CRISTINA QUESADA, 22.03.2020, vermutlich bei der Künstlerin zuhause, Instagram

Christina Quesada

Foto: Madame Psychosis

Jetzt bin ich also auch voll drin im über live gestreamte Konzerte schreiben Hype. Ehrlich gesagt kommt mir das Format grundsätzlich entgegen. Ich bin nicht ungern daheim und mag es, ungestört Musik zu hören. Trotzdem fühlt es sich komisch an, dass das auf absehbare Zeit die einzige Möglichkeit sein wird, Live-Auftritte zu sehen.

Geht im Moment nicht anders, hilft nix. Und man muss sich auch irgendwie sinnvoll beschäftigen, wenn man das unfassbare Privileg hat, entspannt im Homeoffice arbeiten zu dürfen und keine kleinen Kinder betreuen muss. Hut ab vor allen, die im Moment Außergewöhnliches leisten.

Letzte Woche hatte ich schon einen Teil des Facebook-Auftritts von Sondre Lerche gesehen. Hat mir super gefallen, aber ich bin eher zufällig reingestolpert und konnte nicht richtig bei der Sache bleiben. Das hat mich selber geärgert, weil der Auftritt wirklich beeindruckend war. Das nächste Mal muss also besser geplant werden.

Cristina Quesada soll es sein, Beginn Sonntag um 18:15 Uhr, Ort: Instagram live. Cristina Quesada habe ich in Madrid 2011 schon mal „richtig“ live gesehen (im Vorprogramm von Fitness Forever, schön war’s), das war glaube ich sogar einer ihr ersten Auftritte. Seitdem hat sie diverse Songs und zwei Alben beim großartigen spanischen Label Elefant Records veröffentlicht.

Die Liveschalte (sagt man das so, wahrscheinlich nicht) beginnt pünktlich um viertel nach sechs. Funktioniert technisch alles tadellos. We’ve come a long way since man zuhause einen einzigen Telefonanschluss für die ganze Familie hatte.

Ich finde es seltsam, in Echtzeit einer Person zuzusehen, die in ihrem privaten Zuhause ist und mich nicht sehen kann. Ich drücke mal schnell das Herzaugen-Smiley. Huhu, hier bin ich. Insgesamt haben sich gut sechzig Zuschauer*innen eingeloggt.

Als erstes Stück spielt Cristina Quesada „Viaje A Los Suenos Polares.“ Ein Song, der, wenn ich es richtig weiß, von der spanischen Gruppe Family ist und den auch Guille Milkyway aka La Casa Azul schon gecovert hat. Sie begleitet sich selbst mit ihrem Signature-Instrument Ukulele.

Ich bin nicht der allergrößte Ukulelen-Fan, aber an ihr gefällt mir das Instrument sehr. Was für ein Ohrwurm. Cristina Quesada singt mit sehr mädchenhafter, heller und natürlicher Stimme. Im Hintergrund hängt eine Blumengirlande. Sehr wohltuend und positiv das Ganze.

Weiter geht es mit „Pineapple Princess“ und „My Favourite Girlfriend“ (von Guille Milkyway), zwei weitere Coverversionen, die sehr gut zur dreamy Ausstrahlung der Künstlerin passen. Auch „Just For Fun“ ist ein Cover der schwedischen Gruppe Alpaca Sports, der Quesada auch privat verbunden ist.

Das nächste Stück kenne ich nicht, es ist mit etwas schepprigem 80er-Jahre Synthie-Playback unterlegt, passt gut zu einem Lo-fi-Schlafzimmer-Auftritt. Sehr gelungen finde ich auch das Bangles-Cover „Manic Monday.“

Nach einem Dutzend Liedern und ein paar wenigen, sympathischen Verspielern endet das Konzert um sieben mit dem Song „I Think I Heard A Rumor“, der mir unplugged sogar noch besser gefällt als im Original.

Es ist ungewohnt, dass der direkte Applaus nach den Stücken fehlt, aber dafür gibt es dann eben das Kommentarfeld und diverse Emojis.

Wegklicken, vorbei. Nach dem abrupten Ende fühlt man sich dann doch kurz ein bisschen einsam. Das Schöne ist aber, man kann das Konzert direkt danach nochmal in allen Details in der Insta-Story schauen. Auch das Sondre-Lerche-Konzert, das ich verpasst habe, kann man noch auf Facebook sehen. Hole ich einfach nach.

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