ME AND MY DRUMMER, 21.07.2012, Marienplatzfest, Stuttgart

Me And My Drummer

Foto: Andreas Meinhardt

Sechs Jahre habe ich während meiner Studienzeit am Marienplatz gewohnt. Das Marienplatzfest gab es damals noch nicht. Schade eigentlich, da er sich ja förmlich anbietet für sowas. Dieses Jahr ist es nun aber soweit – der Marienplatz, für mich immer noch ein Stückchen Heimat, bekommt sein eigenes Fest. Und dass sich das aus dem ganzen Wust von Stuttgarter Festen angenehm abhebt, wird mir am Samstag recht schnell klar.

Hier ist alles irgendwie ein wenig anders: keine Bierbänke, keine Blaskapellen und kein steifes Publikum. Die Leute lümmeln lässig auf Holzpaletten, an den Fressbuden kommen sogar Veganer auf ihre Kosten und statt Blaskapellen und Jazz gibt es richtig gute Indie-Musik. Dass das wechselhafte Wetter nicht so recht mitspielen will, tut der Stimmung keinen Abbruch. Man trifft gute Freunde, alte Bekannte und wird das Gefühl nicht los, dass man sich eher auf einem Festival befindet als auf einem Stadtteilfest.

Während wir uns das erste Bier genehmigen und lecker scharfes afrikanisches Essen verspachteln, sorgen die Schweden von New Found Land mit nettem Indie Pop für die passende chillige musikalische Untermalung. Einen saftigen Regenschauer überstehen wir trocken unter einem Fressbudenstand. Als dann die Berliner Me And My Drummer die Bühne betreten, hat der Schlechtwetterspuk dann auch schon wieder ein Ende. Von den Berlinern kenne ich bisher eigentlich nur einen Song, der mir aber ziemlich gut gefällt. Außerdem ist das Duo beim diesjährigen Iceland Airwaves dabei, was mich dann noch neugieriger gemacht hat.

Ich muss gestehen, es dauert ein paar Songs bis ich den richtigen Zugang finde. Wahrscheinlich bin ich aber auch einfach ein bisschen zu abgelenkt. Als ich aber weiter nach vorne gehe, um mir das Berliner Duo genauer anzusehen, bin ich recht schnell begeistert. Was Charlotte Brandi und Matze Pröllochs da machen, ist anspruchsvolle Popmusik, die mitreißt. Brandis einfühlsame, aber kraftvolle Stimme zieht in ihren Bann während Seifenblasen vor der Bühne vorbeifliegen. Einfach wunderschön kitschig das Ganze. Minimalistisch und verträumt. Passt heute perfekt hierher. Me And My Drummer erinnern mich manchmal an Hundreds, sind aber vielleicht doch noch eine Spur eingängiger und poppiger.

Me And My Drummer

Foto: Andreas Meinhardt

Da das 2012er-Album „The Hawk, The Beak, The Prey“ ihr Debüt war, ist das Repertoire logischerweise ein wenig beschränkt. Macht mir nichts aus, da ich die Songs noch nicht kenne und mich sowieso über jeden freue. Vor allem die Single-Auskopplung „You’re a runner“ gefällt mir richtig gut. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut Bands sogar live klingen können, die nur aus zwei Leuten bestehen. Pröllochs zurückhaltendes Schlagzeugspiel, die verträumten Synthie-Klänge und Brandis angenehme Stimme ergänzen sich bestens. Den Leuten scheint es auch zu gefallen. Ich sehe hier und da geschlossene Augen und leicht mitwippende Füße. Schön, dass es auch solche Pop-Musik gibt. Als sich das sympathische Duo mit den Worten „Wir haben Platten dabei und Stuttgart ist schön“ verabschiedet, weiß ich, dass ich sie in Island unbedingt noch einmal sehen will. Oder schon vorher im Schocken, wo sie am 17. September spielen. Ich kann echt nur jedem raten da hinzugehen.

Ein klasse Abend war das auf dem Marienplatz. Gratulation den Veranstaltern. Man kann nur hoffen, dass das nächstes Jahr wiederholt wird. Dann vielleicht wieder mit so tollen Bands wie Me And My Drummer.

Me And My Drummer:

Marienplatzfest 2012:

Ein Gedanke zu „ME AND MY DRUMMER, 21.07.2012, Marienplatzfest, Stuttgart

  • 23. Juli 2012 um 21:08
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    Ja, war wirklich super :)

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