DIRTMUSIC, 04.11.2018, Edenless Bar, Leinfelden

DIRTMUSIC, 04.11.2018, Edenless Bar, Leinfelden

Foto: Michael Haußmann

Gibt es eigentlich noch den Begriff „Supergroup“? Also Bands, die aus prominenten Mitgliedern anderer Bands bestehen? Nach dieser Definition ist Dirtmusic nämlich definitiv eine. Mit Chris Eckman von den Walkabouts, Hugo Race und Murat Ertel von Baba Zula haben sich drei veritable musikalische Schwergewichte zusammengetan. Und mit „Bu Bir Ruya“ haben sie kürzlich ein Album eingespielt, dass allerorten hervorragende Kritiken einfährt und nun im Rahmen einer Europa-Tour präsentiert wird.

DIRTMUSIC, 04.11.2018, Edenless Bar, Leinfelden

Foto: Michael Haußmann

Erschienen ist das Ganze auf dem Label Glitterbeat, und dies erklärt auch die erstaunliche Tatsache, dass diese Band vor einem guten Dutzend Zuschauern in einer winzigen Kellerbar spielt. Diese gehört nämlich Peter Weber. Und der ist nicht nur ein uralter Freund von Eckman, die beiden sind auch die Chefs eben dieses Labels. Da versteht es sich von selbst, dass man auf der Europa-Tour mal kurz bei alten Freunden vorbeischaut und eine kleine Keller-Party feiert. Sicher auch als kleine Nachfeier für den Womex-Award als bestes Worldmusic-Label, den Glitterbeat erst vor wenigen Tagen verliehen bekommen hat. Zum fünften Mal in Folge übrigens.

DIRTMUSIC, 04.11.2018, Edenless Bar, Leinfelden

Foto: Michael Haußmann

Das aktuelle Album wurde in Ertels Studio in Istanbul eingespielt und ist mit seiner Mischung aus Folk, Blues, tradionellen türkischen Melodien, Elektronik und Dub eine faszinierende Scheibe. Poetisch, psychedelisch und – vor allem – hochpolitisch. Themen wie Migration, Machtmissbrauch und Unterdrückung stehen im Mittelpunkt.

DIRTMUSIC, 04.11.2018, Edenless Bar, Leinfelden

Foto: Michael Haußmann

In der Kellerbar beschränkt man sich bewusst auf die vorhandenen technischen Mittel. Die Percussions der Studio-Aufnahme werden durch ein Rock-Schlagzeug ersetzt, Elektronik gibt’s keine und außerdem habe man eh Lust auf Improvisation. Und so entwickelt sich ein höchst spannender Gig zwischen Desert Blues, Kraut- und Spacerock, der den kleinen Raum mächtig erschüttert und über weite Strecken eine geradezu hypnotische Wirkung hat. Prägend ist Ertels extrem effektbeladene Saz, die die orientalischen Akzente setzt.

DIRTMUSIC, 04.11.2018, Edenless Bar, Leinfelden

Foto: Michael Haußmann

Kleinere technische und musikalische Probleme wie die permanent davonwandernde Bassdrum oder das Suchen nach einem gemeinsamen Song-Ende, werden durch einen kleinen Tritt (für die Trommel) oder mimische Kommunikation spaßig gelöst. Alle Musiker steuern Vocals bei, Eckman und Race eher sonoren, verhallten Sprechgesang, eine Sängerin setzt hingehauchte Akzente. Und es ist eine wahre Freude zu erleben, wie die alten Hasen ganz entspannt und mühelos einen packenden Gig aus dem Ärmel schütteln.

DIRTMUSIC, 04.11.2018, Edenless Bar, Leinfelden

Foto: Michael Haußmann

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