WHOMADEWHO, RANGLEKLODS, 16.03.2012, Speak Easy, Stuttgart

WhoMadeWho,Speakeasy, Stuttgart

Foto: Michael Weiß

Dänemark, Du unbekannter Kontinent

Was weiß man schon über Dänemark? Gut, da gibt es Røde Pølser, Lars Von Trier und sein Dogma95, berlinhippe Christianabikes, Shakespears Drama um den staatsfaulen Prinzen von Dänemark, Feta-Käse aus dänischer Kuhmilch, die großartige Kunst des Olafur Eliasson… aber Musik? Selbst wenn man das von Dänemark verwaltete Grönland mitbetrachtet? Außer Laid Back mit dem Allzeit-Skandoreggaehit „Sunshine Reggae“ fällt mir nichts ein. Euch vielleicht?

Das Speak Easy räumt heute Abend mit den obengenannten Smørebrød –Klischees auf: Denmark´s modern music culture satt. Los geht´s um halb elf:

Rangleklots, Speakeasy, Stuttgart

Foto: Michael Weiß

Die Vorgruppe hört auf den klotzigen Namen Rangleklods, kommt ursprünglich aus Aarhus (das ist Dänemarks zweitgrößte Stadt im Norden) und wirkt seit 2010 in Berlin (das ist diese Stadt in Ostdeutschland, die seit einiger Zeit einen gewissen Hype zu verzeichnen hat) . Hinter Rangleklods steht Esben Andersen, der sich zu Recht Mastermind nennen darf, denn er hat einen Mastertitel in elektronischer Musik des jütlandischen Musikkonservatoriums – was es nicht alles gibt. Live lässt er sich von einer Dame unterstützen. Das Mann/Frau-Duo präsentiert eine Art beatlastigen Wave-Electro-Pop, konsequent im getragenen Slow bis Midtempo, aber durchaus tanzbar. Durch Esbens sonore Stimme erinnert das entfernt an Depeche Mode. Die Dame stellt mit ihrer E-Gitarre Flächen und Loops zur Verfügung und singt die 2. Stimme. Das tut dem Liveknöpfchengedrehe (angeblich mit teilweise eigenentwickelter Hardware) ganz gut, es bringt mehr Atmosphäre und Wucht, denn auf die 45 Minuten Dauer ist das Material doch etwas schmal. Zu den Beats könnte auch gerappt werden, aber das will Esben sicher nicht hören. Die Resonanz des Publikums ist gut, Rangleklods heizt die Stimmung an und gibt jedem Zuspätkommer die Chance, den Hauptact nicht zu verpassen, denn…

WhoMadeWho is in the house, respektive im nun brechend vollen Speak Easy. Viertel vor zwölf greifen die drei Dänen aus Kopenhagen zu ihren Instrumenten. Man könnte von einer klassischen Bandbesetzung schreiben: Gesang und E-Gitarre (Jeppe Kjellberg), Bass (Tomas Hoffding) , Schlagzeug (Tomas Barfod), wären da nicht Drummachine und Sequenzer. Man  könnte auch von einem klassischen Sixties Erscheinungsbild notieren: bis zum letzten Knopf zugeknöpfte Button Down Hemden mit WhoMadeMhow-Logo auf der Brust und Bandleader  Jeppe bewegt sich mit seiner Fender in hüftsteifer Manier, wie man es dem genannten Jahrzehnt zuschreibt.

WhoMadeWho, Speakeasy, Stuttgart

Foto: Michael Weiß

WhoMadeWho zeigen mit ihrem ersten Song „Inside Word“ (dem Eröffnungssong ihres erst vor zwei Wochen veröffentlichten vierten Album „Brighter“) ihre Welt moderner Tanzmusik : Drums, E-Gitarre, Bass, Gesang – so einfach kann die Welt sein, so gut kann die Welt sein. Okay, so einfach ist das nicht: WhoMadeWho treffen durch ihre eigentümliche Mischung aus teilweise zweistimmigen Falsettgesang mit düster-catchy Refrains, einer Rhythmusmischung aus Disco, Funk und Techno  (erzeugt vom Schlagzeug, unterstützt von der Drummachine) sowie der aggressiv gespielten E-Gitarre einen unbekannten Nerv.  Die geschätzt 300 Leute und ich finden das jedenfalls großartig. WhoMadeWho eilt der Ruf einer tollen Live-Band voraus , was sich heute Abend eindrucksvoll zeigt. Viel hängt an Jeppes Ausstrahlung, der durch seine reduzierte Mimik wie Christopher Walken  in „The Deer Hunter“  eine ordentliche Portion Ernsthaftigkeit in sein Spiel hineinträgt, welches er gern durch ein angedeutetes Lächeln wieder aufhebt – z.B. wenn er einen Gitarrenausbruch abschließt oder wenn der Club für ihn überraschenderweise seine Texte mitsingt. Sehr cool, das alles, die machen fast alles richtig. Auf die Dauer finde ich allerdings das durchgehende Uptempo zu gleichmäßig, und auch wenn Jeppe ab und zu anstatt die Gitarre den Sequenzer quält.

