JAH SCHULZ, 29.12.2019, Yart, Stuttgart

JAH SCHULZ, 29.12.2019, Yart, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Vermutlich eines der bestgehüteten musikalischen Geheimnisse in Stuttgart ist die äußerst rege Dub-Szene. Kern ist das 2016 gegründete Label Railroad Records und sein Protagonist Jah Schulz. In schöner Regelmäßigkeit zelebriert die kleine, feine Crew mit ihren Fans die Faszination des Tiefbasses und der Echo-Schleifen. Während man am Nordbahnhof unter sich bleibt, trifft die Dub-Gemeinde bei ihren Gastspielen in Stuttgarter Bars häufig auf ein Publikum, das auf diese Art der Musik nicht unbedingt eingestellt ist. So schon erlebt im Oberstübchen, im Kap Tormentoso und nun auch heute im Yart. Während sich die Dub-Fans und Dreadlock-Träger um das DJ-Pult scharen, läuft im Hintergrund der Barbetrieb mit der Samstagabend-Schickeria einfach weiter.

JAH SCHULZ, 29.12.2019, Yart, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Eigentlich kann man das Event auch nicht wirklich als Konzert bezeichnen. Als wir gegen 22 Uhr den Laden betreten, sind bereits zwei Reggae-DJs zugange – sorry, „Selectas“, wie es hier im Genre heißt. Roots, Sixties Reggae und klassischer Dub bereiten den Boden für die später stattfindenden Live-Sets. Von einem Konzertaufbau ist aber nichts zu sehen. Irgendwann später betritt ein Musiker den Laden, deponiert seine Instrumententaschen und sonstiges Geraffel neben dem Pult und beginnt in aller Seelenruhe mit dem Aufbau. Zum Warmup improvisiert er ein wenig mit dem Saxofon und der Querflöte zu den gerade laufenden Titeln.

JAH SCHULZ, 29.12.2019, Yart, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Es ist Carsten Netz, der z.B. auch bei Gomo Park, der Linda Kyei Swing Combo oder diversen anderen Formationen musiziert. Als sich dann Jah Schulz aka Michael Fiedler an dem zirka ein Quadratmeter großen Arrangement aus elektronischen Geräten mit unzähligen Knöpfen und Reglern zu schaffen macht, geht die Plattenunterhaltung nahtlos in das Live-Dub-Set über.

JAH SCHULZ, 29.12.2019, Yart, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Auch wenn die Anlage der Bar bei weitem nicht den Druck eines echten Soundsystems erreicht, nimmt die musikalische Intensität doch merklich zu. Easyman, auch bestens bekannt als Sänger von More Colours oder der Jagga-Bites, toastet in feinstem Jamaika-Patois zu den immer intensiver werdenden Beats und Loops von Jah Schulz. Die Mannschaft vor und auf der Bühne gerät zunehmend in Bewegung. Und dann kommt auch irgendwann der Titel „Chanting“, dessen Single-Release den Anlass für die heutige Session gibt:

Video: Holger Vogt

Der Gesang des Londoner Reggae-Artists Donovan Kingjay kommt zwar aus der Retorte, der Rest der Mannschaft geht aber live beherzt zu Sache und die großartigen, teils jazzigen Saxofon-Improvisationen dehnen den Track auf knapp sieben wunderbare Minuten. Und es wäre nicht verwunderlich, wenn dieser Titel, wie schon Schulz‘ letzte Kollaboration „Praise H.I.M.“ auch wieder internationale Anerkennung finden würde – und es vielleicht auch in das feste Repertoire einer Dub-Legende wie Jah Shaka schafft. Das Live-Set im Yart ist inzwischen wieder genauso nahtlos in den DJ-Betrieb übergegangen und wir erfreuen uns weiterhin an Stuttgarts quicklebendiger Dub-Gemeinde, die noch eine lange Nacht vor sich hat…

JAH SCHULZ, 29.12.2019, Yart, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

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