TORBEN DENVER, 11.09.2019, Ritterstüble, Stuttgart

TORBEN DENVER, 11.09.2019, Ritterstüble, Stuttgart

Foto: Torsten Köster

Das Rauschen in der sozialen Blase war mächtig: Im Ritterstüble gebe es ein neues Booking. Perlen der lokalen Musik-Szene werde man zukünftig einmal im Monat auf die (nicht existente) Bühne stellen. Und mit Torben Denver, den Königen des gepflegten Sunshine-Pop, werde man in die Saison starten. Selbst auf Werbetafeln in der U-Bahn und als Kulturtipp in SWR 3 war es zu vernehmen.

Jetzt ist es nicht so, dass es im Ritterstüble bisher keine Konzerte gegeben hätte (wir berichteten bereits), aber mit seinem ersten Coup hat das Booker-Duo eine Band gewonnen, deren Mitglieder quasi zum Kern der Musikerszene gehören. Und so ist es kein Wunder, dass die lauschige Eckkneipe aus allen Nähten platzt. Wie die „Rentrée des classes“, den ersten Schultag nach den Sommerferien, fühle es sich an, schwärmt Stuttgarts omnipräsenter Konzert-Franzose. Tatsächlich: Alle üblichen Verdächtigen geben sich ein Stelldichein. Musiker von Loretta, Wolf Mountains, Les Quitriche und Zirkel finden sich im Publikum – und die notorischen Musiknerds ohnehin. Großes Hallo, Umarmungen, Händeschütteln und Schulterreiben – so kuschelig ist es in Stuttgarts Konzertblase.

TORBEN DENVER, 11.09.2019, Ritterstüble, Stuttgart

Foto: Torsten Köster

Die fünfköpfige Band drängt sich im Eingangsbereich, der Bassist wird aus Platzgründen hinter dem Publikum platziert und Stadtrat Putte, der hier als Mischer agiert, verrichtet seinen Job vom Stammtisch aus. Die Grenzen zwischen Band und Besuchern sind aufgehoben; Sänger Tobias Spreng muss immer wieder den Gästen und dem Wirt ausweichen, die gemeinsam für stetigen Biernachschub sorgen. Die Luft ist nach wenigen Minuten nikotinschwer, die Temperaturen im kritischen Bereich.

TORBEN DENVER, 11.09.2019, Ritterstüble, Stuttgart

Foto: Torsten Köster

Was Torben Denver dann aber in der nächsten Stunde zum Besten gibt, lässt nicht nur diese leicht klaustrophobischen Bedingungen vergessen, es holt auch den Sommer zurück, der sich dieses Jahr leider unerfreulich schnell verabschiedet hat. Die elf Songs spannen einen Bogen von Easy Listening über fröhliche Pop-Sounds bis zu Seventies Disco und Jazz. Sprengs zartschmelzender Gesang harmoniert aufs Trefflichste mit Alex Minks exquisitem Querflöten-Spiel und Jochen Neuffers leichtfüßiger Gitarre. Das ist – trotz der erschwerten Bedingungen – mein bisher bester Torben-Denver-Gig.

TORBEN DENVER, 11.09.2019, Ritterstüble, Stuttgart

Foto: Torsten Köster

Und das liegt auch zu einem nicht unerheblichem Teil an Martin Zentner, der aus diversen elektronischen Geräten nicht nur die Beats, sondern auch mehr oder minder schräge Synthie-Sequenzen beisteuert. Seine Einzähler ebenso sportlich wie lustig: „Auf die Plätze, fertig, los“. Die Kombination aus teils disco-mäßigen Elektronik-Beats und den rhythmischen Bassläufen geht nicht nur ordentlich in Beine und Hüften, sie hat auch einen feinen Retro-Touch. Dies alles übrigens dargebracht ohne Sichtkontakt zwischen den beiden Musikern der Rhythmussektion oder solcher Firlefänze wie Monitorboxen.

TORBEN DENVER, 11.09.2019, Ritterstüble, Stuttgart

Foto: Torsten Köster

Das Auftaktkonzert der Konzertsaison im Ritterstüble endet jedenfalls in tosendem Applaus und allseits großer Begeisterung. Und der herumgereichte Hut – hier in Form einer alten Konservendose – füllt sich derart flott mit Scheinen, dass ich die Diskussion über das Für und Wider von „Hutkonzerten“ hiermit für beendet erkläre. Und ich freue mich riesig auf das nächste Konzert am 9. Oktober mit Loretta. Wobei es mir schleierhaft ist, wie man diese Band komplett mit Schlagzeug hier unterbringen will. Aber dann rücken wir halt alle noch ein bisschen enger zusammen…

TORBEN DENVER, 11.09.2019, Ritterstüble, Stuttgart

Foto: Torsten Köster

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