Cool ist auch der Ansatz, Mr. Oizos „Flat Beat“ zu covern, in der ersten Zugabe „Who Made Who“ von Namensgeber AC/DC in einem Techno-Rock-Gewand zur Schau zu tragen oder als Abschluss Benny Benassi „Satisfaction“ zu spielen (ausrasten inklusive). Dabei lässt sich Jeppe ganz langsam ins Publikum fallen und auf Händen tragen – man stelle sich Christopher Walken beim Bühnentauchen im Speak Easy vor…

Dänemark, Du crazy Kontinent

Rangleklots

WhoMadeWho

11 Gedanken zu „WHOMADEWHO, RANGLEKLODS, 16.03.2012, Speak Easy, Stuttgart

  • 18. März 2012 um 18:41
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    …aber Musik? Euch vielleicht?

    -Marie Fisker (für mich die legitime Nachfolgerin von Mazzy Star) …auch schon im Uni zu sehen mit Helgi Johnson
    https://www.youtube.com/watch?v=anv8Q8-Fd2w&feature=related

    -Darkness Falls …erst letzten Montag im Schocken…großartig
    https://www.youtube.com/watch?v=PSaZdeOu66w

    – die tollen „Under Byen“

    – Kashmir
    https://www.youtube.com/watch?v=kXoye11ZzuU&feature=relmfu

    -Trentemøller

    – Lampshade (mit einer der bezaubernsten Frontfrauen die ich sehen durfte)
    https://www.youtube.com/watch?v=Hhdvp0vPnLo

    – Beta Satan (mit tollen Album „Girls“ in 2009)
    https://www.youtube.com/watch?v=5bWGBJEzD2o

    – die wunderbaren „Figurines“
    https://www.youtube.com/watch?v=h8VQpOSWNH4

    – The Asteroids Galaxy Tour …vielleicht in dieser Liste sogar mit die bekanntesten(ich mag sie nicht so)

    und zu guter Letzt eigentlich der heisseste Import sowiso aus Dänemark — THE RAVENONETTES
    https://www.youtube.com/watch?v=GQoPAXIvLyA

    …dieses mal schlecht recherchiert — so kenn ich das nicht — NOTE 6 — setzen ;-)

  • 19. März 2012 um 08:33
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    mew !

  • 19. März 2012 um 08:59
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    @ chris_der_1 und tina

    Hat die provokante Frage doch geholfen, Euch hinterm Ofen hervorzulocken und zu recherchieren… ;-)

    Auf Under Byen bin ich tatsächlich nicht selbst gekommen, großartige Musik.

    @tina: ja, schade – auf welches Konzert gehst Du als nächstes?

  • 19. März 2012 um 10:30
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    Sachmal, was is’n Skandoreggea?

  • 19. März 2012 um 11:17
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    Na, Raggae aus Skandinavien, da gibt´s ne ganze Musikkultur. Laid Back und Ace Of Base sind meines Wissens die bekanntesten Vertreter.

    chris_der_1 – übernehmen Sie! ;-)

  • 19. März 2012 um 12:49
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    Schicker Bericht und gute Fotos :)
    Wäre dann auch gern dort gewesen. :D

  • 19. März 2012 um 14:29
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    20.3.12 tom hessler im zwölfzehn, kein däne;)

  • 19. März 2012 um 15:46
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    @Bertram…Reggea bin ich raus.

    Trotz aller „dänischen Lücken“ :-) möcht ich noch den Bericht loben. Fein. Und was man bei den sonst übermächtigen Fotos von Steffen nicht vergessen sollte. Die Fotos sind mal ganz großartig gelungen.

    @Tina…und ja „From Sarah“ kannte ich wollte ich aber wegen des wirklich evtl. noch geringeren Bekanntheitsgrades nicht auch noch aufzählen. Aber ganz ganz tolle Band wie ich finde.

  • 4. Mai 2012 um 19:30
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    btw. das war nicht tomas barfod an den drums, der ist ganz selten live dabei…

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