WEDNESDAY 13, 11.11.2012, Universum, Stuttgart

WEDNESDAY 13, 11.11.2012, Universum, Stuttgart

Foto: Sue Real

Dass die Welt an einem Freitag untergehen würde, habe ich schon immer gewusst. Schon weil ich mich freitagmorgens immer so zerschlagen fühle. Und als alter Murphist muss ich außerdem annehmen, dass der Weltuntergang vor und nicht nach einem Wochenende einsetzt. Jetzt wissen wir es ja genauer. Und richtig: Der 21.12.2012 ist ein Freitag. Was die Untergangspropheten hier schon wieder aus irgendeiner missverstandenen Zahlen- beziehungsweise Kalenderspielerei herausgelesen haben, erstaunt dann allerdings doch in einer anderen Hinsicht, denn besagter Freitag ist nicht der 13.

Heute aber ist Wednesday, also Sonntag. Unheilsschwangerer Tag: Das Wochenende ist vorbei, im Universum findet ein Konzert statt. Zwei Bands treten auf. Es ist der 11. November. Addiert man die 2 zur 11 ergibt das 13! (Untergangspropheten, die gerne mit Zahlen hantieren, haben es schon lange gewusst.) Wednesday der 13. also. Das ist wirklich ein schlechtes Omen. Und wie das an solchen Unglückstagen so ist, verpasse ich als erstes die Vorband Electric Love. Jetzt habe ich echt genug, und es kann nur noch schlimmer werden.

WEDNESDAY 13, 11.11.2012, Universum, Stuttgart

Foto: Sue Real

Die mittelgroße Meute beginnt sofort mitzuklatschen, als das Intro des Headliners beginnt. Noch sind sie ein winziges bisschen verhalten. Jedenfalls kann man das von Rhythumsgitarrist Jack Tankersley (Bullets and Octane, Murderdolls) ohne Mikrophon von der Bühne geschriene „Can’t hear you“ unten noch vernehmen. Bis der letzte Akkord verklungen ist, wird das aber auch das letzte Mal der Fall gewesen sein. Vorne stehen die Mädchen ihren Mann, hinten lümmeln die Jungs rum. Alle jubeln, als der bandnamenstiftende Sänger Wednesday 13 – eigentlich Joseph Poole, aber das wäre ein schlechter Bandname gewesen – mit einem „Stuttgart, Germany. Are you ready?“ die Bühne betritt.

Beim Opener „Rot For Me“ kommen Wednesday 13 dann gleich zur Sache, wie man sich auch schon in der Umbaupause ein langes Jumgejuckel erspart und auf einen Linecheck beschränkt hat. Mittags muss man da indes mehr Zeit in den Sound gesteckt haben, denn die Gitarren sind knackig, die Backing vocals von Gitarristen Jack und Roman Surman (Murderdolls, Gunfire 76) sowie Bassist Troy Doebler gut zu hören. Genauso ist es bei Wednesday selbst, bei dem man – obwohl das wohl kaum in der Hand des Mischers liegen dürfte – sogar von seiner schweren Erkältung nichts hören kann. Nur ein paar wenige höhere Töne (und ein paar der Songs, die Madita und Sue Real in München hörten) erspart er sich heute. So kann das zweite Stück „Calling All Corpses“ mit seinem Ruf-und-Antwortspiel zwischen Wednesday und den anderen Stimmen auch wie ein Gospel auf 10.000 Watt reinknallen.

Aber auch danach gibt es keine Ansagen und keine Pausen. Nahtlos geht es über zu „They Only Wanna Eat Your Brains“. Scharf und präzise ist das Riffing, nicht einfach, aber dennoch straight. Darunter hämmern Jason Wests (Murderdolls) schlanke Drums auf uns ein. Etwas Zeit zum Luftholen hat das engagierte Publikum beim Orgel-Intro zum vierten Stück „House By The Cemetary“. Und weil ich ganz entspannt an der Bar stehe, muss ich nicht Luft holen, sondern kann mir mal in Ruhe die Kleidung der Horrorpunker ansehen: Klar ist alles in schwarz gehalten. Die vier Mitmusiker sind dabei ziemlich zurückhaltend uni gehalten – Klammotten, die man ebenso beim X-tra in Ulm kaufen, und Frisuren, die man in der RoFA sehen könnte.

