WOLVES IN THE THRONE ROOM, 06.06.2012, Schorndorf, Manufaktur

WITTR

Foto: Steffen Schmid

Wolves In The Throne Room, (kurz WITTR) sind eine von der Westküste Amerikas stammende Black Metal Band, gegründet von den Brüdern Nathan und Aaron Weaver.  Man darf sie zu einer neuen Generation von Vertretern dieses Genres zählen. Weitere wären Krallice und die brillanten Liturgy. Letztere werden uns an gleicher Stelle hoffentlich auch noch begegnen. Diese stammen ebenfalls aus den USA, und sind vermutlich für Black Metal Puristen der reinste Alptraum, besonders Liturgy, die von den gängigen Codes des Black Metal wie Corpsepaint (weiß geschminkte Gesichter), oder Killernietenarmbändern wenig bis nichts halten, und die klassischen Elemente des Black Metal wie Tremolo Picking , den kreischenden Gesangsstil („Shrieks“), und die Blast Beats weiterentwickeln, Liturgy benennen ihren Beat gar „Burst Beat“ und spielen auch langsame Stücke in normalen bis hippen Klamotten. Handgezählte offensichtliche Metaller auf dem Konzert in München: Null.

WITTR

Foto: Steffen Schmid

Dass Black Metal das Potential hat, im neuen Jahrtausend nicht nur die anderen Styles wie Thrash, was Abwechslungsreichtum anbelangt, locker zu schlagen, ist schon verwunderlich. Als Gründungsväter gelten die Briten Venom, insbesondere mit dem stilbildenden Album „Black Metal“ von 1982, die das blasphemische, wilde, satanische Gekaspere absolut nicht ernst gemeint haben. Die Vorlage übernommen und mehr als ernst genommen haben das Ganze dann ca. 10 Jahre später Bands aus Norwegen. „Lords of Chaos“ ist das Standardwerk über die Geschichte des Black Metal, sehr spannend und informativ. Schwer zu empfehlen. Um die gleiche Zeit, also ca. 1992 habe ich als Thrash Fan die komischen Gestalten aus Skandinavien nur am Rande wahrgenommen, der Sound des klassischen Black Metal war miserabel, und das ganze Geschminke viel zu affig. Zwanig Jahre später kann ich mich insbesondere für das aktuelle WITTR Album „Celestial Lineage“ schwer begeistern. Veröffentlicht beim mächtigen Southern Lord, hält man insbesondere mit der Vinyl-Version ein echtes Kunstwerk in der Hand. Ich gestehe, die fast durchweg positiven Kritiken Ende 2011, das Vorstellen des Albums bei Verstärker auf Radio Störfunk, dem Zuhause des guten Geschmacks, haben meine Begeisterung für WITTR frisch angestachelt, nachdem die früheren Veröffentlichungen mich nicht direkt begeistern konnten.

WITTR

Foto: Steffen Schmid

Allein bin ich damit nicht, denn man kann erfreulicherweise verkünden: die Manufaktur ist voll. Das mag daran liegen, dass der 06.06. die Satanisten magisch anzieht und die Tatsache, dass der 07.06. ein Feiertag ist in Kombination damit, dass die Band in der einschlägigen Fachpresse breits im Oktober 2011 verkündet hat, dass das Projekt WITTR nach der laufenden Tour zu Grabe getragen wird, und „Prayer Of Transformation“, das letzte Stück auf dem letzten Album, das letzte sein wird, was es von der Band zu hören geben wird. Man darf gespannt sein, ob  es sich die beiden nebenberuflichen Öko-Bauern und Kommunenbewohner angesichts des derzeitigen Erfolges nicht anders überlegen.

WITTR

Foto: Steffen Schmid

Das Trio spielt im Kerzenschein und spärlichem blauem Licht ein sehr solides Set. Zu Beginn kommt das erste Stück von der „Celestial“, überhaupt am Anfang sind sie schwer überzeugend, und klingen phantastisch. Die Stücke, natürlich ohne Chorus, haben recht wenig Wiedererkennungswert, was egal ist, hier soll ja eine Stimmung transportiert werden, was absolut gelingt. Sehr gute Klangqualität sind wir in der Manufaktur ja gewohnt. Heute könnte es noch daran liegen, dass die Band mit eigener PA auf der Tour unterwegs ist, was ich jetzt aber nicht genau weiß, ob das hier und heute auch der Fall ist. Mangels Bassist fehlt mir das eine oder andere mal eben genau dieser, aber für den Großteil des Sets wird das locker kompensiert und wummst ordentlich.

WITTR

Foto: Steffen Schmid

„Blackgaze“ kommt mir mal in den Sinn, ein Begriff aus „Black Metal und Shoegaze“ der sich immer wieder in Kritiken und Berichten finden lässt, und die teils ausufernden Passagen aus Klangteppichen ganz gut beschreibt.

Vom Aaron die „Blasts“, vom Nathan die „Shrieks“ und mit klassischen Gitarrensounds sind WITTR schon ziemlich nah am original Skandinavischem Black Metal, auch äusserlich (aber ohne Schminke), können sie mich über weiter Strecken begeistern, zum Schluss hin lassen sie etwas nach, aber vielleicht soll da ja sein, hier geht ja was zu Ende, und deshalb vielleicht auch keine Zugabe. WITTR war ein toller Trip.

WITTR

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