BIRTHH, 17.04.2020, Instagram

Birthh

Lockdown, Woche 5. Neue Hobbys: Balkon sitzen, Virologie. Situation insgesamt aushaltbar.

Von den vielen Livestreams, die es nach wie vor gibt, schaue ich mir weiterhin regelmäßig die von Sophie Ellis-Bextor und Hasnain Kazim an (wir berichteten).

Beide haben aus dem ursprünglich spontanen Format eine Reihe gemacht. Sophie Ellis-Bextor hat unter anderem ihren 41. Geburtstag via Livestreamkonzert gefeiert, Hasnain Kazim liest jedes Mal aus einem anderen seiner Bücher (zuletzt „Plötzlich Pakistan“) und bittet statt Eintrittsgeld um Spendengelder für verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen.

Super gefallen hat mir auch der Auftritt von Bernadette La Hengst, komplett mit Familie auf ihrem Balkon in Berlin (gibt’s noch auf Facebook), die zweite Show von Cristina Quesada mit Gast-Star und Partner Andreas von Alpaca Sports und natürlich der Auftritt der genialen Meike Boltersdorf beim United We Stream Festival.

Wie an anderer Stelle schon gesagt, ich mag diese Streamingevents und finde sie einen sehr okayen Ausgleich für derzeit nicht stattfindende Live-Auftritte in Clubs und Veranstaltungsorten. Artists, Labels, Läden, Veranstalter*innen kann man mit Einkäufen/Spenden unterstützen, quasi Pflicht, wer sich es leisten kann.

Weitere Vorteile für mich: Ich verpasse nicht so viel wie sonst und ich kann mir auch Künstler*innen ansehen, die nicht in meiner Nähe auftreten.

Dazu gehört zum Beispiel die tolle Birthh aus Florenz, Italien. Untergekommen ist mir die Künstlerin als Empfehlung in der Instastory des ebenfalls großartigen Giorgio Tuma.

Flugs gefolgt in der Hoffnung, dass man auf die Art vielleicht irgendwann mal auch rechtzeitig Tourtermine in der Nähe mitbekommt. Mit Touren war es dann natürlich schnell nichts mehr. Aber auch Streamingtermine vermelden Künstler*innen natürlich via Social Media. Ich habe mich entsprechend sehr gefreut zu sehen, dass auch Birthh (bürgerlicher Name Alice Bisi) einen Instagram-Livestream ankündigte. Bin dabei.

Nun eignet sich sicher nicht jede Art von Act für Livestream-Auftritte, gebe ich zu. Besonders für Bands wird es schwierig, da man ja logischerweise nicht zusammen spielen kann. Wer also nicht zufällig mit ihrer/seiner Band verheiratet ist oder zusammenlebt, muss wohl oder übel alleine machen, wenn überhaupt. Oder man ist eben sowieso Soloartist. Aber auch das stelle ich mir anspruchsvoll vor, so praktisch fast ganz ohne direktes Feedback ins Leere performen. Ist sicherlich auch nicht für jede*n etwas. Hut ab an alle, die das machen.

Bei Birthh habe ich keinerlei Bedenken, ob das live klappt, denn sie tritt sowieso eher als Einzelkünstlerin in Erscheinung. In kurzen Videos, die sie schon vorher gepostet hat, sah man sie schon immer wieder akustisch Gitarre spielen und singen, das war schon ziemlich sensationell.

Ihr Song „Supermarkets“ war in meinen Topsongs des Jahres 2019. Freu mich, den jetzt auch mal live zu hören. Pünktlich um 22 Uhr geht’s los – leider in direkter Konkurrenz zum Live-DJ-Set von Robyn (muss ich nacharbeiten).

Als Vorbild/Referenz nennt das Internet die Soulpop/Jazz-Sängerin Corinne Bailey Rae. Das kommt schon mal sehr gut hin. Bei Birthh ist das Ganze teilweise einen Mini-Tick folkiger/Singer-Songwriter-mäßiger, plus LoFi-Elektro-Elementen. Diese supertolle, klare, softe Stimme ist natürlich sowieso traumhaft.

Das erste Stück mit Keyboardbegleitung beginnt ohne große Begrüßung oder Vorankündigung. Direkt schön und auf den Punkt. Den Titel allerdings kann ich schon mal nicht zuordnen. War das neu? Eigene Notizen unklar.

Zweites Stück ist das dreamy „Parakeet“ vom aktuellen Album „Whoa.“ „It’s a song I hold very close to my heart“, verrät die Künstlerin und freut sich natürlich entsprechend besonders über den begeisterten Zuspruch in den Kommentaren.

Weiter geht’s mit „Yello/Concrete“ mit Keyboard, Drum Machine und sprechgesangsartigen Parts. „Sorry for being slightly awkward, I’ve never done this before“, entschuldigt sie sich und grüßt dann ihren Onkel, der wohl auch zuschaut. Danach kommen ein bisher unveröffentlichtes Stück, wenn ich es richtig verstanden habe und „Ultraviolet“ (wieder mit Gitarre – allerdings ohne den Rap-Part von Kollegin Ivy).

Vorletztes Stück des halbstündigen Sets ist der Hit „Supermarkets“– sehr gut. Die Ansage “Weirdly fitting to the times – we all love our grocery stores … and people,” leitet gekonnt über zu den exzellenten ersten Songzeilen “People are just people, they don’t know what they’re after.“ Was für ein schlimmer Ohrwurm (positiv gemeint).

Letzter Song ist das Stück „Space Dog“ mit der zur momentanen Situation ebenfalls gut passenden Textstelle „twenty-first century, what a time to be alive.“

Verabschiedung gibt’s keine, Birthh klettert einfach aus dem Bild und legt zum Abschied ein Gummi-Krokodil vor die Kamera. Souveräner Auftritt, Kompliment. Das Einschalten hat sich mal wieder gelohnt.

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