SONIC BOOM SIX, 28.11.2012, Goldmark’s, Stuttgart

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Foto: Steffen Schmid

„Für Konzerte wie dieses machen wir den Gig-Blog.“ Wenn Steffen, alter Fotografen-Haudegen und Gigblog-Gründer (der wirklich schon alles gesehen und fotografiert hat) sowas sagt, dann ist das wohl ein Ritterschlag.

Auch mich haben Sonic Boom Six im Goldmark’s umgehauen. Ich hatte ja wenigstens eine grobe Vorstellung, was uns die Combo aus Manchester um die Ohren hauen würde. Aber diese Mischung aus Punk, Ska, Dub, Hip-Hop, Hardcore & Metal zündet live noch viel heftiger als erwartet.

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Foto: Steffen Schmid

Ganz klar, das liegt zu allererst an Laila Kahn und Paul „Barney“ Barnes, dem Frontpaar, das bereits nach dem ersten Titel den üblichen Respektsabstand vor der Bühne aufgelöst hat. Da gibt’s keine dezente Einladung, einen gemeinsamen netten Abend zu verbringen, hier wird ein ausdrücklicher Tanzbefehl ausgesprochen. Mit dem programmatischen „For the Kids of the Multiculture“ wird das Set eröffnet, nahtlos übergehend in „Sound of a Revolution“ und die aktuelle Single „Virus„.

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Foto: Steffen Schmid

Frappierend: kurz zuvor noch als schüchternes Trio beim Promo-Gig im Titus-Shop aufgetreten, wandelt sich die Band auf der Bühne zu einer Horde veritabler Rampensäue. Hier wird getobt, gehüpft, geposed, da werden Fans in der ersten Reihe in den Schwitzkasten genommen, es wird im Gangnam Style abgehottet. Es ist das erste Konzert der Europa-Tour, Sonic Boom Six freuen sich sichtlich über einen unerwartet gut gefüllten Club und sind echt erstaunt, dass eine handvoll Fans sogar mitsingen kann.

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Foto: Steffen Schmid

Dabei war ich mir zuerst nicht sicher, ob ich Laila K.s Gesangsvortrag – stimmlich in etwa wie Minnie Maus auf Helium – auf Dauer ertragen würde. Im Wechsel mit Barney, der sich eher im spröden Sprechgesang übt, ist das dann aber doch durchaus reizvoll. Und auch ein wenig hinterlistig: was hier nämlich zuckersüß vorgetragen wird, das sind engagierte und intelligente, stellenweise bitterböse Texte. SB6 sind eine durchaus politische Band, und was sie von Camerons England halten, machen sie unmissverständlich klar:

While cities burn our fearless leader out on vacation
The airwaves are a battleground of misinformation (Flatline)

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Foto: Steffen Schmid

Und für die britische Presse finden sie noch klarere Worte:

Back in the stone age people worshipped the Sun
After 20 thousand years you might have thought that we’d have moved on
From the Star to the Daily Mail it’s just like
scapegoat fiction, Mein Kampf with pictures (Monkey See Monkey Do)

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Foto: Steffen Schmid

Überhaupt: täusche ich mich, oder bringt die wirtschaftliche Dauerkrise und soziale Schieflage in England tatsächlich besonders interessante Bands hervor? (Man denke an die leider schon wieder aufgelösten The King Blues) Und gibt’s solche Bands eigentlich auch in Deutschland? Sonic Boom Six jedenfalls musizieren bereits seit zehn Jahren, vier Alben haben sie herausgebracht und auf der Insel haben sie eine ganz ansehnliche Fanbase.

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Foto: Steffen Schmid

The Streets sei ihr großes Vorbild und letztlich der Impuls gewesen, eine Band zu gründen. Als Verbeugung vor Mike Skinner spielen sie dann auch den einzigen Cover-Song des Abends „Let’s Push Things Forward„.

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Foto: Steffen Schmid

Nach einer guten Stunde verabschieden sich Laila & Co. mit „Meanwhile Back In The Real World“ als Zugabe. Bei anderen Konzerten würde ich maulen, dass dies vielleicht ein wenig zu kurz gewesen sei. Nicht hier. Das war derart viel Spaß für Ohren und Augen (und Kamera), das bekommen andere Bands nicht in der doppelten Zeit hin. (Und meine Liste der Top-10-Konzerte 2012 muss schon wieder geändert werden…)

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Foto: Steffen Schmid

Die Setlist:

Kids Of The Multiculture
Sound Of The Revolution
Karma Is A Bitch
Virus
S.O.S. (State of Shock)
Piggy In The Middle
High Cost Of Living
Keep On Believing
People Acklike They Don’t Know
Flatline
Let’s Push Things Forward
The Road To Hell Is Paved With Good Inventions
Karma Is A Lady
Meanwhile Back In The Real World

4 Gedanken zu „SONIC BOOM SIX, 28.11.2012, Goldmark’s, Stuttgart

  • 30. November 2012 um 10:04
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    Wegen der Stimme hatte ich im Vorfeld ähnlich leichte Bedenken, aber ich fand es klang deutlich weniger ’minniemousy’ als bei einigen Mitschnitten auf Youtube. Vielleicht wegen der Lautstärke :)

    Letztendlich hat es aber ja so sehr arschgetreten das Konzert, unglaublich. Und der sympathische Eindruck von der Band hat sich beim kurzen Plausch im Anschluss am Merchstand auch bestätigt. Ich hoffe sehr die kommen mal wieder…

  • 30. November 2012 um 10:52
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    Es war einfach nur unglaublich gut. Vor allem schön dass es sich doch noch so gut gefüllt hatte. Und nach dem netten SmallTalk am Merch habe ich mein erstes Vinyl seit mindestens 10 Jahre erstanden & von allen signieren lassen. So hingerissen & schnell Fan geworden bin ich schon lange nicht mehr !

  • 2. Dezember 2012 um 03:12
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    saugeile band. hab sie in gerade in london gesehen und vor ner weile in frankfurt. macht verdammt viel spaß

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