HATE-SLAM, 11.10.2012, Schräglage, Stuttgart

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Foto: Ei-Föhn

Geht’s eigentlich noch, gig-blog? Wollt ihr mich verarschen oder was? Schickt mich hier in die Schräglage zu ner Lesung und dann ist das gar nicht der Burgerladen am Willhelmsplatz sondern ein vollgestopftes Kellerloch da in der Straße, wo alle Läden scheiße sind (außer Sigrun Wöhr). Statt schicker Fotos vom Haus- und Hoffotografen wird mein Text mit ein paar halblebigen IPhone-Bildern abgespeist. Am Ende noch mit pseudohipster Instagrameffekten. Mit mir nicht. Schreibt eure Scheiße doch alleine.

Stand ich auf der Gästeliste? Nein. Stand ich stattdessen mit dem Fußvolk in einer lächerlich langen Schlange rum? Ja.

Leute, es ist Donnerstag. Habt ihr keine Präsentation für morgen vorzubereiten? Keine Kinder ins Bett zu bringen? Keine Meetings zum Draufhinfiebern oder Davonerholen? Keine Fitnessstudios vollzuschwitzen? Warum seid ihr nicht auf dem Wasen, kauft euch ein bescheuertes „Stuttgarter Schätzle“ Lebkuchenherz und schüttet euch gegenseitig überteuerte Festbierplörre über die C&A-Dirndl? Habt wohl von der Veranstaltung in der Zeitung gelesen. Dass ich nicht lache. Ihr hängt doch nur auf Spiegel online rum, scannt kurz die Überschriften und hofft, dass beim Small Talk in der Kaffeeküche keiner tiefer ins Thema einsteigt. Keine Sorge. Keiner liest den Scheiß. Könnt mir nix erzählen. Ihr habt das doch von Facebook. Wahrscheinlich hat irgendeiner von euren virtuellen Freunden den Dreck geliked und dann musstet ihr da auch hin. Wie die Lemminge. Nächste Woche dann zum kollektiven von der Kochertalbrücke springen. Ich sag mal „vielleicht“ zu.

Hate Slam hieß die Veranstaltung. Hass. Das könnt ihr haben. Davon hab ich genug auf Lager. Und ich mein nicht die Avocadosorte sondern das Ding gleich neben Liebe.

Wer diesen Slam veranstaltet hat, weiß keine Sau. Irgendso ein Hilmar und eine Lisa. Abgekupfert von der taz und irgendnem anderen Blatt, war’s auf jeden Fall wohl. War ja klar, dass dir das nicht selbst eingefallen ist, Stuttgart. Dir fällt ja nie was selbst ein. Frozen Yoghurt ist im Rest der Welt übrigens auch schon lange nicht mehr der heißeste Shit. By the way.

Auf jeden Fall waren da die Fritzen vom Pressehaus, zwei Girls von diesem anderen Stadtmagazin und irgendwelche Bayern, die wahrscheinlich mal nach 12 Uhr ne Weißwurst gefrühstückt haben, darum jetzt im schwäbischen Exil über Ausgehtipps in Pforzheim schreiben müssen. Moderiert wurde der Slam von diesem Typ von der kleinen Tierschau, der sonst immer am Marienplatz rumhängt.

Und dann die Jury. Einer sah aus, als hieße er Boris, die restlichen Namen hab ich zwar mitgeschrieben, Notizen liegen aber im anderen Zimmer und hab jetzt keinen Bock, extra deswegen aufzustehen. Könnt ihr ja gern unten in den Kommentaren ergänzen.

Um was ging’s da eigentlich? Zuhören, wie Presse-Leute sich abwechselnd böse Leserbriefe vorlesen und das Publikum johlt, weil es endlich mal was mitbekommt, dass sich die Journaille sonst nur zwischen Lokaltermin und Kreisligaspiel gegenseitig in der Kantine vorliest. Und dann alle so „höhöhö“ und „nee wie krass“ und „bringste mir auch noch’n Becks Gold mit.“ Nette Kategorien habt ihr euch da ausgedacht. Bösester Brief, lustigster, irrster, beste Beschimpfung und Freistil. Hängen geblieben ist bei mir nur der Brief über die russischen Kinderheime 1942 und warum Unternehmen Barbarossa ganz richtig war – als Reaktion auf die aktuelle Kita-Debatte übrigens. Chapeau, lieber Sonntag Aktuell-Leser. Ganz großes Kino. Am Ende haben dann aber die Schleimer aus Bayern gewonnen. Wahrscheinlich, weil sie den Stuttgarter Westen, Sillenbuch und Untertürkheim gelobt haben. Süddeutsche Zeitung-Exilanten, ihr Speichellecker!

Anscheinend soll’s sowas noch mal geben. Des großen Erfolges wegen. Heißt es. Ohne mich. Dass das klar ist. Und pass bloß auf, gig-blog. Noch so n Ding und ihr lernt mich mal richtig kennen. Sowas hab ich nicht nötig. Ab drei Veröffentlichungen bei euch steht man doch eh forever im Impressum. Für sowas bin ich aus dem Haus. Hoffentlich hab ich nix im Fernsehen verpasst. Und dem nicht genug, trifft man bei so nem Ding natürlich auch noch Leute. Und muss reden. Als wär die Woche nicht schon mies genug gewesen.

gig-blog – noch mal zum Mitschreiben. Ihr könnt mich mal. Hirnverbranntes Idiotenpack. Lernt doch erst mal Orga.

PS. Davor war ich übrigens in so nem Pastaladen. Auch scheiße. Die ganze Zeit stand die Tür auf. Und an den Dreckstischen gab’s nicht mal nen Haken für die Handtasche. Pasta war ganz gut. Da kann man aber auch nix falsch machen.

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Foto: Ei-Föhn

8 Gedanken zu „HATE-SLAM, 11.10.2012, Schräglage, Stuttgart

  • 12. Oktober 2012 um 08:42
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    und wer zahlt’s? Der kleine Mann auf der Straße.
    Armes Deutschland!

  • 12. Oktober 2012 um 13:04
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    Es gibt einfach keine Liebe mehr unter den Menschen…

  • 14. Oktober 2012 um 07:53
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    Schade um die Zeit, die man braucht diesen Scheiss zu lesen

  • 15. Oktober 2012 um 13:52
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    Sehr schöner Text, gefällt mir sehr gut.
    Der sollte auf dem nächsten Hate-Slam vorgetragen werden.

  • 15. Oktober 2012 um 14:26
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    das sollte als Soundtrack laufen

  • 15. Oktober 2012 um 17:19
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    Oder „I hate“ von Oerkill und dann als Rausschmeisser „Flag of hate“ von Kreator. Ach, seufz.

  • 16. Oktober 2012 um 10:11
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    Und die erwähnte Hass-Avocado als Häppchen-Aufstrich und danach „Hass“ auf DVD angucken, das wäre mal ein gelungener Abend. Da wird ’s mir richtig warm ums Herz.

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