SAMBA TOURÉ, 07.03.2019, Laboratorium, Stuttgart

SAMBA TOURÉ, 07.03.2019, Laboratorium, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Ihr habt’s sicher durchschaut: wenn ich die Klickzahlen mal wieder so richtig durch die Decke jagen will, dann widme ich mich so richtigen Klopper-Themen. Wie zum Beispiel der Fortsetzung unserer Reihe „Musik aus Mali“. Mit Tamikrest, Tinariwen und Ben Zabo habe ich schon ein paar der wichtigsten westafrikanischen Musiker hier vorgestellt. Mit Samba Touré setze ich unsere Erfolgsreihe nun fort.

SAMBA TOURÉ, 07.03.2019, Laboratorium, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Samba Touré wurde 1968 in Timbuktu geboren und wird heute als einer der wichtigsten Vertreter des Desert Blues angesehen. Unter dem Einfluss seines Freundes und Mentors Ali Farka Touré – des 2006 verstorbenen berühmten „Bluesman of Africa“ – entwickelt Samba Touré einen ganz eigenen Stil. Nach einer längeren Pause veröffentlicht er 2018 sein neues Album „Wande“, das er nun im Rahmen einer weiträumigen Europatour auch an zwei Daten in Deutschland präsentiert. Wo, wenn nicht im Laboratorium, kann ein solches Konzert stattfinden? Und dass dieses gut gefüllt ist, bestätigt mal wieder seinen hervorragenden Ruf als Location für „Weltmusik“. Seltsam nur, dass sich fast niemand der großen afrikanischen Gemeinschaft Stuttgarts hierher verirrt.

SAMBA TOURÉ, 07.03.2019, Laboratorium, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Die vierköpfige Band ist mit einer Kalebasse als Trommel, einem E-Bass, einer E-Gitarre und einer Ngoni wahrlich kontinentübergreifend bestückt. Die Ngoni ist übrigens eine Spießlaute, die aus einem hautbespannten, ausgehöhlten, massiven Holzstück besteht und klanglich, je nach Größe und Spielweise, zwischen Mandoline und Banjo liegt. Djimé Sissoko setzt mit seinen Ngonis, wenn er nicht gerade die unter die Achsel geklemmte Tama („Talking Drum“) spielt, zweifellos die Höhepunkte des Abends. Mit Hilfe einiger Effektgeräte und virtuoser Behandlung der Dreisaiter produziert er komplexe, sich subtil verändernde, geradezu hypnotische Melodien. Die teilweise minutenlangen Soli werden – auch hier ist das Lab-Publikum vom Feinsten – immer ganz jazz-mäßig mit Szenenapplaus bedacht. Eingebettet sind diese Soli in ausufernde Songs, deren Struktur sich mir nicht wirklich erschließt, die aber immer wieder überraschende Wendungen nehmen.

SAMBA TOURÉ, 07.03.2019, Laboratorium, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Und wenn sich Sissokos Ngoni und Tourés Gitarre in den Dialog begeben, dann entstehen wahrhaft magische Momente. Spannend auch die Rhythmus-Sektion: Die aus dem gleichnamigen Flaschenkürbis produzierte Kalebasse wird sowohl mit zwei peitschenartiken Stöckchen sowie mit dem Handballen gespielt, was eine Kombination aus tiefen Toms und Rimshot-ähnlichen Beats erzeugt. Der Bass steht eher im Hintergrund und begleitet die anderen Saiteninstrumenten eher als Walking Bass. Auch wenn, oder gerade weil sich die Musik mit dem für unsere Ohren etwas monotonen, teilweise mehrstimmigen Gesang, der klassischen afrikanischen Gitarre und den Polyrhythmen in einem recht engen musikalischen Spektrum bewegt, hat sie ihr ganz eigene Magie und verleitet den ein oder anderen zu mehr oder weniger exaltierten Tanzbewegungen.

SAMBA TOURÉ, 07.03.2019, Laboratorium, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Tourés Ansprache ans Publikum ist freundlich, aber eher spärlich. Zumal das afrikanisch geprägte Französisch auch nur von den wenigsten verstanden wird. Nur einmal holt Samba Touré etwas aus: Es sei heute ein ganz besonderes Konzert für ihn, denn die Witwe seines großen Vorbildes Ali Farka Touré sei heute im Publikum und er bitte alle, sich ihr zu Ehren zu erheben. Dem kommen natürlich alle Besucher nach. Dann ist ihm dies wohl doch etwas zu pathetisch und unter schelmischen Grinsen und Gelächter lässt er das Publikum sich wieder hinsetzen.

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