DAYDREAMTONES, 02.02.2019, Dreigroschentheater, Stuttgart

DAYDREAMTONES, 02.02.2019, Dreigroschentheater, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Ein „El Chico de Los Balcones“ ist ein toller Mensch. Er kümmert sich um prächtige Balkonbepflanzungen an den Wohnhäusern, dass es in den in Straßen bunter und schöner aussieht. So auf der Kanareninsel La Palma. Dort zählen Balkonbepflanzungen zum Traditionshandwerk. Der „El Chico de Los Balcones“ stand Namenspate für „Chicos Records“, dem Label von Anne und Ralv Milberg. Denn, wenn das Milberg-Studio mal verlegt werden sollte, dann nach La Palma.

Bei dem Namen Ralv Milberg klingelt es doch gleich mit Bands wie Human Abfall, Die Nerven, Karies u.v.m, die in seinem im Studio zu Aufnahmen oder Mastering etc. waren. Daydreamtones (Band Nummer 2 auf Chicos Records) zählt zu den zarteren Klängen. Da passt der Rahmen des Release im Stuttgarter Dreigroschentheater sehr gut. Bertold Brecht blickt in den Zuschauerraum. Ein Bild hängt von ihm hängt über dem Klavier. Liebevoll ist die kleine Bühne des Theaters eingerichtet: Die Instrumente stehen zwischen Stehlampen, ein altes schwarzes Telefon (mit Wählscheibe) ist neben den Drums drapiert, über einen aufgestellten Monitor flackert ein Fußballspiel aus den 70er Jahren in Dauerschleife.

DAYDREAMTONES, 02.02.2019, Dreigroschentheater, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Dauerschleifen in musikalischer Form gibt es als Warm-up von Günter Schlienz. Dieser kniet über einem aufgeklappten Koffer, aus dem sich atmosphärisches Geknister entfaltet. Vom Publikum aus lässt es sich nicht erkennen, was sich alles in dem Koffer befindet. Es wird an Reglern gedreht, Verbindungen werden umgesteckt. Die entstehenden Klänge und Geräusche gehen fließend ineinander über. Anders ausgedrückt, Modular-Synthesizer Kompositionen kann man glaube ich auch dazu sagen. Auf die kleinen Gäste im Saal wirkt es sehr beruhigend, genüsslich wird am Schnuller genuckelt, während die Augen zufallen. Ich bin versucht, nach dem Set von Günter Schlienz zu schauen, was sich hinter der aufgeklappten Kofferwand befindet. Belasse es dabei, ich habe mich an dem Gehörten erfreut.

DAYDREAMTONES, 02.02.2019, Dreigroschentheater , Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Es ist genau die richtige Jahreszeit für die „daydreamtones“ Songs. Ruhiger, warmer, fließender Dreampopsound wird sich die nächste Stunde durch den Saal ausbreiten. Leadgitarrist Beni Beni wiegt sich beim melodiösen Spielen hin und her und lächelt in sich hinein. Die Songs kommen ganz ohne Gesang aus. Ich vermisse es auch gar nicht. Es passt sehr gut zu den verträumten Dreampop Momenten. Denn manchmal kann Gesang auch die schönsten Momente in einem Song verhageln. Gibt es halt auch. Sehr persönlich sind die Ansagen gehalten, welche Geschichten sich hinter den Songs verstecken. Die weiteren Bandmitglieder Jonas Ullmann (Gitarre), Sarah Ullmann (Geige, Glockenspiel, Keyboard), Marc Bohnacker (Bass) und Daniel Neumann (Kartonschlagzeug) kennen sich teils schon aus Kindergartentagen, da kommt an gemeinsamen Erlebnissen einiges zusammen. Das sie aufeinander eingestimmt sind, sich zeigt sich im Zusammenspiel.

DAYDREAMTONES, 02.02.2019, Dreigroschentheater , Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Der Sound ist bestens abgemischt und es macht Laune, mit den Instrumenten mitzugehen, nicht nur die Leadgitarre ist in der Melodieführung vorne. Das Geigenspiel von Sarah Ullmann ist nicht nur Staffage, sondern setzt auch eigene Akzente. Geige, Bass und Gitarre wechseln sich mit einem Give-and-go ab und das ganze bekommt so eine eigene Dynamik. Fast klingt es wie ein jazziger Soundtrack. Tortoise und The Sea and Cake in instrumental kommt mir an manchen Stellen als Assoziation.

Was soll’s, es klingt leicht und beschwinglich. Es lässt sich wunderbar träumen von der Côte d’Azur oder dem Indian Summer, festgehalten auf Super 8 und Polaroid.

Günther Schlienz

Daydreamtones

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.