DER PLAN, 03.05.2019, Kunstgebäude, Stuttgart

DER PLAN, 03.05.2019, Kunstverein, Stuttgart

Foto: Martin Schniz

„Schreib: ‚Die deutschen Residents für Arme'“, flüstert mir ein Freund ins Ohr. Wir befinden uns im Kuppelsaal des Kunstgebäudes (das mit dem goldenen Hirsch). Gerade hat Der Plan sein Konzert begonnen und hat sich – ganz wie die Residents – mit ulkigen Masken verkleidet. Vor geschätzten hundert Zuschauern, die den riesigen Saal natürlich nicht annähernd füllen können. Normalerweise wird dieser vom Württembergischen Kunstverein mit Ausstellungen bespielt und diente während der Sanierung des nahegelegenen Landtags als Ausweich-Plenarsaal. Das Konzert findet im Rahmen des Internationalen Trickfilm-Festivals statt. Dort werden die Band-Mitglieder von „Der Plan“ im Rahmen der ersten I/P/D-Konferenz sprechen und ein weiteres Konzert geben. Am Vorabend der Konferenz haben sich Stuttgarts Musik-Nerds versammelt, um der Band, der man gerne mal das Attribut „Kult“ anheftet, ihre Aufwartung zu machen.

DER PLAN, 03.05.2019, Kunstverein, Stuttgart

Foto: Martin Schniz

„Schreib: ‚Alte Männer machen Musik für alte Männer'“, raunt mir der Freund zu. Ok, alt sind sie wirklich, Moritz Reichelt (64), Frank Fenstermacher (64) und Kurt Dahlke aka Pyrolator (61), (das Publikum ist es allerdings auch) und es weht tatsächlich ein Hauch von Musikgeschichte durch den Saal. Das einflussreiche Label „Ata Tak“, Mitarbeit an Fehlfarbens ewigem Klassiker „Monarchie und Alltag“, Gründungsmitglied der „Deutsch-Amerikanischen Freundschaft“, Cover-Art für viele berühmte Avantgarde- und NDW-Alben und letztlich die Band „Der Plan“: Die einzelnen Mitglieder, die sich übrigens erst 2014 wieder zu Auftritten in Originalbesetzung zusammengefunden haben, darf man durchaus als wichtig bezeichnen.

DER PLAN, 03.05.2019, Kunstverein, Stuttgart

Foto: Martin Schniz

Nun denn, lassen wir die Vergangenheit hinter uns und widmen wir uns dem Konzert. Wir sehen eine mit ziemlichem technischen Aufwand in den Saal installierte Bühne, Comic-Dekoration aus Pappe, ein paar elektronische Instrumente und etwas Schlagwerkzeug. Auf dem Backdrop laufen Video-Sequenzen aus einer trostlosen Fantasie-Landschaft (ist das eigentlich Second Life, nachdem es alle verlassen haben?) und davor agieren die drei Musiker in quietschbunten Freizeitklamotten. Und zwar sehr gemächlich, es wirkt schon fast unmotiviert. Die Texte werden vom iPad abgelesen. Auch wenn sie schon sehr früh im Programm ihre NDW-Dada-Hits „Da vorne steht ’ne Ampel“ und „Gummitwist“ spielen, von Konzert- oder Partystimmung keine Spur. Zu spröde ist der Auftritt, zu museal das Setting. Aber vielleicht ist das sogar so gewollt. Zu der bewussten Dilettantien-Attitüde, die sich durch ihr Werk zieht, gehört vielleicht auch eine Live-Performance, die gar nicht erst gefallen will. Nach einem ruhigen Titel kündigt Reichelt – nicht ohne Witz – einen langsamen an, auf den dann wiederum ein langsamer folgt. Die Stimmung im Saal ist, nun ja, auch eher langsam. Die einzigen, die wirklich Spaß zu haben scheinen, ist ein Pärchen, das irgendwo hinten im Saal völlig versonnen Tangofiguren aufs Parkett zirkelt.

DER PLAN, 03.05.2019, Kunstverein, Stuttgart

Foto: Martin Schniz

Später ziehen die drei das Tempo etwas mehr an, mit dem Dance-Beat von „Lass die Katze stehen“ kommt dann sogar etwas Bewegung in das inzwischen etwas ausgedünnte Publikum. Eine gigantische, in die Kuppel projizierte Comic-Figur tanzt auch mit. Und dann fällt dem Mann am Lichtmischpult auch noch ein, dass man ja im gesamten Rund große Spots verteilt hat, die den Saal rhythmisch und stimmungsvoll ausleuchten könnten. Und siehe da: auf den letzten Metern stellt sich fast so etwas wie gemäßigte Partystimmung ein. Schade, mit einer etwas dynamischeren Dramaturgie wäre mehr drin gewesen in diesem Konzert. Ehrfüchtiges Bewundern einer museal präsentierten Kult-Band trägt dann halt doch nicht über eineinhalb Stunden.

DER PLAN, 03.05.2019, Kunstverein, Stuttgart

Foto: Martin Schniz

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