RUTS DC, 29.11.2019, Goldmark‘s, Stuttgart

RUTS DC, LOADED, 29.11.2019, Goldmark‘s, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

„Celebrating 40 Years of The Crack“. Kaum ein Tag in diesem Jahr, an dem nicht mindestens ein „epochales“ Album aus dem Jahr 1979 gefeiert wurde. „Unknown Pleasures“ und „London Calling“ haben mit ihren Jubiläen zwar ein mächtiges Medienecho gehabt, eine Live-Aufführung ist aber mangels Band nicht mehr möglich. Für das Debüt-Album der Ruts ist das glücklicherweise machbar, dabei hatten The Ruts ein ganz ähnliches Schicksal: ihr Sänger Malcolm Owen starb bereits 1980. Die Band reformierte sich zwar als Ruts D.C., löste sich dann aber 1983 auf. 2007 fand sie sich zu einem Benefiz-Gig für ihren an Krebs erkrankten ehemaligen Gitarristen Paul Fox zusammen, der aber noch im selben Jahr verstarb. Mit ihrem neuem, kongenialen Gitarristen Leigh Heggarty sind die Gründungsmitglieder John „Segs“ Jennings und David Ruffy seit 2012 wieder aktiv und touren regelmäßig. Ein großer Glücksfall, wie sich im Laufe des Abends herausstellen wird.

RUTS DC, LOADED, 29.11.2019, Goldmark‘s, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

Der Andrang ist, trotz eines hervorragenden Stuttgart-Konzerts vor zwei Jahren, nicht so groß wie erwartet, so dass das Konzert kurzfristig vom Universum ins Goldmark’s verlegt wird. Auch dies eine glückliche Fügung – wenn auch nicht für den Veranstalter, dafür aber für das Publikum. Der Laden ist gut gefüllt, alle Alt-Punks und Musik-Auskenner haben sich eingefunden. Das Bier fließt in Strömen, die Stimmung ist hervorragend. Und daran haben auch die Ska-Punker Loaded ihren Anteil. Mit einem sehr beherzten Support-Auftritt, einer Schlagzeugerin mit fulminantem Punch und bester Spiellaune bringen die drei Mannheimer das Goldmark’s auf Betriebstemperatur und feiern gleichzeitig ihr 25-jähriges Band-Jubiläum.

RUTS DC, LOADED, 29.11.2019, Goldmark‘s, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

Anlässlich ihrer Jubiläums-Tour haben die Ruts das „The Crack“-Cover als Backdrop anfertigen lassen. Dieser ist allerdings so riesig, dass schon ein Teil davon ausreicht, die gesamte Rückwand des Goldmark’s einzuhüllen. (Man ahnt die Größe der britischen Bühnen, für die das Teil gefertigt wurde). Davor eröffnen die drei den Abend mit „Vox Teardrop“ von ihrem 2016er-Album „Music Must Destroy“, womit gleich mal klar wird, dass dies keiner dieser nostalgischen „One-Album-In-Its-Entirety“-Abende wird. Und wir stellen mit Freude fest: diese Band ist wahrlich in Würde gealtert. Drei sympathische, ältere britische Gentlemen ohne jeglichen Versuch der Pseudo-Jugendlichkeit. Dafür aber mit einem musikalischen Einsatz, der manch junge Band blass aussehen lässt. Auf allen drei Positionen große Klasse und es ist eine wahre Freude, die drei Herren in müheloser Perfektion zusammenspielen zu sehen.

RUTS DC, LOADED, 29.11.2019, Goldmark‘s, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

Der erste große Hit „Jah War“ kommt erst in der Mitte des Konzerts und wird zum erwarteten Höhepunkt. Der Reggae-Dub-Titel steht wie kaum ein anderer für die Verschmelzung von Reggae und Punkrock in den späten 1970ern und ist eine zornige Erinnerung an die Southall Riots von 1979. Nach mehr als sechs Minuten endet der Song mitten im Satz

Clarence Baker, No trouble maker
Said the truncheon came down…

und markiert den Moment, als der Misty-In-Roots-Manager Clarence Baker von einem Polizisten ins Koma geprügelt wird. Auch heute noch ist dieser Song ein beeindruckendes, mächtiges Statement gegen Rassisimus und Polizeigewalt.

Und er zeigt, wie die meisten Songs der Ruts, dass ihre Themen immer noch (oder schon wieder) top-aktuell sind und man sich nicht von den freundlichen Ansagen täuschen lassen darf: Die Ruts sind wirklich immer noch zornig. Und Gründe dafür gibt’s wahrlich genug.

RUTS DC, LOADED, 29.11.2019, Goldmark‘s, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

In der Zugabe gibt’s dann natürlich noch „Babylon Burning“ und „Staring At The Rudeboys“, was das Publikum endgültig in Verzückung versetzt. Die Textzeile aus „Staring At The Rudeboys“ beschreibt die Stimmung recht gut:

The skins in the corner are staring at the bar
The rude boys are dancing to some heavy heavy ska
It’s getting so hot, people are dripping with sweat
The punks in the corner are speeding like a jet

Fazit: Punk ist nicht tot. Er ist in Würde gealtert. Und relevanter denn je.

Setlist

Vox Teardrop
S.U.S.
Mighty Soldier
No Time To Kill
You’re Just A …
It Was Cold
Surprise
Tears On Fire
Backbiter
Out Of Order
Music Must Destroy
Jah War
Kill The Pain
In A Rut
West One
Psychic Attack

Babylon’s Burning
Love In Vain
Criminal Mind
Staring At The Rudeboys
Human Punk

Ruts DC

Loaded

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.