PRONG, 03.08.2025, Im Wizemann, Stuttgart

PRONG, 03.08.2025, Im Wizemann, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Interessanterweise hat der Zufall, das Schicksal, ein allmächtiger Gott, choose your fighter, es gewollt, dass in Stuttgart innerhalb von zwei Tagen zwei legendäre Bands auftreten, die mit ihrem Sound für den Metal der 1990er Jahre absolut essenziell waren. Über Exhorder, die den Pantera-Sound erfanden, als Pantera selbst noch ziemlichen traditionellen Metal spielten, wird der Kollege aus dem Schwarzer Keiler berichten. Über den Auftritt der mindestens ebenso wichtigen Prong aus New York lest ihr an dieser Stelle.

PRONG, 03.08.2025, Im Wizemann, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Etwas erleichtert erfahre ich bei der Ankunft im „Im Wizemann“, dass es heute keinen Support geben wird. Sonntag spät ins Bett kommen bedeutet immer einen harten Wocheneinstieg. Etwas weniger erleichtert diesbezüglich bin ich, als mir Fotograf Holger vorab die Setlist zuschickt. 29 Songs. Ok, Prong kamen aus einer Hardcore-Tradition, wo die Songs gerne mal knapper gehalten sind, aber trotzdem … Dankenswerterweise geht es aber pünktlich um 20:30 Uhr im angenehm gefüllten kleineren „Club“ los.

PRONG, 03.08.2025, Im Wizemann, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Der Einstieg „Beg To Differ“ holt mich gleich mal ins Boot, das ich dann auch nicht mehr verlasse. Der Sound in der Halle ist wirklich gut. Soundmixer sollten ja eigentlich auch ein leichtes Spiel mit der Band haben. Dank Trioformation muss man nicht viele Instrumente abmischen. Zudem war eine Charakteristik der Prong Musik, die sie Anfang der 90er so revolutionär machte, dieser reduzierte, trockene Sound. Riffs, die Feuchtigkeit aus der Luft ziehen.

PRONG, 03.08.2025, Im Wizemann, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Gitarrist und Sänger Tommy Victor ist das einzige beständige Mitglied der Band, und er prägt den heutigen Abend. Wenn man die Hits der Band im Ohr hat, könnte man ja denken, dass gesanglich da nicht viel abverlangt wird, so nah sind die Vocals an einem Sprechen denn einem tatsächlichen Singen dran. Aber Prongs Musik, das zeigt sich über die knapp 30 Songs, ist viel abwechslungsreicher als die bekannten Songs es vermuten lassen. So finden sich durchaus Lieder im Repertoire, die Melodien haben, die, typisch für die 90er, in die Grunge- oder Alternative-Richtung gehen. Und da muss man den Hut vor seinen Vocals ziehen. Der Mann kann richtig singen.

PRONG, 03.08.2025, Im Wizemann, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Charakteristischer, und prägender, sind aber so Songs wie „Broken Peace“. Der Hip-Hop-Vibe, der Groove, die Pitch-Harmonics Wizardry bei den Gitarrenriffs von Tommy, all diese Zutaten waren für den Crossover wie für den Groove-Metal wichtig. „… And Justice For All“ von Metallica wird ja aufgrund seiner radikalen Produktion als ein wichtiger Ursprung des 90er-Metal-Sounds verhandelt. Da lassen sich in Gitarre und Gesang tatsächlich auch Elemente in Prongs Musik finden. Glücklicherweise aber darf der Bass ein prägendes, für sich stehendes Element bleiben, das nicht nur einfach als Fundament für die Gitarrenriffs dient.

PRONG, 03.08.2025, Im Wizemann, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Das Publikum lässt sich von der gebotenen hohen Qualität auch immer mehr mitreißen. Der Applaus ist frenetisch, Refrains werden mitgesungen und es bildet sich ein Moshpit. Aus musikalischer Sicht ist neben der Fertigkeit an der Gitarre von Tommy V., das superpräzise Schlagzeugspiel auffallend. Die Stakkato-Riffs und die Stops in der Musik lassen viel Raum. Und die werden mit Drum-Fills gefüllt, dass es nur so eine Freude ist. Herausragend!

PRONG, 03.08.2025, Im Wizemann, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Die aktuelle Tour läuft ja unter dem sympathischen Titel „31 years of cleansing“. Runde Jubiläen sind überschätzt. „Cleansing“ ist wohl DAS Album in der Diskografie Prongs, auch wenn „Beg To Differ“ aus 1991 wohl was das genreprägendere war. „Lost And Found“ daraus ist dann auch mein Highlight dieses Abends. Die Hitdichte auf Cleansing ist da wiederum eine andere Geschichte. Der letzte Track des regulären Sets „Snap Your Fingers, Snap Your Neck“ wurde damals ja sogar durch Beavis & Butthead geadelt.

Da auch die Hardcore-Vergangenheit der Band zu Ehren kommt, vergehen die 29 Songs wie im Flug. Und auch wenn das Genre Crossover, das Prong so stark mitbeeinflusst haben, für mich dank so Schrottwichtelbands wie Guano Apes einen eher üblen Beigeschmack hat, kann man dies den New Yorkern schwerlich zum Vorwurf machen. Kurt Cobain konnte ja auch nichts für Nickelback.

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