VIC RUGGIERO & SIMON CHARDIET, 30.06.2025, Galao, Stuttgart

Zunächst einmal ist es wohl am besten, wenn ich das Line-Up auseinanderdividiere: Zuletzt war Slackers-Keyboarder Vic Ruggiero Ende Januar im Galao zu Gast, damals mit der bezaubernden Lauren Napier. Das Galao quoll über vor Publikum, sodass für den New Yorker Sänger klar war, auch mit einem anderen Projekt wiederzukommen. Mit dem aus der Punkszene stammenden Urgestein Simon Chardiet tritt Ruggiero ebenfalls seit rund einem Jahrzehnt im Duo als The Mooks auf.

Chardiet ist derzeit mit der Formation Mike Mok and the Em-Tones auf Europa-Tour, Ruggieros Slackers hatten ihre am Tag vorher in Berlin beendet. (Ich habe die Band eine Woche zuvor auf dem „This is Ska“-Festival gesehen. Es wird Zeit, dass diese auch mal wieder den Weg nach Stuttgart finden.) Was lag also näher, als noch einige Termine zusammen zu spielen?

Frontmann Mike hatte sein Quartett gleich von Anfang an im Griff, man startete zunächst mit einigen Punknummern stilistisch irgendwo zwischen den „New York Dolls“ oder den „Heartbreakers“, anschließend ging es mit Rockabilly- und Countryanleihen weiter. Chardiet spielte im Sitzen, da er sich seinen Fuß bei einem Surfunfall verletzt hatte. Seine Sorge, dass dies kein Rock’n’Roll mehr sei, war völlig unberechtigt. Seine Gitarrensoli und sein Gesang zeigten, dass er immer noch rockte.

Simon Chardiet erlebte als Jugendlicher das Aufblühen der New Yorker Punkszene hautnah mit und wurde selbst Protagonist davon. In unzähligen Formationen hat der heute 67-jährige seither gespielt, war unter anderem eine zeitlang fester Bestandteil der Band von Dee Dee Ramone oder ging als Kontrabassist mit der Rock’n’Roll-Legende Bo Diddley auf Tour. Musikalisch kannte er nie Grenzen, wie er mir nach dem Gig im Gespräch sagte: „Ich spiele eigentlich alles, beispielsweise auch Latin, Salsa und noch mehr. Hauptsache, die Musik ist gut und die Leute haben Spaß.“

Gemeinsam mit Vic Ruggiero spielte er sich – verstärkt durch Drummer JJ – durch ein buntes Set, ebenfalls mit Punk-, Rockabilly- und Blues-Einsprengseln, aber auch mit Ska und weiteren Stilen. Ruggiero, ebenfalls seit Anfang der 90er in verschiedenen musikalischen Welten zu Hause, erwies sich als guter Gegenpart. Die Songs wurden mal alleine, mal in den Strophen abwechselnd oder im Duett gesungen.

Eine heiße Show, zu der sich einige hartnäckige auch in das Café zum Tanzen wagten, im Außenbereich lauschten noch viele mehr an den Tischen. Wegen der Anwohner musste dann um 22 Uhr Schluss sein, was viele bedauerten. Der Abend war wie im Flug vergangen und die Hitze der Sommernacht immer noch nicht verschwunden.
Ich hoffe sehr, dass man Vic Ruggiero wie auch Simon Chardiet auch in Zukunft noch einmal sieht. Danke an IndieWohnzimmer und das Galao für diese außergewöhnliche Veranstaltung!

