RHONDA, 25.01.2019, Manufaktur, Schorndorf

RHONDA, 25.01.2019, Manufaktur, Schorndorf

Foto: Michael Haußmann

Alte Internet-Binse: ein Foto sagt mehr als tausend Worte. Genau so wahr: ein Foto gibt immer nur eine Momentaufnahme wieder. So wie dieses. Es ist der Moment, als das Konzert von Rhonda in der Manufaktur nach einer Stunde seinen Höhepunkt erreicht. Der letzte Titel des Sets wird gespielt. „I do“ vom brandneuen Album „You Could Be Home Now“. Der Song hat sich von einem ruhigen, melodiösen Intro immer mehr gesteigert, bis er in einem minutenlangen, furiosen, breitwandigen Postrock-Gitarren-Schlagzeug-Bass-Crescendo endet. Bravourös!

RHONDA, 25.01.2019, Manufaktur, Schorndorf

Foto: Michael Haußmann

Doch so umwerfend dieser Moment auch ist, so wenig typisch ist für das Konzert der fünf Hamburger. Was die Zuschauer in der gut gefüllten Manufaktur in den letzten 60 Minuten gesehen und gehört haben, war weit weniger exzessiv. Gepflegter Neo-Soul, professionell präsentiert von einer routiniert aufspielenden Band um die Sängerin Milo Milone. Oder wie der Pressetext ganz unbescheiden verkündet:

Die unglaubliche gefühlvolle und ausdrucksstarke, mit einem einzigartigen Vibrato gekrönte Stimme Milones ist das Markenzeichen. Zusammen mit dieser coolen, pointierten Band, die diesen warmen und zurückgelehnten Sound spielt, wird daraus das Klangrezept für Rhonda.

RHONDA, 25.01.2019, Manufaktur, Schorndorf

Foto: Michael Haußmann

Tatsächlich, das mit der Stimme können wir unterschreiben. Mit Schaudern erinnern wir uns noch an einen Gig der Genre-Nachbarin Leslie Clio, die live nicht annähernd das bieten konnte, was die Platte versprach. Hier ist die Rhonda-Sängerin ein ganz anderes Kaliber: nach drei Titeln ist sie stimmlich auf Betriebstemperatur und präsentiert eine klassische Soul-Stimme, die in guten Momenten auch mal etwas schmutzig klingt, meist aber puren Wohlklang verbreitet. Und auch die Band entspricht – zumindest fast – der Beschreibung.

RHONDA, 25.01.2019, Manufaktur, Schorndorf

Foto: Michael Haußmann

Heimlicher Star des Abends ist für mich Gitarrist Ben Schadow, der sparsam und akzentuiert alles von relaxtem Bar-Soul bis zu trockenem Desert Sound produziert und hervorragend mit den Vintage-Orgel-Sounds von Offer Stock harmoniert. Schlagzeuger Gunnar Riedel agiert unaufgeregt im Hintergrund, nur Bassist Jan Fabricius stört das Bild ein wenig. Mit seinem beeindruckenden, teilweise recht effekt-beladenen Gibson Thunderbird Bass erzeugt er zwar ordentlich Druck, unterstrichen durch ein Repertoire typischer Rock-Posen, hier wäre aber nach meinem Geschmack sowohl soundmäßig als auch gestisch weniger mehr gewesen.

Dabei sind es durchaus die Uptempo-Nummern, die dem Programm gut tun. Ein schöner Northern-Soul-Titel ist dabei. Leider verpasst man hier, mit dem Schellenkranz für mehr Nachdruck zu sorgen. Da wäre vielleicht sogar die ein oder andere Tanzbewegung drin gewesen. Und das tanzbare Nerves-Cover „When You Find Out“ kommt erst in der Zugabe.

RHONDA, 25.01.2019, Manufaktur, Schorndorf

Foto: Michael Haußmann

Aber es liegt sicher nicht daran, dass das Konzert nicht so richtig in Fahrt kommt. So perfekt das Ganze auch präsentiert wird, so wohlgesetzt die Hits über den Abend verteilt sind, über wohlwollenden Applaus kommt das Publikum selten heraus. Dabei gibt sich die Frontfrau alle Mühe, die Distanz abzubauen. Sogar einen Ausflug von der Bühne wagt sie. Letztlich werde ich den Eindruck nicht los, dass der Sound und der Bandvortrag allzu glatt auf Professionalität getrimmt sind. Die Emotion bleibt dabei leider ein wenig auf der Strecke. Und wie zum Beweis meiner These lässt das schmusende Pärchen vor mir im Laufe des Abends voneinander ab und beschäftigt sich eher damit, die Show aufs Smartphone zu bannen.

RHONDA, 25.01.2019, Manufaktur, Schorndorf

Foto: Michael Haußmann

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