Nur Wednesday selbst hat sich mehr herausgeputzt. Wenn ich gewusst hätte, dass selbst er Nadelstreifen trägt, hätte ich darauf heute ja nicht verzichten müssen. Trage ich nämlich gern. Aber mit weniger Nieten, Pelzkragen und Sicherheitsnadeln und auch etwas weniger fadenscheinig als der US-Amerikaner. Außerdem trage ich weniger Smokey Eyes als er. Sieht bei ihm insgesamt cool aus. Gefällt mir hier auch sonst. Außerdem: Noch ein, zwei Bier mit ein, zwei dieser Gassenhauer, und ich vergessen, dass heute ein Unglückstag ist und morgen Montag. Ist in Anbetracht des anstehenden Weltuntergangs ja irgendwie auch egal. Daher vielleicht der brandneue Song „Raise Your Devil Horns / Let’s Mutherfuck the World“. Wie die restlichen Stücke geht dieses mit Druck nach vorne, Uptempo, keine Breaks, Mitsingmelodie, kurz und bündig.

WEDNESDAY 13, 11.11.2012, Universum, Stuttgart

Foto: Sue Real

Blutrünstig ist er ja schon. Nachdem Wednesday das Publikum endlich mal mit einem „Good evening, Ladies and Gentleman, people of earth“ begrüßt hat, bestätigt sich der übliche Mord-, Blut- und Horror-Topos in „Gimmie, Gimmie Bloodshed“ und „I Want You … Dead“. Das Publikum ist voll mit dabei. Im Gegensatz zu den Konzerten, auf welche ich sonst so gehe, ist es recht jung. Aber da gibt es ja noch mich und Madl, um den Altersdurchschnitt hochzuziehen. Also nicht Madl selbst, sondern ihre Eltern, die unsere großartige neue Interviewerin mit gebracht hat. Sie sind hier, weil man aus der Musik so deutlich die Einflüsse von Alice Cooper heraushört, des Altmeisters der Horror+Metal-Formel. Außerdem können die beiden mich in meiner Ansicht unterstützen, dass man nicht spät genug erwachsen werden kann – etwas, das man in jüngeren Jahren ja einfach nicht einsehen möchte. Aber lieber nicht erwachsen und dafür auf einem guten Konzert. Das findet sicherlich auch Wednesday, denn er erklärt: „People always ask me: ‘What do you wanna be, when you grow up?’ And I always tell them: ‘I Wanna Be Cremated’.”

Unterbrochen nur durch das mir weniger bekannte „Put On Your Death Mask“ bleibt die Band mit „Till Death Do Us Party“ gleich beim Thema und hat das Publikum, das jetzt kurz vorm Durchdrehen ist, voll auf seiner Seite. Bei „I Walked With A Zombie“ kann ich noch nicht einmal mehr die Backing vocals hören, weil die Leute so lautstark mitsingen. Und das, obwohl gar nicht stimmt, was es in den Lyrics zu „Till Death Do Us Party“ heißt:

It’s Friday and everything is alright.

denn schon verlässt die Band die Bühne – ich wusste einfach, dass das Ganze schlecht ausgehen wird. Die Leute sind gut darauf, der Sound ist perfekt, die Musiker tight – und dann muss einen jemand daran erinnern, dass morgen Montag ist. Zur Zugabe ist Wednesday mit Hut und Plastik-MG ausstatten zurück und singt erst „R. A. M. B. O.“ und dann das unvermeidliche und auf jeden Fall adoleszente „I Love To Say Fuck“, bei dem es im Publikum drunter und drüber geht.

Schließlich stellt sich aber noch heraus, dass doch nicht alles schlecht ausgehen wird. Wednesday 13 ist nicht tatsächlich nach einem Wochentag und einem Datum benannt, sondern nach Wednesday Addams und der 1313 Mockingbird Lane, der Anschrift der Munsters. Außerdem kommt er wieder. Versprochen für 2013, welches er gleich in „Wednesday 2013“ umbenennen möchte. Wenigstens etwas. Und vielleicht geht dann ja doch nicht die Welt unter!

Aber ist ja irgendwie auch egal. Jetzt pogt erst mal das Publikum zu „Bad Things“. Die Fans machen das schon ganz richtig beziehungsweise nach dem Motto: „Let’s party like it’s 2012“. So ähnlich hatte das Prince doch schon vor dem letzten Weltuntergang gefordert, den Untergangspropheten aus irgendeiner missverstandenen Zahlen- beziehungsweise Kalenderspielerei herausgelesen hatten.

WEDNESDAY 13, 11.11.2012, Universum, Stuttgart

Foto: Sue Real

Wednesday 13:


Electric Love:

2 Gedanken zu „WEDNESDAY 13, 11.11.2012, Universum, Stuttgart

  • 19. November 2012 um 18:13
    Permalink

    Yeah, dickes Lob an den Fotografen!

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