CHASTITY BELT, GANG, 04.10.2019, Manufaktur, Schorndorf

Chastitiy Belt

Foto: Steffen Schmid

„Wollt ihr mitkommen auf eine Reise?“ fragt „Gang“ Drummer Jimi Tormey auf Deutsch mit charmantem britischem Akzent das Publikum in der Manufaktur. Ja, wollen wir! Mit diesem freundlichen Angebot ist doch gleich ein Publikumsvertrag abgeschlossen. Im ersten Moment weiß ich noch nicht, wohin diese Reise geht mit dem Quartett aus Brighton. Drummer Jimi Tormey trommelt, singt und kreischt als wäre der Leibhaftige hinter ihm her, dazu entfalten sich krachiger Gitarrensound von seinem Bruder Eric Tormey und Bassist Joe Hunt. 80er Jahre Style lässt grüßen: kurze Hosen, Adidas und Vokuhila.

Gang

Foto: Steffen Schmid

Es lässt sich erahnen, dass „Gang“ uns hinausführt auf die hohe See mit starkem Wellengang und einem Gewitter dazu, es macht Spaß sich darauf einzulassen, merke ich. Fließend gehen die Songs ineinander über, wobei repetitive Postrockelemente die Brücke zwischen den Liedern bilden. Partikel aus Grunge, Punk, Psychedelic und getragener geistlicher Musik, die stellenweise Messe-ähnlich klingt, werden miteinander verwoben. Darüber legt sich dreistimmiger Harmoniegesang der Brüder Tormey und Gitarristin Tuli, die jung und unverblümt ihn ihrer Jogginghose und Wohlpulli überrascht. Ein Trip im Schleudergang. Ich frage mich nebenbei, wie Tuli zu diesen „wilden“ Jungs kommt. Es ist ganz einfach. „Gang“ ist eine Familien-Gang, wie sich nachher herausstellt, sie ist die kleine Schwester von Jimi und Eric Tormey. Wie toll ist das denn, mit den coolen großen Brüdern in einer Band zu spielen und auf Tour zu gehen? Erziehungsberechtigte sind auch dabei, ums Merchandising hat sich wiederum die Mutter gekümmert.

Chastitiy Belt

Foto: Steffen Schmid

Weiter geht es mit dem Hauptact, der US-Band „Chastity Belt“. Seit neun Jahren spielen die Musikerinnen Julia Shapiro (Gesang / Gitarre / Schlagzeug), Lydia Lund (Gesang / Gitarre), Gretchen Grimm (Schlagzeug / Gesang / Gitarre) und Annie Truscott (Bass) zusammen. „Chastity Belt“ ist bereits ihr viertes Album. „Irgendwie ist es bei Musikerinnen immer aufregender für alle wenn sie besser werden“ sagten die vier Amerikanerinnen aus Seattle jüngst in einem Interview, auch, dass sie mit Fragen konfrontiert werden, die All-Dudes-Bands nicht gestellt werden.

Chastitiy Belt

Foto: Steffen Schmid

Mit ruhigen Dreampop-Songs „It Takes Time“ und „Elena“ baut sich das Set langsam auf. In der Band ist eine dauernde Bewegung, die ersten Songs werden noch von Julia Shapiro gesungen, sie wechselt dann ans Schlagzeug und Drummerin Gretchen Grimm übernimmt den Part an Gesang und Gitarre. Dass die vier Musikerinnen ein eingespieltes Team sind und sich zusammen entwickelt haben, ist ihnen sofort anzumerken. Es wird viel gewitzelt und gelacht, auch mit den „Gang“ Musikern, die mit im Publikum stehen.

Chastitiy Belt

Foto: Steffen Schmid

Bei Gitarristin Lydia Lund kommen beim Singen anfangs noch Zischlaute an einigen Passagen durch. Sie erzählt nach dem Song über ihre Eindrücke aus Schorndorf, wieder kommen Zwischenlaute mit durchs Mikro. Sie muss selber lachen, denn eigentlich würde sie nur etwas erzählen, um zu überprüfen was mit dem Mikro los ist, die Geräusche noch da sind. Auch sie übernimmt den Gesangspart bei einem Song. Im Gegensatz zu Julia Shapiros hellerer Stimme rauer und tiefer. Live finde ich ihre Stimme fast am stärksten. Jeder Song für sich offenbart sich als kleine Midtempo-Indiepop-Perle. Mir gefiel der Wechsel der führenden Gesangsstimmen der Musikerinnen, wodurch jeder Song seine eigene Färbung bekommt, dass auf der Stimmungsskala von dahintreibend melancholisch bis unglaublich rauh alles dabei war. It Takes Time – hat sich in diesem Fall bewahrheitet. Das Publikum wollte die Musikerinnen nicht gehen lassen, so dass noch eine zweite Zusage gespielt wurde.

Chastitiy Belt

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Chastity Belt

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