THE CAT EMPIRE, 02.11.2018, Liederhalle, Stuttgart

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Foto: Martin Schniz

Wer dachte, der Sommer sei vorbei, der erhielt beim Auftaktkonzert des europäischen Teils der World-Tour von The Cat Empire aus Australien eine grandiose Verlängerung – zumindest für einen Abend! The Cat Empire sind zwar keine Megaseller, die ständig in den Charts zu finden wären, aber füllen einen Beethovensaal in der Liederhalle mal mit links.

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Foto: Martin Schniz

Und auch wenn der bandeigene DJ „Jump“ das Vorprogramm mit einem etwas untauglichen Sound (der in erster Linie aus bass-schwerem Gewummer besteht) und vor allem etwas zu lange bestreiten darf, werden die äußerst gut gelaunten Sommer- und Rhythmusanbeter mehr als entschädigt.

Sänger und Percussionist Felix Riebl, kommt mit seinen Bandkollegen Ollie McGill (Keyboard, Klavier, Melodica, Saxophon, Blockflöte), Ryan Mono (Bass, Kontrabass), Harry James Angus (Trompete, Gitarre, Lead-Gesang), Will Hill Brown (Schlagzeug) und nicht zu vergessen Jamshid „Jumps“ Khadiwala (DJ) ganz cool und unprätentiös auf die Bühne.

Und das Katzen-Imperium beginnt mit einem brandneuen Song („Ready Now“) und kommt mit einer Zusammenstellung zweier Songs aus dem 2016er Album „Rising With the Sun“ gleich zur Sache. Nach „Wolfes/Bulls“ tanzt bereits das Gros der schätzungsweise 2.500 Besucher ausgelassen. Ergänzend zur ihrer Stammbesetzung sind auch noch Kieran Conrau and der Posaune und Ross Irwin an der Trompete am Start und sorgen gemeinsam mit Harry James Angus für einen treibenden, fetten Bläsersound!

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Foto: Martin Schniz

Riebl, der Sohn eines österreichischen Vaters und einer australischen Mutter, begrüßt uns auf deutsch und verrät, dass die Tourstationen in Deutschland mittlerweile die einzige Gelegenheit für ihn seien, deutsch zu sprechen. Aber das beherrscht er nach wie vor sehr gut. Die coole und unprätentiöse Art bleibt ihm und der ganzen Band zu eigen und das tut dem Auftritt und der Atmosphäre sehr gut. Denn es ist überhaupt nicht nötig, künstlich anzuheizen und zum Mitklatschen zu animieren. Denn mit jedem weitern Song, wird es heißer und schweißtreibender in der ehrwürdigen Halle.

The Cat Empire begannen mit ihrem extrem tanzbaren und groovigen Stilmix Ende der 90er Jahre mit Auftritten in Melbourne und machten sich innerhalb kurzer Zeit einen Namen, tourten in den USA und Europa und haben sich eine treue Fanbase erspielt. Es finden sich Einflüsse aus Ska, lateinamerikanischen Rhythmen wie Salsa und Samba, Reggae, Jazz und Jazzrock (ich bilde mir ein, mich gelegentlich an die guten alten Chicago erinnert zu fühlen) und auch ein bisschen Hip-Hop und Punk. Das klingt wild, ist es auch.

Und zum ersten Mal erlebe ich einen Salsa-Pit (analog zum mir vertrauten Mosh-Pit): ein großer Kreis bildet sich vor der Bühne und ein schnieker Salsa-Tänzer wirbelt darin kurz nacheinander mehrere Tanzpartnerinnen und auch Tanzpartner(!) gekonnt und unter Applaus herum. Weitere Tanzpaare schließen sich an und das dreht die Stimmung gleich noch um ein paar Grade nach oben.

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Foto: Martin Schniz

Alle Musiker sind wirklich großartig und spielen scheinbar mühelos ihr Repertoire. Vor allem die Bläser stechen immer wieder heraus, die sich auch zwischendurch mal einen regelrechten Battle zu dritt um ein Mikro liefern. Und ganz old-school bekommen auch die anderen Musiker Raum für ihre Soli. Und das ist wirklich beeindruckend, was Keyboarder McGill, Schlagzeuger Brown und auch DJ „Jump“ hier abliefern.

Im Laufe des Konzerts nimmt Trompeter und Co Lead-Sänger Harry James Angus eine immer wichtigere Rolle ein und singt öfter als Lead-Sänger oder auch gemeinsam mit Felix Riebl. Der Spannungsbogen hält sich durchgehend sehr weit oben – qualitativ und auch was die Stimmung angeht.

Denn die Reaktionen werden immer ausgelassener: flächendeckend wird getanzt, es wird gejubelt, gepfiffen, gejohlt und das mit steigender Lautstärke. Der Beethoven-Saal ist zu einem Hexenkessel geworden. Und auch die Songauswahl gibt dafür alles her. Einige Songs aus dem 2013er „Steal the Light“ sowie vom Album „Two Shoes“ aus dem Jahr 2005 gehören dazu. Und mit dem zu einer Art Markenzeichen gewordenen und kultigen „Chariot“ sind wir leider auch schon bei der letzten „Zugabe“ (die mehr oder weniger nahtlos an das Set anschließen) angekommen und die durchschnittliche Zustandsbeschreibung der Konzertbesucher hat nun endgültig den Status Ekstase erreicht.

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Foto: Martin Schniz

The Cat Empire

DJ Jump

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