CHVRCHES, LET‘S EAT GRANDMA, 11.11.2018, LKA, Stuttgart

CHVRCHES, LET‘S EAT GRANDMA, 11.11.2018, LKA, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Ganz ehrlich: Eigentlich bin ich wegen der Vorband auf diesem Konzert. Als mich ein Freund 2016 auf die Pop-Gören Let’s Eat Grandma hinwies, hat mich „I, Gemini“, das Debüt-Album der beiden Engländerinnen schwer begeistert. Wie unerschrocken Rosa Walton und Jenny Hollingworth mit zarten 16 Jahren durch die Stile räubern, das war frech. Und das Video zum erfrischend unperfekten Auftritt auf dem Iceland Airwaves Festival machte mich zusätzlich neugierig.

CHVRCHES, LET‘S EAT GRANDMA, 11.11.2018, LKA, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Ein Jahr später haben die beiden ein zweites, schon wesentlich glatteres Album veröffentlich und stehen jetzt vor etwa 1.000 Zuschauern im LKA. Und als ob der Hauptact Chvrches auf sie abgefärbt hätte, spielen sie – unterstützt durch eine Drummerin – ein beatlastiges Synthiepop-Set. Das ist zwar bestens als Warmup geeignet, der Charme ihrer unkonventionellen Songs bleibt dabei aber leider auf der Strecke. Nach einer Dreiviertelstunde haben sie ihren Job aber professionell erfüllt: das Publikum ist auf Betriebstemperatur.

CHVRCHES, LET‘S EAT GRANDMA, 11.11.2018, LKA, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Leider lässt ein halbstündiger Bühnenumbau ausreichend Zeit zum Abkühlen. Das ist aber kein Problem für Chvrches. Die schottische Band, deren Alben mich eher nicht zu einem Konzert gelockt hätten, überrascht mit ungeheurer Vehemenz. Mit fettem Synthiesound, gleißender Lightshow und ihrer Frontfrau Lauren Mayberry, die wie ein Derwisch über die Bühne tobt, beschleunigen sie aus dem Stand auf hundert. Und das Publikum geht freudig mit. Noch erstaunlicher ist das Energielevel wenn man bedenkt, dass Lauren deutlich erkältet ist. Zwischen den Songs nuckelt sie immer an einem überdimensionalen Thermobecher, der eine Mischung aus „Zitrone, Ingwer, Honig und – Whisky“ enthält, wie sie grinsend erklärt.

CHVRCHES, LET‘S EAT GRANDMA, 11.11.2018, LKA, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Und auch Bandkollege Martin Doherty hat beste Einpeitscher-Qualitäten: mit einer Sprechgesangeinlage und exaltiert ausladendem Tanz dreht er die Intensität des Gigs noch ein wenig höher. Das Publikum geht textsicher mit und der Abend entwickelt sich zunächst erfreulich. Nur leider stellt sich dann auch live (zumindest bei mir) der Effekt ein, den auch die Alben haben. Zu ähnlich, zu glatt klingen die Titel, zu begrenzt sind die gesanglichen Mittel.

CHVRCHES, LET‘S EAT GRANDMA, 11.11.2018, LKA, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Und je weiter der Gig voranschreitet, desto mehr verstärkt sich das Gefühl, einer übertrieben aufgemotzten Version einer beliebigen Eighties-Synthie-Pop-Band zuzuhören. Dass das Party-Level dennoch hoch bleibt, verdanken wir der äußerst druckvollen, professionellen Produktion. Musikalische Rafinesse ist dabei allerdings nicht erwarten. Alles in allem dennoch ein unterhaltsamer Gig. Für Chvrches-Fans sicher ein gelungener Sonntagabend.

CHVRCHES, LET‘S EAT GRANDMA, 11.11.2018, LKA, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

CHVRCHES

LET’S EAT GRANDMA

3 Gedanken zu „CHVRCHES, LET‘S EAT GRANDMA, 11.11.2018, LKA, Stuttgart

  • 14. November 2018 um 08:21
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    Wenn ein Konzert nicht gerade im kleineren Clubkontext stattfindet ist wegen einer Vorband auf’s Konzert zu gehen doch eigentlich immer zum scheitern verurteilt, oder nicht? In meiner Erinnerung waren das immer Enttäuschungen…

  • 18. November 2018 um 11:18
    Permalink

    Prinzipiell gebe ich dir recht, stegoe. In diesem Fall ist es aber weder am Publikum gescheitert, das die Vorband durchaus wohlwollend und aufmerksam behandelt hat. Und auch nicht am billigen Licht und Sound, die man Support Acts gerne angedeihen lässt. Es lag schlicht an der Arrangements und am Auftritt der Mädels.

  • 18. November 2018 um 16:06
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    Ja schade. Vielleicht drängt es sie ja aber auch auf die größeren Bühnen und sie denken deshalb weniger schrullig und verquer sein zu müssen um mehr Leute anzusprechen…

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