TEDDY’S SHOW, 08.04.2012, Porsche Arena, Stuttgart

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Foto: Steffen Schmid

Tedros Teclebrhan alias Teddy ist eigentlich weniger das „YouTube-Phänomen“, als das er immer bezeichnet wird, als vielmehr ein Büro-Phänomen. Wenn einer einem anderen ein YouTube-Video am Monitor zeigt und plötzlich der ganze Raum drumrum steht und sich totlacht. Oder einer einen Link rumschickt und einer nach dem anderen anfängt laut rauszulachen.

Ich finde, man kann das auch ruhig machen, ohne sich dafür zu schämen – man kann ja nicht nur über das Feuilleton in der Zeit lachen, auch wenn das ebenfalls gute Unterhaltung ist.

Und ich schäme mich auch nicht dafür, dass ich genau so wie die anderen 1 Million Leute, die sein Integrationstest-Video in den ersten fünf Tagen angeschaut haben, auf genau jenes reingefallen bin. Ich hab auch gedacht das ist echt. Weil sind wir mal ehrlich: Solche Leute gibt es halt im echten Leben, man muss nur mal S-Bahn fahren. Auch politisch-korrekt völlig unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe.

Jetzt ist das alles natürlich kein Zufall, Teddy ist nicht aus Versehen mit dem Video bekannt geworden und alles andere als ein YouTube-Amateur – er hat vielmehr ganz seriös an einer Stuttgarter Schauspielschule studiert, wie Wikipedia weiß, bei Produktionen im SWR und im ZDF mitgespielt und sogar Musical gemacht.

Es war eher das Gegenteil von Zufall – er hat den Schwung seines Videos mitgenommen und weitere hinterhergeschickt, mit anderen Charakteren, damit’s nicht langweilig wird, bei der öffentlich-rechtlichen Probierbude ZDFneo reingeschnuppert und sich übers Internet dort eine eigene regelmäßige Sendung geholt. Geht alles ganz einfach heute, wenn es halt gut ist.

Vorab für die Skeptiker, die sich ein oder zwei Videos von ihm angeguckt und ihn in die Schublade links zwischen Kaya Yanar und Mario Barth gesteckt haben: Nee. So ist das nicht. Klischées, ja, ganz viele, aber keine abgedroschenen. Oder vielmehr solche, mit denen Oma und Opa nix anfangen können. Den Rosen-Inder und den Fahrschul-Türken von Yanar kennt man in jedem Alter, Percy oder LC versteht man nur bis Mitte 30. So ungefähr.

Und das sieht man durchaus auch im Publikum in der Porsche Arena, die an einem Abend voll und am nächsten Tag noch mal halb ausverkauft ist. Nicht schlecht, so als „YouTube-Phänomen“. Das Publikum auf jeden Fall jung und bisschen – nein, wenn man ehrlich ist – genau so, wie man es erwartet – nämlich genau die von Teddy persiflierten Charaktere. Also in Abstufungen natürlich.

In einer Szene fragt er ins Publikum, wo man abends noch hingehen könne, und Mash, Perkins Park, 7° und L’Oasis kommen nicht zufällig als Antworten. Überhaupt nicht zufällig.

In der Show konzentriert sich Teddy auf drei Charaktere – den badischen Irren Percy mit Vaterkomplex („Vatter, dein Bein isch verdreht“), den schmierigen Soulsänger LC und Antoine, den Glatzkopf aus dem Integrationstest-Video (eigentlich nur schade, dass Trainer Ludwig nicht dabei ist).

Zum großen Glück macht er nicht den Fehler, einfach die YouTube-Videos nachzuspielen, sondern er gibt den Figuren neue Geschichten, greift bekannte Elemente als Running Gag auf und bringt so viele neue Ideen mit rein, dass einem schwindlig werden kann. Er hat eine vierköpfige Band dabei, die spielt, als wären es zwölf Leute, er holt Mädchen aus dem Publikum auf die Bühne, er verbindet Live-Videoaufnahmen mit Einspielern, alles ist modern, jung und mehrere Tagesreisen entfernt von Schenkelklopfshows à la Yanar oder Barth. Es ist natürlich weder Slam Poetry noch Kabarett, aber wer erwartet das schon.

Vielleicht ist das Interessanteste an dem Abend, dass ein für Comedy vollkommen untypisches Publikum da ist. Es sind leider nicht die Leute, die sonst mit Comedy wenig anfangen können – die wären nämlich angenehm überrascht – sondern es sind Leute, die zu größeren Teilen wahrscheinlich zum ersten Mal bei einer Abendveranstaltung sind, wo es keine Türsteher und keinen DJ gibt, sich aber genau so aufgestylt haben.

Und wenn man so will, dann ist der Abend genau deshalb die höchste Form des Komödiantentums, nämlich ganz in der Tradition des Hofnarren Till Eulenspiegel, der den Leuten einfach einen Spiegel vorhält. Und die lachen sich tot.

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