EIGHT ROUNDS RAPID, 27.10.2018, Merlin, Stuttgart

Eight Rounds Rapid

Foto: Steffen Schmid

Eight Rounds Rapid und Stuttgart, das ist eine besondere Geschichte. Gäbe es nicht direkte persönliche Kontakte über den Ärmelkanal hinweg, hätte das Quartett aus Southend-on-Sea vermutlich nie den Weg in den Kessel gefunden. Die rührigen Musiknerds von Kosmik Orgon Kanister haben die Band ja bereits letztes Jahr beim Festival zur Ausstellung „Wie der Punk nach Stuttgart kam“ platziert und tags drauf ein Konzert im Merlin veranstaltet.

Eight Rounds Rapid

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Dieser Gig wurde live aufgezeichnet und dann – echte Musikliebhaber eben – als exklusive Vinyl-Edition produziert. Und zur Veröffentlichung eben dieser Schallplatte wurden David Alexander und Kollegen wieder ins Merlin eingeladen. Ob es nun am Erfolg der letztjährigen Gigs oder am hohen Vernetzungsgrad der Veranstalter liegt, der Laden ist jedenfalls bestens gefüllt. Stellenweise wirkt es schon fast wie ein Nachtreffen der Punk-Ausstellung.

Eight Rounds Rapid

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Wir spickeln auf die Setlist und sehen ein Programm von sage und schreibe 24 Titeln. Dass dies trotzdem nicht zu einer langen Nacht wird, das verdanken wir der punktypischen Kompaktheit der Titel. Und dem Verzicht auf jeglichen Firlefanz wie Zwischenansagen. Ganz im Stile einer Mod-Band wie den frühen The Jam treten die vier im schmalen, schwarzen Anzug mit weißem Hemd und Krawatte auf. Natürlich in klassischer Rock-Besetzung. Schlagzeug, Bass, Gitarre. Und auch hier komplette Reduktion: Keine Effektgeräte, keine Soundeffekte auf der Stimme. Lediglich eine extrem harte, mittels Gesangsmikro abgenommene, Snaredrum fällt auf. Der Sound ist ebenso trocken wie der gesamte Habitus der Band.

Eight Rounds Rapid

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Wenn wir es, dank der humorvollen Antworten auf unseren Band-Fragebogen, nicht besser wüssten, wir würden David Alexander für einen echten Miesepeter halten. Stoisch, zornig und entnervt schreit er seine Texte heraus. Mit einer schmerzhaft eindringlichen Stimme und einem Stimmumfang von etwa einer halben Oktave. (Was ihm immer wieder Vergleiche mit John Lydon oder Mark E. Smith einbringt) Das alles auf einem Fundament klassisch-britischen Punkrocks. Äußerst druckvoll – wenn auch nicht immer ganz taktsicher – hauen die vier einen Titel nach dem anderen raus. Und als es gerade anfängt, etwas eintönig zu werden, legen sie noch eine Schippe drauf.

Eight Rounds Rapid

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Es gelingt ihnen tatsächlich, die „verkopften Bio-Großstädter“ (O-Ton Veranstalter) in Bewegung zu bringen, wenn auch nicht so exzessiv wie am Vorabend eine „wildwogende Horde trinkfester Hohenloher“. David Alexander ist dennoch sichtlich angetan, genehmigt sich ein kurzes Grinsen und macht einen Ausflug ins Publikum, während oben seine Band einen packenden Instrumental-Part raushaut. Stiller Held des Abends ist dabei Gitarrist Simon Johnson, der nicht nur eine Saite während eines Stücks austauschen muss, sondern sich auch noch bei seinem heftigen Strumming verletzt. Ungerührt zieht er den Gig bis zum Ende durch, bis dann Gitarre und Hemd mit Blut verspritzt sind. Besser kann man die schmerzhafte Intensität dieser Band nicht visualisieren.

Eight Rounds Rapid

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