ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK, 03.12.2019, Liederhalle, Stuttgart

ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK, 03.12.2019, Liederhalle, Stuttgart

Foto: Martin Schniz

Enola Gay
You should have stayed at home yesterday
Ah-ha words can’t describe
The feeling and the way you lied

Mit diesen einfachen Worten und einer einfachen Melodie, gespielt auf einem einfachen Synthesizer eroberten 1980 die Briten Orchestral Manoeuvres In The Dark, kurz OMD, den Pophimmel in Europa, USA und Asien.

ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK, 03.12.2019, Liederhalle, Stuttgart

Foto: Martin Schniz

Dass es sich dabei nicht um eine einfache Botschaft handelt, sondern dass es sich bei Enola Gay um das Flugzeug handelt, dass die Atombombe nach Hiroshima brachte – und nicht um das Coming Out eine schwulen Band, wie damals die Redaktion eine BBC-Kindersendung annahm und sicherheitshalber das Lied nicht spielte, könnte ja was passieren – haben die meisten Hörer nicht mitbekommen. Ähnliches Schicksal ist den Songs „Dancing With Tears In My Eyes“ aus dem Jahr 1984 von Ultravox (da wird getanzt, während die weltvernichtenden Atomraketen bereits abgefeuert sind) oder „Vamos A La Playa“ (1983, Righeira, Atombombe explodiert am Strand) widerfahren. Der Mensch blendet bei Pop gerne das Grauen aus und lässt sich unterhalten, womit wir beim heutigen Abend beim Konzert zum 40jährigen Bandjubiläum im ausverkauft erscheinenden Beethovensaal der Liederhalle wären; der Innenraum unbestuhlt.

ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK, 03.12.2019, Liederhalle, Stuttgart

Foto: Martin Schniz

Das Publikum ist hipsterfrei, tendenziell über 50 und sehr begeisterungsfähig. Bandgründer und Sänger Andy McCluskey ist sichtlich erfreut über den großen Zuspruch. Große Schlagergesten wie die geballte Faust, die von Ferne langsam und kraftvoll ans Herz geführt wird, werden gezeigt. Die Ansagen werden in erwärmendem Englisch-Deutsch vorgetragen, oft spricht Andy dabei seine altgedienten Mitmusiker Keyboarder Paul Humphreys (Gründungsmitglied von 1978), Keyboarder und Saxophonist Martin Cooper (mit Unterbrechungen seit 1980 dabei) und Schlagzeuger Stuart Kershaw (mit Unterbrechungen erst seit 1993) an.

ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK, 03.12.2019, Liederhalle, Stuttgart

Foto: Martin Schniz

Nach jedem Song wird mit dem Publikum gemeinsam der soeben gegebene Song gefeiert, eine Art Akt der Selbstbestätigung, wie toll der Abend, die Band, das Publikum, man selbst ist. Selbstvergewisserungstheater. Dadurch wird das Konzert zur Hitsingle-Mitklatsch-Show. Es wird kein Set von ineinander übergehenden Liedern gespielt, die die durchaus interessanten Tracks wird das kraftwerkartige „The Punishment Of Luxury“ in Beziehung zum OMD-typischen Synthi-Pop brächte, der ja teilweise wie Neue Deutsche Welle mit englischen Texten klingt. Eine Möglichkeit zur Sich-in-die-Musik-Versenken ist nicht gegeben.

ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK, 03.12.2019, Liederhalle, Stuttgart

Foto: Martin Schniz

Das Konzert endet mit OMDs erstem Überhit „Electricity“ aus dem Mai 1979, welcher sich stark von Kraftwerks „Radioactivity“ beeinflusst zeigt. Die Bands hatten übrigens Anfang der 1980er Jahre auch persönlichen Kontakt, steht bei Wikipedia. Wie auch immer, interessanterweise wird in „Electricity“ über Energieverschwendung und alternativen Energiequellen gesungen, und damit ist der Song aktueller denn je: guter Abschluss einer gealterten Band.

The alternative is only one
The final source of energy
Solar electricity

Electricity, electricity
Electricity, electricity
Electricity

Nachtrag zum Vortrag: Die irische Vorgruppe Tiny Magnetic Pets wurde leider verpasst, wer fängt auch schon pünktlich an zu spielen…

Set-List

Isotype
Messages
Tesla Girls
History of Modern (Part I)
(Forever) Live and Die
Souvenir
Joan of Arc (Maid of Orleans)
Time Zones
Statues
Almost
Don’t Go
So in Love
Dreaming
The Punishment of Luxury
Locomotion
Sailing on the Seven Seas
Enola Gay

Zugabe:

If You Leave
Pandora’s Box
Electricity

Orchestral Manoeuvres In The Dark

Tiny Magnetic Pets

Ein Gedanke zu „ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK, 03.12.2019, Liederhalle, Stuttgart

  • 6. Dezember 2019 um 15:51
    Permalink

    Mal wieder sehr lehrreich, I like

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