SOPHIE HUNGER, 14.02.2019, Im Wizemann, Stuttgart

SOPHIE HUNGER, 14.02.2019, Im Wizemann, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

„Also ich finde, der Gig-Blog schreibt viel zu positive Konzertberichte“, „Das ist doch keine Konzertkritik, das ist doch eine Lobhudelei!“, „Gähn, schon wieder das Konzert des Jahres“.

Sätze, die man als Gig-Blogger so oder ähnlich häufiger zu hören bekommt. Mag was Wahres dran sein, kann aber auch daran liegen, dass wir meist auf Konzerte gehen, deren Künstler wir mögen. Von denen wir wissen, dass sie gut sind. Keine Redaktion schickt uns mit Berichterstattungspflicht zu einem ungeliebten Liederabend. Dennoch, die Gefahr der gefälligen Hofberichterstattung droht tatsächlich. Vor allem, wenn eine Künstlerin wie Sophie Hunger kommt, die jedem noch so abgezockten Profi-Kritiker eine Lobeshymne abringen kann.

Die Schweizerin gastiert regelmäßig in Stuttgart und ihr diesejähriger Gig wird mit besonderer Spannung erwartet. Hat doch ihr neues Album „Molecules“ im ohnehin schon sehr bunten musikalischen Hunger’schen Kosmos nicht nur neue musikalische Gefilde erschlossen, es wurde unisono von der Kritik gelobt und war auf fast jeder Jahresbestenliste 2018 vertreten. Den großen Saal des Wizemann füllt Sophie Hunger jedenfalls fast, andernorts ist sie häufig vor ausverkauftem Haus aufgetreten. Es ist ein auffällig senioriges Publikum, das auf den Auftritt der 35-jährigen Bernerin wartet. Der Altersschnitt dürfte um die fünfzig liegen.

SOPHIE HUNGER, 14.02.2019, Im Wizemann, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Punkt 21 Uhr betritt Sophie Hunger mit ihrer Band die Bühne. zwei Dinge fallen auf: Die gesamte Band sucht die Nähe zum Publikum und drängt sich am vorderen Rand der eigentlich üppig bemessenen Bühne. Und es stehen mindestens zehn elektronische Tasteninstrumente bereit. Ein klarer Hinweis, dass das aktuelle, elektronisch orientierte Album einen guten Teil des Abends einnehmen wird. Und schon der erste Song bringt alles mit, was das ganze Konzert auszeichnen wird: souveräne Mühelosigkeit, ein völlig unaufgeregter Auftritt, eine ebenso brilliant wie zurückhaltend aufspielende Band und eine Frontfrau, die man mit ihrer Natürlichkeit einfach mögen muss.

Das Publikum nimmt das Konzert ebenso konzentriert wie begeistert auf. Und dies wird durch einen wirklich hervorragend transparenten Sound und eine dezente Lightshow bestens unterstützt. Die Songfolge ist abwechslungsreich, der Spannungsbogen wohlkomponiert und die wenigen Ansagen ans Publikum wirken spontan und natürlich. Die musikalische Spannbreite ist riesig, vom Chanson, über Blues (wo haben wir ihn schon jemals im Dreivierteltakt gehört?), über eingängige Popsongs bis hin zu Elektro, TripHop oder sogar Dub. Das Konzert hat keinerlei Längen und muss – auch wenn wir jetzt wieder der Lobhudelei verdächtigt werden – einfach als perfekt bezeichnet werden.

Frank Powers

Sophie Hunger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.