NEW FALL FESTIVAL, 10.10.-14.10.2019, Düsseldorf

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Foto: Reiner Pfisterer

Es ist Dienstag, der 15. Oktober, kurz vor 9 Uhr morgens und ich sitze im ICE vom Rhein an den Neckar. Hinter mir liegen fünf fulminante Tage beim New Fall Festival. New Fall Festival? War da nicht mal was? Ja, da war was! Zweimal fand das Festival auch in Stuttgart statt und sorgte für durchaus differenzierte Wahrnehmungen. War es im ersten Jahr noch ein Überraschungserfolg, scheiterte es bei der Wiederholung im Jahr 2017. Doch dies ist eine andere Geschichte. Denn das Festival lebt in Düsseldorf mehr denn je und ich war dort bereits zum zweiten Mal als Festivalfotograf tätig und das sehr gerne!

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Foto: Reiner Pfisterer

Eröffnet wurde das Festival letzten Donnerstag mit einem Einzelkonzert von Mine. Neben mir der zweite Export aus dem Ländle. Der Robert-Schumann-Saal war sehr gut gefüllt, die Stimmung ausgelassen.

War das Festival in den letzten Jahren noch in der ganzen Stadt verteilt, zeigte es sich dieses Mal von einer ganz anderen Seite. Alle Locations waren direkt nebeneinander im Bereich Tonhalle/ NRW-Forum/Ehrenhof und Rheinterrassen und die Konzerte waren zeitlich so abgestimmt, dass man fast alle sehen und hören konnte, am einfachsten mit dem Festivalpass.

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Foto: Reiner Pfisterer

Der zweite Tag bot dann Vielfalt an verschiedensten Plätzen. Im Robert- Schumann-Saal spielte sich William Fitzsimmons durch die depressiven Phasen seines Lebens. Aber in seinen Ansagen schwang immer auch das richtige Maß an Ironie mit, um es nicht zu traurig werden zu lassen.

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Foto: Reiner Pfisterer

Sehr gespannt war ich dann auf den Auftritt der Allah-Las im Rheingoldsaal. Die kannte ich bisher nicht, hatte aber bereits viel Gutes gehört. Das Ergebnis war für mich einfach nur ernüchternd. Ich dachte die ganze Zeit, wann es wohl los gehen würde, doch plötzlich war es schon vorbei. Mag ja sein, dass Coolness und kein Austausch mit dem Publikum ein Konzept sind, mich langweilt das meist. Da war die Vorband Suzan Köchers Suprafon tausendmal erfrischender. Übrigens spielen die am 7. November als Support von Okta Logue im Goldmark´s.

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Foto: Reiner Pfisterer

Abgerundet wurde der Freitag von L.A. Salami und einem sympathischen Auftritt der Hamburgerin Antje Schomaker im Festivalhotel „me and all hotel“. Den Hotelnamen kann man sich übrigens schon mal merken, denn wenn der Stuttgarter Bahnhof mal fertig sein wird, zieht die Hotelkette in den Bonatzbau ein. Und darauf kann man sich wirklich freuen, denn im Mutterhaus in Düsseldorf mitten in Little Tokyo fühlte ich mich fünf Tage lang pudelwohl.

Der Samstag startete dann mit einem musikalischen Highlight, der aber mit dem Festival nicht wirklich etwas zu tun hatte. Es gibt in Düsseldorf jeden Samstag um 11 Uhr einen zweistündigen musikalischen Stadtrundgang zu ganz verschiedenen Orten musikalischer Stadtgeschichte. Kraftwerk, La Düsseldorf, Der Plan, Die Hosen, Neu!, Family Five und so viele mehr, die hier ihre Wurzeln haben. Anja Wasserbäch hat darüber neulich einen sehr schönen Artikel in der StZ/StN geschrieben. Absoluter Supertipp! Wer schon immer mal mit 30 Gleichgesinnten mittags durch die gut gefüllte Altstadt laufen wollte, während aus dem Lautsprecher des Reiseführers lautstark, „Keine Atempause, Geschichte wird gemacht …“ ertönt, ist hier genau richtig.

