, dass man von dieser Band noch viel Gutes hören wird.

