NICK WATERHOUSE, 05.06.2013, 1210, Stuttgart

Nick Waterhouse am 05.06.2013 im Zwölfzehn Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Wenn sich eine ansehnliche Zahl Stuttgarter Musiker und DJs zu einem Konzert versammelt, kann das eigentlich nur eins bedeuten: Heute gibt’s Musik für Musiker. Jedenfalls auffällig, dass sich das Konzert von Nick Waterhouse im bestens gefüllten Zwölfzehn viele seiner Kollegen nicht entgehen lassen wollen. Und wie sich herausstellen sollte: nicht ohne Grund. Stuttgart im allgemeinen und das Zwölfzehn (und das Goldmark’s) im speziellen sind ohnehin eine gute Adresse, wenn es um frühe Rock-Musik, Rock’n’Roll, oder wie heute: Rhythm & Blues und Soul geht. Wenn dann auch noch ein hochgelobter Newcomer aus den USA herüberkommt, ist es kein Wunder, dass der Laden brummt. Wie schon kürzlich bei JD McPherson findet sich wieder ein vielfältiges, teilweise stilvoll in Schale geworfenes Publikum ein, wenn auch diesmal fast ohne Pomade und Pettycoats.

Joe, der Nick Waterhouse kürzlich auf dem Orange Blossom Special gesehen hat, warnt mich noch: „der spielt genau eine Stunde und zwei Zugaben von Van Morrisson und ins Schwitzen kommt der auch nicht“. In einem dieser Punkte wird er am Ende des Abends recht gehabt haben.

Glockenschlag halbzehn – Nick Waterhouse scheint wirklich ein sehr ordentlicher Mensch zu sein – geht’s jedenfalls los. Mit seinem weißen Hemd, Flanell-Bundfaltenhose, kerzengeradem Scheitel und der typischen Hornbrille sieht er eher wie der streberhafte Junganwalt in einer Kanzlei für Wirtschaftsrecht aus, als wie ein Rock’n’Roller. Ach was: es ist einfach das konsequente Outfit, wenn man den Sound der Fünfziger angemessen präsentieren will. Mit ein paar knappen Worten eröffnet er den Abend. Das Zwölfzehn ist zwar gerade im Umbau und hatte etwas von seinem ranzigen Charme verloren, aber der Atmosphäre tut’s keinen Abbruch. Mit „Is That Clear“ geht’s los und erstaunlicherweise ist der Sound nach dem Entfernen der Akustikdecke sogar besser als bei manch anderem Gig.

Nick Waterhouse am 05.06.2013 im Zwölfzehn Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Sauber und schnörkellos spielt die Band, neben Waterhouse finden sich noch zwei Saxophonisten, Bass und Schlagzeug und eine Sängerin, die der heimliche Star auf der Bühne ist. Nicht nur dass sie eine wunderbare Soul-Stimme hat, sie ist auch die einzige, die ein wenig Bühnenshow zaubert.

Nick Waterhouse am 05.06.2013 im Zwölfzehn Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Keine Frage: Nick Waterhouse ist ein Perfektionist. Die Gitarrenhaltung wie beim Musterschüler in der Musikschule. Aber viel entscheidender: er hat seine Musik perfektioniert, und zwar insofern, dass er so lange reduziert hat, bis nur noch das wesentliche übrig blieb. Da passt es nur zu gut, dass er auch auf sämtliche Bühnenfirlefänze verzichtet. Und genau dies entfaltet letztlich auch seine Wirkung. Die präzisen Arrangements, die altbekannten Bluesharmonien, der perkussive Stil. Das Publikum gerät jedenfalls in Bewegung, jeder Song wird begeisterter aufgenommen.

Bis auf zwei neue Titel stammt fast alles von seinem ersten Album „Time’s All Gone“ und die Qualität ist durchgängig hoch. Die Hits „Say I Wanna Know“ und „Some Place“ stechen jedenfalls nicht weiter hervor. Ein bisschen leid tun einem die Saxophonisten, die ausgiebig ihr monotones „Möpp…Möpp…Möpp“ blasen müssen. Aber ist genau dieses zusätzliche Rhythmus-Element, dass den Reiz dieser Musik ausmacht. Und jeder Musiker bekommt an diesem Abend – ganz old-school – ein oder zwei ausgiebige Soli, um sein ganzes Können zu zeigen. Einziger Wermutstropfen: der Bass hätte ein Upright-Bass sein müssen. Aber eventuell war dies dem Transportproblem geschuldet.

Dass er überhaupt ein Album gemacht hat, scheint übrigens nicht in sein Konzept zu passen, jedenfalls betont Waterhouse, dass er eigentlich in Singles denke.

Nick Waterhouse am 05.06.2013 im Zwölfzehn Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Punkt halbelf – Joe hat also recht behalten – endet der Gig. Damit dieser Zeitpunkt nicht verpasst wird, endet die Setlist mit einem deutlichen „Get The Hell Off The Stage“. Ins Schwitzen ist Waterhouse allerdings durchaus gekommen. Etwas kühl war der Vortrag zwar, aber ein-, zweimal lässt er sich zu extatischen Schreien hinreißen (ein Hinweis darauf, dass unter der kühlen Fassade die pure Leidenschaft lauert?). In der Zugabe gibt’s dann gerade noch einen Titel – ein Cover von Charles Sheffield.

Sympathisches Detail am Rande: nach dem Gig reihen sich die Musiker bei den Tischtennis-Spielern vor dem Club ein und liefern sich ein spaßiges Match mit den Fans. Gute Chancen, dass der Gig in Stuttgart bei ihnen in guter Erinnerung bleibt. Dem Stuttgarter Publikum wäre eine Wiederholung des Abends sicher sehr recht.

Ein Gedanke zu „NICK WATERHOUSE, 05.06.2013, 1210, Stuttgart

  • 7. Juni 2013 um 13:25
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    war im kleinen club klar besser als beim festival. die angezogene handbremse ist hier aber wohl prinzip. schade, weder „baby please don’t go“ noch „it’s all over now“ waren zu hören. dafür charles sheffield als zugabe in doppeltem tempo in einer guten minute. tolle fotos mal wieder, lieber gig-blog!

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