THE HUNDRED IN THE HANDS, SWEARING AT MOTORISTS, 12.10.2012, KellerKlub, Stuttgart

The Hundred In The Hands, Kellerklub 2012

Foto: Michael Weiß“

Trotz Verlegung aus dem Rocker 33 in den KellerKlub gute 24 Stunden vor Konzertbeginn haben dann doch alle den richtigen Club gefunden. Und auf die Frage wer denn vor dem veschlossenen Rocker gestanden hätte, meldet sich dann nur ein Einziger. Da das Konzert aus produktionstechnischen Gründen verlegt wurde, habe ich mich natürlich auf eine riesen Lichtshow, Pyrotechnik oder Ähnliches gefreut. Natürlich auch zu unrecht. Die Produktion, zumindest die für Außenstehende sichtbare, beschränkte sich dann doch nur auf die schummrige, rote Kellerbeleuchtung. Vielleicht haben die im Rocker ja kein rotes Licht. Naja, der Erlös fürs Bier geht ja seit kurzem eh in die selbe Tasche.

Aber kommen wir zu meinem Highlight des Abends: Swearing At Motorists.
Swearing At Motorists, Kellerklub

Foto: Michael Weiß

Für mich vorher eine völlige Unbekannte, weiß ich jetzt, dass sie mit über 10 Veröffentlichungen fast schon eine Legende des amerikanischen Lo-Fi Pop sind. Der mittlerweile in St. Pauli lebende Dave Doughman stellt seine Blumenvase an den Bühnenrand und legt los. Er hält fast schon eine Rede darüber wie gerne er da ist, sich darüber freut, dass schon so viele früher gekommen sind und dass sie jetzt ihr letztes Lied spielen. Swearing At Motorists besteht im Grunde aus Doughman selbst an der Gitarre und irgendjemandem am Schlagzeug. Momentan ist das wohl Joseph Siwinski. Sie spielen nur „because The Hundred In The Hands are still doing drugs or buying stupid stuff on eBay back in their hotel room“, zumindest laut Doughman.

Am Ende bleibt es dann glücklicherweise doch nicht nur bei einem einzigen letzten Lied. Die Performance des Wahlhamburgers mit Schlagzeuger schwankt zwischen Stadionrock und fast schon intimen Gesprächen (da wir uns anschauen, was er so macht, sollen wir ihm ruhig auch erzählen, was wir denn so machen), Hingabe und völliger Hingabe. Doughman lebt seine Musik, hüpft und redet sich um Kopf und Kragen und hat unglaublich Spaß dabei. Alle die schon da sind auch. Der Wahnsinn des Auftritts spiegelt sich vielleicht am besten im improvisierten Song mit folgendem Chorus wieder: „Meine kleine Frage ist, is there a disco after this?“

Noch, nicht. Erstmal müssen wir ja noch The Hundred In The Hands überstehen. Zumindest die ersten fünf Lieder. Nach langem Soundcheck, bei dem nichts so recht klappen will, legt das Elektro-Pop-Duo mit Schlagzeugunterstützung los. Sichtlich verstimmt haucht Eleanore Everdell ins Mikro. Zumindest theoretisch. Alles was ankommt sind Rückkopplungen. Außer Schlagzeug hört man eigentlich eher nichts. Zwischendrin mal total übersteuerte Samples. So gerade erkenne ich ihren Hit „Pigeons“.

Nach 5 gespielten Liedern ist es zumindest kein reiner Krach mehr. Aber die Filigranität und Detailverliebtheit der Songs geht komplett verloren. Somit versinkt das was auf dem Album noch angenehm anders klingt als der restliche Elektropop im unscheinbaren Mittelfeld.

Normalerweise sagt man ja den Stuttgartern nach, dass sie oft erst beim letzten Lied warm werden. Heute is das bei The Hundred In The Hands der Fall. Auf einmal ist die Spielfreude da und auf einmal geht dann auch die Stuttgarter Publikumsreaktion auch über höfliches Kopfnicken hinaus. Schade, dass es erst so spät passiert. Immerhin lassen sich Eleanore Everdell und Jason Friedman nochmal auf die Bühne bitten. Die Zugabe ohne Schlagzeuger gehört dann auch zu den besten Liedern im Set. Danach noch ein Lied mit Drummer und dann ist Schluss.

Bleiben noch meine drei Erkenntnisse des heutigen Abends:

1. Früh da sein, um auch den Support zu sehen lohnt sich öfter als man denkt.

2. Auf das POPNOTPOP-Booking kann man sich mittlerweile eigentlich blind verlassen.

3. Der Tontechniker kann nicht aus Scheiße Gold machen. Anders rum schon eher.

The Hundred In The Hands

Swearing At Motorists

Ein Gedanke zu „THE HUNDRED IN THE HANDS, SWEARING AT MOTORISTS, 12.10.2012, KellerKlub, Stuttgart

  • 19. Oktober 2012 um 21:05
    Permalink

    Typisches KK Konzert. Sound ist da doch häufig scheiße. Neue Anlage wäre sicherlich eine gute Investition.

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