GRANDMASTER FLASH, 17.02.2019, Im Wizemann, Stuttgart

GRANDMASTER FLASH, 17.02.2019, Im Wizemann, Stuttgart

Foto: Martin Schniz

Don’t push me, cause I’m close to the edge
I’m trying not to lose my head
It’s like a jungle sometimes
It makes me wonder, how I keep from goin‘ under

Hunderte skandieren lautstark den Refrain aus dem Klassiker „The Message“. Unter der Leitung der Hip-Hop-Legende Grandmaster Flash. Der erwartete Höhepunkt eines Abends, der sich als eine Mischung aus einer Block Party, einem Schnellkurs im DJ-ing und einer Geschichtslektion beschreiben lässt.

GRANDMASTER FLASH, 17.02.2019, Im Wizemann, Stuttgart

Foto: Martin Schniz

Als der 61-jährige New Yorker punkt 20:00 Uhr die Bühne des Wizemann Clubs betritt, wird er von einem lustig gemischten Publikum begrüßt: Junge Hiphop-Fans in stilvollem Outfit mischen sich mit mittelaltem Partypublikum und ganz alten Zauseln, die die denkwürdige Entstehungszeit des Hiphop wohl noch persönlich erlebt haben dürften. Natürlich erwartet sie kein Konzert, sondern ein DJ-Set – und zwar von keinem Geringeren als dem Mann, der das DJ-ing erfunden haben soll. Und als wenn das nicht genug wäre, verspricht Joseph Saddler aka Grandmaster Flash eine musikalische Rundreise durch die Geschichte des Hip-Hop unter dem Motto „People, Places and Things – The Visual Experience“. Und, Sahnehäubchen oben drauf: Er lässt sich von einer Kamera bei seinen Aktivitäten an den Turntables über die Schulter schauen, so dass das Publikum live die Geheimnisse seiner Fingerartistik bewundern kann.

GRANDMASTER FLASH, 17.02.2019, Im Wizemann, Stuttgart

Foto: Martin Schniz

Kurzum: ein Füllhorn an Eindrücken, das in einem nicht enden wollenden Schwall von Bildern, Filmen und Soundschnipseln über das Publikum ausgegossen wird. Da wird den verstorbenen Hip-Hop-Helden die Ehre erwiesen, da wird der große Bogen von der Bronx bis nach Compton geschlagen, da wird das New York der Siebziger in Sektoren zerlegt und ihre jeweiligen Herrscher gewürdigt. (DJ Kool Herc, Afrika Bambaataa und Grandmaster Flash) Und an jeder Stelle wird ganz unbescheiden die Botschaft transportiert: „Na, wer hat’s erfunden?“

GRANDMASTER FLASH, 17.02.2019, Im Wizemann, Stuttgart

Foto: Martin Schniz

Endgültig selbstreferentiell wird es, als Clips der Netflix-Serie „The Get Down“ eingespielt werden. Diese Serie, in der Grandmaster Flash zum Übervater des Bronx-Hip-Hop erhoben wird (und an deren Entstehung er mitgewirkt hat), tut alles, um die überragende Bedeutung des Hip-Hop museal zu verewigen. Und es ist auch nicht ganz unwahr: in Sachen Verbreitung und Umsatz hat der Hip-Hop die Rockmusik bereits überholt. Das musikalische Set packt wirklich alles zusammen, was an Hip-Hop-Kloppern zur Verfügung steht. Kaum ein Titel wird länger als eine Minute gespielt, schon wird mit virtuosen Überleitungen oder Backspins der nächste Hit rausgehauen. Kein Wunder, dass sich die Stimmung sich glänzend entwickelt. Da stört es auch nicht weiter, dass das Set vorgemixt zu sein scheint und die Scratches und Backspins eher als Lametta drüber gelegt werden. Hauptsache dicke Hose.

GRANDMASTER FLASH, 17.02.2019, Im Wizemann, Stuttgart

Foto: Martin Schniz

Dass das kollektive Armeschwenken und permante „Say Hoo-yoo!“-Geschrei immer wieder von der Bühne eingefordert wird, ist manachmal etwas zu viel Hip-Hop-Folklore. Aber was soll’s: Es kann das erhabene Gefühl, eine Party mit einer leibhaftigen Legende zu haben, kaum schmälern. Grandmaster Flash bedankt sich jedenfalls immer wieder bei der Crowd aus „Shtooogart“, dass sie an einem Sonntagabend so heftig abfeiert. Nach exakt 90 Minuten setzt er dem multimedialen Treiben dann aber doch ein Ende und entlässt das Publikum, das – wie der Meister per Handzeichen ermitteln ließ, zu gut drei Vierteln am nächsten Tag arbeiten muss, zu einer wirklich vernünftigen Zeit in den Sonntagabend.

GRANDMASTER FLASH, 17.02.2019, Im Wizemann, Stuttgart

Foto: Martin Schniz

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