Tschüß Wägele!

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Subkultur ist ein schreckliches Wort. Eines, mit dem sich Politiker gern schmücken und damit, was anderes meinen, als dass es eigentlich ist. Es ist Kultur – weit entfernt von der gängigen bekannten. In dieser Definition sind bzw. waren die Waggons „Für Flüssigkeiten und Schwingungen“ Subkultur. Schon allein der Weg dorthin. Da kommt man nicht eben mal so vorbei. Da muss man hin wollen. An den dunklen Nordbahnhof. Drinnen aber war’s immer wohlig warm. Moritz sei Dank. Konzerte, Parties, Musik von DJs, die das Musikerherz am rechten Fleck haben. Jetzt soll damit wirklich Schluss sein. Wir erinnern uns an tolle Nächte. An Musik, die es sonst womöglich nicht nach Stuttgart geschafft hätte. Jeder hat wohl seinen ganz eigenen Wägele-Moment. Auch alle gig-blogger, die immer wieder gern hier waren. Ein paar Stimmen aus den eigenen Reihen:

Orwell

„Order von ganz oben: Bitte was zum schönen Orwell-Konzert damals in den Waggons schreiben. Schnell nochmal auf die Rezension vom März 2010 geklickt, die eigenen Erinnerungen sind ja gerne etwas unscharf. Alleine die Fotos sprechen schon mal Bände. Bezauberung und Verzückung bei allen Beteiligten, rosa, rote und gelbe Lichter spiegeln sich an der Decke und stimmt, da war dieses tolle Instrument Vibraphon, das Jacques Tellitocci enorm virtuos spielen konnte. Ein wundervoller, besonderer Auftritt war das, bei dem Orwell (außer Jacques noch Mastermind Jérôme Didelot) mit tollem Dream/Baroque-Pop und top-charmanten Ansagen bezauberten. Sicher einer meiner persönlichen Waggons-Magic-Moments. Nicht zu vergessen, unser Video-Interview mit Jacques und Jérôme, für das das Studio des Hausherrn freundlicherweise als Kulisse genutzt werden durfte. Vielen Dank für Geschmackssicherheit, Freundlichkeit und Offenheit! Wäre schön, wenn es irgendwie irgendwo weiterginge. Also wir hätten Bock.“

– Madame Psychosis

Emily & Christy

„Natürlich ist auch meine liebste Erinnerung das Orwell-Konzert, zumal wir das in Koopoeration mit Moritz mitorganisiert haben, und dies das erste Konzert war, das Madame P. und ich zusammen iniziiert haben. Aber auch dieser zauberhafte, laue Sommerabend mit Christy & Emily war so was von speziell und charmant, wie es nur im Waggon sein konnte. Und davon, dass wir Liebhaber spezieller Retro-, Baroque-, Sunshine- und Soft-Popmusik nun gar nicht mehr wissen wohin, davon will ich gar nicht erst anfangen. Hoffe man sieht sich bald wieder lieber FFUS.“

Lino

10 Jahre FFUS

„Auch wenn ich nur selten dort war: Der Waggon war für mich immer der Inbegriff Stuttgarter Subkultur, quasi das gallische Off-Location-Dorf im braven Stuttgart. Ein ganz herber Verlust in der Reihe der Schließungen. Ich wünsche dem FFUS-Team alles Gute und hoffe inständig auf einen neuen Ort Für Flüssigkeiten Und Schwingungen.“

– bertramprimus

10 Jahre FFUS

„Im September 2010 wars: Frank Fairfield spielte eines meiner allerliebsten Konzerte ever. Ein ernster junger Mann im dunklen Anzug mit Banjo, Gitarre und Fiedel. Altmodischen Roots Country spielte er, der Gesang im monoton-nasalen Hillbilly-Slang. Wehmütige Lieder von Abschied und Reisen, von Hobos und Tramps, dem monotonen Rhythmus alter Güterwagen auf den Schienenstößen der endlosen Weiten des mittleren Westens. Kaum vorstellbar, dass Fairfield in den USA jemals an einer so passenden Location wie in unseren Wägele gespielt hat. Ein Dutzend Zuschauer, ein Musiker, keinerlei Technik – ein magischer Konzertmoment, der so leider nicht wieder kommen wird.“

– Holger

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„Eine Gesellschaft, die ihre Kultur nicht pflegt, richtet sich menschlich zugrunde. In den Eingeweiden der Kultur brodelt die alternative Kultur. Reißt man sie heraus, stirbt das Zentrum des Wertvollsten was wir haben. Im Rahmen von Stuttgart 21 werden der Kultur dieser Stadt sukzessive die Eingeweide entrissen. Es manifestiert sich mit dem Ende der Waggons langsam die Gewissheit, dass die Erfinder dieses Irrsinns-Projekts, die Zerstörung der gewachsenen Kultur dieser Stadt zumindest billigend in Kauf nahmen. Wenn nicht mit Vorsatz. Aber, die Waggons mögen zerstört werden, in unseren Träumen rollt der Zug der Freiheit weiter! Er wird ankommen. Irgendwo, irgendwann, irgendwie.“

– Felix Rüdel

10 Jahre FFUS

„Ach, liebe Waggons, euer Totenglöckchen hat schon so oft gebimmelt, und nie wart ihr danach tot. So soll es auch diesmal sein, und wenn nicht am Nordbahnhof, dann eben woanders.“

– Niko Worms

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11 Gedanken zu „Tschüß Wägele!

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