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Foto: Reiner Pfisterer

Zu ungewöhnlicher Uhrzeit füllte dann Alligatoah mit Orchester um 15 Uhr die Tonhalle bis auf den letzten Platz. Der Sprachwitz und die nicht abzusprechende Originalität kamen beim Publikum sehr gut an, auch die Idee mit den Streichern war an diesem Ort genau richtig. Nur mich hat es nicht ganz erwischt, ich glaube für manche Musikrichtungen bin ich einfach zu alt und habe den Anschluss verpasst. Aber das ist überhaupt nicht schlimm, immerhin weiß ich diesen sehr erfolgreichen deutschen Künstler jetzt endlich einzuordnen.

So langsam rückte mein persönliches Festivalhighlight immer näher und ich betrachte es als großen Luxus, dass ich mich still und heimlich beim Soundcheck von Apparat in die letzte Reihe setzen konnte und einfach genoss, wie die fünf Musiker ein ganz eigenes Klangerlebnis kreierten.

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Foto: Reiner Pfisterer

Einer der Musiker erzählte mir, dass sie am Abend zuvor noch in Budapest waren und dann mit dem Nightliner 15 Stunden lang unterwegs waren. Kunst hat ihren Preis und den muss man auch bezahlen wollen … Das Konzert im bestuhlten Robert-Schumann-Saal war einfach ein Ereignis. Ich war ja zum Fotografieren da, aber wenn ich minutenlang zu Füßen der ersten Reihe sitze, um Sascha Ring einfach ganz nah zu fotografieren, bin ich viel mehr Fan als Fotograf. Vielleicht macht aber genau dies manchmal die nachhaltigsten Fotos aus.

Der Samstag wurde abgerundet von einem ausgiebigen Minifestival nur mit Bands aus NRW und einem anderen Themenabend mit weiblichen Künstlern unter dem Namen fem_pop. Überhaupt gab es zusätzlich zur Musik noch verschiedene Panels und Diskussionsrunden, aber darauf näher einzugehen würde den Rahmen meines Artikels sprengen.

Der Sonntag war vor allem geprägt durch das wunderschöne Herbstwetter. Man hatte das Gefühl, die ganze Stadt ist auf den Beinen, kauft sich im legendären „Fortuna-Büdchen“ Flaschenbier und genießt das Leben direkt am Rheinufer. Ich habe es auf jeden Fall in den Konzertpausen genau so gemacht.

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Foto: Reiner Pfisterer

Das für mich spannendste Konzert am Sonntag war der Auftritt von Roosevelt im Rheingoldsaal. Mit seiner Lockerheit und seiner herrlichen Popmusik brachte er am frühen Abend den ganzen Saal zum Tanzen.

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Foto: Reiner Pfisterer

Dies gelang auch schon deren Vorband Haelos. Ein unschlagbarer Grund auf Festivals zu gehen, ist die Möglichkeit zu haben, Neues zu entdecken, und diese Band war meine Entdeckung dieser fünf Tage. Eine pulsierenden Mischung aus Trip-Hop, Ambient und Electro, angetrieben von einem mitreißenden Schlagzeuger. Bitte mehr davon!

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Foto: Reiner Pfisterer

Außerdem gab es am Sonntag noch Konzerte von Die Gäng! und Sam Vance-Law. Der Vielfalt eine Chance …

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Foto: Reiner Pfisterer

Tja, und da war dann noch der abschließende Montag mit dem Konzert von Nils Frahm in der Tonhalle. Ein Künstler, der weltweit für Furore sorgt und seit Montagabend weiß ich auch warum. Weil er ein Virtuose ist, ein Klangkünstler, einer, der wie ein Getriebener zwischen seinen Bergen an Instrumenten hin und her springt. Das Publikum war gebannt – von der ersten bis zur letzten Sekunde. So etwas habe ich noch selten erlebt. Und ich habe auch selten erlebt, dass ein Künstler direkt nach einem zweistündigen Konzert fast eine Stunde lang Autogramme gibt, mit jedem ein Schwätzchen hält und allen sein Lachen schenkt. Sehr gewinnend und äußerst sympathisch!

Ein rundum gelungenes Festival, fast alle Konzerte ausverkauft, so viele zufriedene Gesichter. Irgendwie schade, dass es in Stuttgart nicht Fuß fassen konnte. Das zehnte New Fall Festival wird vom 1. bis zum 4. Oktober 2020 stattfinden. Das kann man sich durchaus schon mal notieren.

New Fall Festival

Mine

Allah-Las

Antje Schomaker

L.A. Salami

William Fitzsimmons

Alligatoah

Apparat

Haelos

Roosevelt

Sam Vance-Law

Nils Frahm

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