TOTALLY ENORMOUS EXTINCT DINOSAURS, 02.04.2012, Speakeasy, Stuttgart

Totally Enormous Extinct Dinosaurs (Orlando Higginbottom) bei einem Konzert im Speakeasy in Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Kann man durchaus so machen: Konzertbesuch, als finaler Beweis sich selber gegenüber, dass man, was aktuelle Strömungen im Bereich elektronischer Clubmusik angeht, nicht mehr wie früher topsmarte zwei Jahre hinterherhinkt (O-Ton Walter), sondern mittlerweile komplett abgehängt ist. Ein museales Relikt, ein Trend-Dinosaurier, aber wenigstens die Spitzenüberleitungen klappen noch.

Totally Enormous Extinct Dinosaurs, aka Orlando Higginbottom, tritt heute im Speakeasy auf, zwei Unbekannte auf einmal. Ganz schön groß der Laden, denke ich mir, scheint ja jetzt nicht ganz unbekannt zu sein der Mann. Bei Polydor unter Vertrag, mit Damon Albarn kollaboriert, aber letztlich sagen diese Vorabinfos auch nix darüber aus, wie der Zuschauerzuspruch sein wird. Und dieser ist groß. Obwohl jetzt Montagabend nicht der prädestinierte Clubabend zu sein scheint, füllt sich der Laden enorm. Dass das an den Osterferien liegen mag, wag ich nicht mal zu denken. Aber die Leute sehen schon sehr jung aus, aber nee, keine Schüler mehr, auf keinen Fall…

Gegen 22 Uhr tritt, prachtvoll bekleidet, TEED die kleine Bühne und beginnt sein Set. Und schon bin ich schachmatt. Schlagartig wird mir bewusst, dass ich mittlerweile gar keine Ahnung mehr habe, was das jetzt ist. Ist das Dub-Step? Meine einzige Erfahrung mit diesem Genre resultiert aus der vor Jahren gekauften und von allen Seiten akklamierten „Untrue“ von „Burial“. Unzählige Versuche gab ich damals der Platte irgendwas Positives in mir auszulösen, aber nix, kein Zugang. Also so ein wenig klingt das schon danach, so grob. Nicht allzu schnell, eher entspannt, schon beatlastig. Aber poppiger als „Burial“, was hauptsächlich Orlandos Gesang geschuldet ist, welcher mich wiederum etwas an Hot Chip erinnert.

Und schon tappe ich gedanklich in die typische Alter-Sack-schwadroniert-von-der-besseren-Vergangenheit-Falle. Gedanke: „Da war aber Underworld aber vor 12 Jahren live aber um den Faktor 10 geiler, das ist doch lahm.“ Klarer Fall, selber war man vielleicht mal vor 12 Jahren um den Faktor 10 geiler als jetzt, da muss man jetzt nicht Vergangenheitsverklärung betreiben, um den eigenen fehlenden Zugang zur Musik zu irgendwelchen bedeutsamen Hoheitsdeutungen umzuinterpretieren. Den Leuten gefällt es, es ist drängend voll im vorderen Bereich, das Set baut sich langsam auf, es ist eher ein Ineinandergleiten der verschiedenen Stücke, als ein „normales Konzert mit seinen klar abgegrenzten, unterschiedlichen Songs. Klassischer Fall von Konzerten, auf die man sich einlassen muss, und die dann bestimmt wunderbar funktionieren und einen mitnehmen.

Für mich selber als Fazit eher die düstere Vorahnung, dass es für mich demnächst heißen könnte: Next Stop – Dixieland, Sonntagsmattinee, in einem Kaufhaus ihrer Nähe.

Totally Enormous Extinct Dinosaurs (Orlando Higginbottom) bei einem Konzert im Speakeasy in Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Ein Gedanke zu „TOTALLY ENORMOUS EXTINCT DINOSAURS, 02.04.2012, Speakeasy, Stuttgart

  • 4. April 2012 um 11:23
    Permalink

    Nö, das ist kein DubStep. Mein eingeheirateter Elektroexperte bezeichnet all so Zeugs einfach und konsequent als Techno.

    Mit Burial komme ich auch nicht zurecht, allerdings haben sich die neuesten Veröffentlichungen weiterentwickelt.

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