HÜTTENZOUND, 29.12.2012, Café Galao, Stuttgart

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Foto: X-tof Hoyer

Rappelvoll ist’s im Café Galao. Hüttenzound sind im Haus. Das Zwei-Mann-Projekt, das im Galao-Umfeld entstanden ist, gibt ein Heimspiel. Alle Fans, die die beiden im Laufe des Jahres bei diversen Festival-Auftritten gewonnen haben, versuchen nun, einen Platz in Stuttgarts kuschligster Konzert-Location zu bekommen. Ein großer Artikel in der Stuttgarter Zeitung, die erfreulicherweise ihr Interesse für die lokale Musik-Subkultur wiederentdeckt hat, dürfte auch noch den ein oder anderen Neugierigen angelockt haben. Und nun wird es schwierig, die wichtigsten Instrumente unterzubringen: zwei ausgewachsene Alphörner.

Ja, tatsächlich Alphörner! Dieser Inbegriff verschnarchter und immer leicht schief klingender Alpen-Volksmusik prägt die Musik von Hüttenzound. Michael Fiedler (wir kennen Ihn von Tokyo Tower und Anna Gemina) und Marcel Engler kombinieren die Riesenhörner mit elektronischen Beats und Loops und einem sehr kreativen Set diverser Percussion-Instrumente. Und sie erschaffen damit tatsächlich einen Sound, wie wir ihn bisher noch nicht gehört haben.

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Foto: X-tof Hoyer

Es ist eine wahre Freude, mit welchem geradezu kindlichen Spieltrieb die beiden Profimusiker hier zu Werke gehen. Engler nutzt sein Alphorn nämlich nicht nur zum Melodie-Spiel, es wird auch als Rhythmus-Instrument gebraucht. Mal bläst er einen pumpenden Offbeat-Bass, dann reibt er es wie einen lateinamerikanischer Güiro. Im nächsten Titel wird ein Drittel des Rohrs abmontiert und mit Schlägen der flachen Hand auf die Öffnung eine Bass-Drum simuliert. Für Engler gibt es ohnehin keine ruhige Minute. Er singt, jodelt, rappt und bearbeitet mit seinen Schlagzeug-Stöcken alles, was in Reichweite ist. Von der Cowbell-Batterie, über sein Mini-Cajon bis hin zu den Blumentöpfen auf der Bühne wird alles einbezogen.

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Foto: X-tof Hoyer

„Saugeil“ findet er es immer wieder. Das Publikum ist da ganz seiner Meinung und jodelt lautstark mit. Fiedler, der „Büchsen-Michl“, arbeitet mit Verve an seiner beeindruckenden Elektro-Installation, wiegt sich mit vollem Körpereinsatz in den teils komplexen, teils massiven Techno-Rhythmen.

Bei einem Titel wird ein Ländler eingesampelt und plötzlich wird die Gefahr sichtbar, die hinter dem ganzen Setup lauert. Die Grenze zur bloßen Hüttengaudi ist beängstigend nah. Man wird sicher nicht mehr lange in kleinen Großstadt-Clubs oder auf alternativen Festivals spielen. Es wäre durchaus vorstellbar, dass eine Schicki-Micki-Après-Ski-Bar in Ischgl oder ein Bierzelt-Wirt die beiden für sich entdeckt und der johlenden Meute vorwirft. Und wenn dann das Augenzwinkern und die selbstironischen Untertöne auf der Strecke bleiben, könnte Hüttenzound auch Richtung Ballermann abdriften.

Da wünscht man Hüttenzound doch viel eher, dass sie sich möglichst bald ein passendes, größeres Publikum erschließen. Wenn sie zum Beispiel der Veranstalter des kommenden LaBrassBanda-Konzerts als Vorband entdecken würde. Denn zu dieser Art „intelligenter Volksmusik“ würden die beiden wunderbar passen. Und die Stilrichtung des „Boarisch’n Techno“, den bisher LaBrassBanda für sich reklamieren, den werden die Chiemgauer wohl demnächst eh an das Hüttenzound-Duo aus Stuttgart abgeben müssen.

Ein Gedanke zu „HÜTTENZOUND, 29.12.2012, Café Galao, Stuttgart

  • 2. Januar 2013 um 19:19
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    Schöner Artikel mit tollen Fotos!

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