EXHORDER, FATEFUL FINALITY, 04.08.2025, Schwarzer Keiler, Stuttgart

Wer sich fragt, wo aktuell der Sommer geblieben ist? Team Gig-Blog hat ihn gefunden. Er versteckt sich im Schwarzen Keiler, Stuttgarts bald drei Jahre altem Metal-Club. Beim Konzert der für den kleinen Laden eigentlich zu legendären Ami-Band Exhorder ist es tropisch heiß und extrem luftfeucht. Auch Blitz und Donner gibt es reichlich – ganz so, wie man sich das Klima im sumpfigen US-Süden vorstellt. Exhorder kommen nämlich – mit dem Umweg Wacken – aus New Orleans nach Stuttgart.

Beginnen wir aber am Anfang. Es ist sicher keine Selbstverständlichkeit, wenn der Keiler zum Wochenbeginn knackvoll ist, während zeitgleich im LKA Blackie Lawless und WASP ihr Unwesen treiben. Erst recht nicht selbstverständlich, aber ein gutes Zeichen für eine gewachsene, familiäre und aufgeschlossene Metal-Clubkultur, ist die konzentrierte Aufmerksamkeit, mit der die Local Heroes Fateful Finality aufgenommen werden. Schon gar nicht, dass das Publikum den Support Act begeistert feiert – wo sonst bekommt schon die Vorgruppe ein Moshpit?

Und das völlig zurecht. Sänger Patrick nimmt es vorweg: „Was gibt es Schöneres, als Thrash Metal an einem Montagabend?“ Der Vierer aus Weil der Stadt hat bereits fünf Alben veröffentlicht, am sechsten wird aktuell mit Hochdruck gearbeitet. Die Truppe erweist sich als top professionell, kompromisslos hart und grundsympathisch. Stählerne Riffs treffen auf bollernde Drums, auch der Gesang fällt rundum überzeugend aus. So wünscht man sich eine Supportband – eine Dreiviertelstunde Vollgas mit „Skullsplitting Thrash Metal“, selbst Exhorder-Boss Kyle Thomas filmt und postet die Band vom Merch-Stand aus.

Die Umbaupause fällt dann etwas länger aus, da Exhorder mit reichlich Equipment angereist sind. Die waren und sind bis heute eine wichtige Band – gelten sie doch als die Erfinder eines eher groove-orientierten Thrash Metal, der maßgeblich die dann doch deutlich erfolgreicheren Pantera und Machine Head beeinflusst hat. So entstanden in den frühen 90ern zwei wegweisende Alben, darunter „Slaughter In The Vatican“ – Feingeister erinnern sich mindestens an das Cover.

Dann war erst mal Feierabend – bis Exhorder seit 2017 wieder am Start sind. Für derart legendäre Typen geben sich die vier Amis im Keiler recht volksnah. Immer wieder ein beeindruckendes Konzerterlebnis, wenn man mit den Musikern fast auf Tuchfühlung gehen kann. Näher dran sein bedeutet eben ein intensiveres Konzerterlebnis – im Keiler ist das Standard.

Und Exhorder lassen sich nicht lange bitten: Vom Start weg werden rasante Hochgeschwindigkeits-Riffs gedroschen, druckvoll und mit messerscharfer Präzision. Kyle Thomas bellt seine markanten Vocals heraus und Drummer Sasha Horn erweist sich als echtes Tier an den Drums. Der Typ ist zwar ein Leichtgewicht, entwickelt aber ein derart explosives Powerdrumming, dass einem beim Zuschauen fast schwindlig wird.

Was nicht jede*r weiß: Der sehr langhaarige Gitarrist von Exhorder heißt seit rund einem Jahr Pat O’Brien. Der war nicht nur langjähriger Axtschwinger bei Cannibal Corpse, sondern bei Nevermore und aushilfsweise als Tourgitarrist bei Slayer. Zwischenzeitlich hatte er etwas, äh, Ärger mit den Behörden. Insgesamt ein eher ruhiger Typ, der sich trotz Klagen über den kleinen Backstage-Bereich dann brav ein Schwarzer-Keiler-Shirt gekauft hat.

Die eskalierende Rhythmik (teils an der Grenze zum Hardcore) wird nur von einem kurzen Gedenken an „Ozzy Fucking Osbourne“ unterbrochen und dem Sabbath-Cover „Into The Void“ gekrönt. Der Rest ist halbwegs kontrollierter Lärm, Schweiß und Bier. Wie gesagt: Was gibt es Schöneres, als einen Montagabend mit Thrash Metal im Schwarzen Keiler.

