MISSING ANDY, 04.10.2012, Goldmark’s, Stuttgart

Missing Andy

Foto: Steffen Schmid

Liebe Gig-Blog-Leser, heute muss ich mal ein ernstes Wörtchen mit euch reden. Was glaubt ihr eigentlich, was es bedeutet, wenn wir hier eine junge, noch ziemlich unbekannte Band im Interview vorstellen? Und wenn diese dann ankündigt „They’re going to get 100% Missing Andy in their faces, when we get on any stage we just love doing our thing“? Dann heißt das nicht, dass ihr auf dem Sofa verhocken sollt, auf dem Wasen rumhängen oder bei einem „Geheimkonzert“ in der Schlange versauern. Dann heißt das: Anwesenheitspflicht!

Die britische Britpop-Hoffnung Missing Andy verlässt nämlich erstmals die Insel, und da sollte man ihr einen gebührenden Empfang bereiten. Zum Tourstart in Köln rockten sie ein knüppelvolles „Gebäude 9“ und zwei Tage später finden sich im Goldmark’s gerade mal knappe 40 Zuschauer ein. Da muss ich mich für meine Stadt schon ein wenig schämen.

Missing Andy

Foto: Steffen Schmid

Missing Andy sind fünf äußerst sympathische Jungs aus Essex, die den Rock’n’Roll zwar nicht gerade neu erfunden haben, die aber mit Ihrem Erstling „Generation Silenced“ ein unglaublich rundes Album mit einigen potenziellen Hits hingelegt haben. Vergleiche mit niemand geringerem als Madness, Oasis, Blur, den Housemartins oder The Jam wurden schon bemüht, um ihren typisch britischen Sound zu beschreiben. Eine zweifellos eingängige Mischung – und live eine sichere Bank! Quasi im Windschatten all der Indie-Bands, die mit schöner Regelmäßigkeit als die Retter der englischen Musik gehypet werden, hat sich hier eine Band entwickelt, die tatsächlich das Potenzial hat, mal richtig groß rauszukommen. Unermüdlich haben sie sich in der Heimat eine ansehnliche Fanbase erspielt, sind in einer TV-Talentshow ins Finale gekommen und haben es schon zweimal in die englischen Top-40 geschafft.

Missing Andy

Foto: Steffen Schmid

Das Häuflein anglophiler Musikliebhaber im Goldmark’s – ein lupenreiner Mod im feinsten Ausgehzwirn ist auch dabei – hat jedenfalls den richtigen Riecher bewiesen. Die fünf ignorieren den ernüchternden Anblick und legen ohne lang zu fackeln los: „Kings for the Weekend„, „Indie Kids„, „Money„, „Sing for the Deaf„… alles feinster Britpop mit Tanz- und Mitsing-Garantie. „Alive„, gewürzt mit feinstem 2-Tone-Ska, bringt dann endgültig Bewegung in den Laden. „Stepping“ überzeugt mit einer fetten Charlatans-Orgel. Die Band hat ihren Spaß und löst ihr Versprechen ein: „100% Missing Andy in the face!“

Missing Andy

Foto: Steffen Schmid

Nahezu das komplette Album wird gespielt, Sänger Alex Greaves gibt alles, keinen hält es ruhig an seinem Platz – und selbst der Veranstalter, eben noch sorgenfaltig ob der geringen Zuschauerzahl, kann sich bei dieser puren musikalischen Energie ein breites Grinsen nicht verkneifen. Und bei der Mitgröl-Hymne „The Way We’re Made“ wird tatsächlich lauthals mitgesungen.

In der Zugabe verneigen sich die Musiker mit drei Coverversionen vor Ihren Vorbildern. Bei der Mod-Hymne „Town Called Malice“ rasten Band und Publikum dann endgültig aus und – als wenn das nicht genug wäre – werden noch „Baggy Trousers“ und „Monkey Man“ nachgeschoben.

So, liebe Leser, jetzt wisst ihr, was ihr verpasst, wenn ihr nicht auf die Gig-Blogger hört. Wir dürfen jedenfalls gespannt sein, ob Missing Andy nochmal nach Stuttgart kommen werden (versprochen haben sie es) – aber in einem so kleinen persönlichen Rahmen werden sie dann garantiert nicht mehr zu sehen sein.

Missing Andy

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