LA BRASS BANDA, 21.07.2011, Freilichtbühne Killesberg, Stuttgart

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Foto: Andreas Meinhardt

Seit 2007 ist die globale Musikszene massiv unruhig. Hochnervös stecken sie die Köpfe zusammen und wilde Gerüchte über eine fünfköpfige Truppe aus Oberbayern, die sie alle in den Sack stecken und an die Wand spielen würde, sind im Umlauf. Schweres Blech soll im Einsatz sein. Akustisch produzierten sie brutale metropolitane Technorhythmen, die aber auch vom Balkan stammen könnten. Selbst gestandene Rocker, die gegenhalten wollten, müssten sich ganz ganz warm anziehen. Wenn der Frontmann auf Bayrisch lostoastet, verstünde auch der bekiffteste Jamaikaner die Welt nicht mehr und Möchtegernvolksmusikerchen hätten sie noch aus jedem Bierzelt hinausgeblasen. Egal, wo man hinkommt, Sibirien, USA, Afrika, Österreich,… sie waren schon da und wer sie gehört hat, dem leuchten wieder die Augen, wenn er davon erzählt.

Viel hat man also von ihnen gehört, heute sind LaBrassBanda in Stuttgart, dann kann man ja die eigenen Ohren aufsperren und hören, was an den Gerüchten wirklich dran ist. Pünktlich um 18:00 zum Einlass hört es auf dem Killesberg auf, Spitzbuben und kleine Messer zu regnen. Statt Wasser- strömen jetzt Menschenmassen zur Freilichtbühne. Unter so manchem Trekkingmultifunktionskittel schaut eine Lederhose hervor, sicherheitshalber trägt man wegen der unsicheren Wetterprognose eher wasserdichte und stabilere Schuhmodelle. Sieht ein wenig aus, wie ein großer Volks-Wandertag mit ungefähr 4.000 Teilnehmern. Um 19:00 beginnt die Vorgruppe Moop Mama. Die Münchner Kapelle mit elf Mitgliedern groovt das Publikum mit ihrem Sound, den sie selber als „urban brass“ bezeichnen, eine Dreiviertelstunde lang ordentlich ein. Mittags haben sie schon die Innenstadt verunsichert, unnötige Großbaustellen wegzublasen versucht und ähnlichen Schabernack getrieben. Man kann sich freuen, wenn am 23. Oktober noch nichts im Kalender steht, da werden sie wiederkommen und in der Röhre spielen.

Eine Stunde später fällt der Vorhang und gibt den Blick auf die Bühne und LaBrassBanda frei und sie legen los. Alles, was man hörte, ist wahr und es ist noch schöner! Schon die beiden Alben der Kapelle sind ein abwechslungsreicher Hörgenuss. Live und in Farbe ist alles noch viel besser. Das Publikum ist aus dem Häuschen und ganz offensichtlich und hörbar derselben Meinung. Der Frontmann ist ein Rockstar mit Trompete und gibt permanent Vollgas, Posaune und Tuba werden aber links und rechts von ihm ebenfalls mit Bleifuß gespielt. Dahinter verprügelt der Schlagzeuger sein Set, dass man sich fragen muss, wie lange das wohl noch durchhält. Der Bassist hat jedenfalls überhaupt kein Problem zu folgen. Unerwartete Stilwechsel sind bei der Kapelle Programm. Auf virtuoses Bläserspiel von wildgewordenen Mariachibalkanesen folgen, Reggae- und Technonummern. Stücke mit Gesang und reine Instrumentalnummern wechseln sich ab. Gecovert und durch den Wolf gedreht werden dazu noch einige bekanntere Nummern der internationalen Populärmusik. Daft Punk, TLC, Reel 2 Real und anderes sind Ausgangsmaterial für zünftige Highspeedblasmusik. Mit launigen Ansagen, Anekdoten und Anweisungen für Mitmachspiel wird das Publikum ebenfalls hinreichend erfreut. Die Oma des Tubisten war unter uns und feierte ihren Geburtstag, beim ersten Konzert in Stuttgart spielten sie vor 20 Zuhörern und wiederzugeben, wie sich LaBrassBanda dereinst auf die Hauptbühne des Chiemsee Reggae Summer Festival geschummelt haben, würde den Rahmen dieses Berichts einfach sprengen. Gottseidank versteht man als Süddeutscher das Idiom der Native Speaker aus dem Nachbarbundesland dann doch ganz gut. Norddeutsche hätten sicherlich ihre Probleme gehabt. In der Konzertmitte gibt’s eine Polonäse durchs Publikum zur Auflockerung und dann geht’s wieder wie gewohnt weiter. Alle wichtigen Hits (Rotes Hoserl, Autobahn,…) werden abgefeiert, ich bin erstaunt, wie textsicher um uns herum mitgesungen wird. Nach zwei Zugabeblöcken und fast zwei Stunden Riesensause, kann man schon verstehen, dass die Jungs auf der Bühne fertig sind, aber zum Haareraufen schade ist es halt doch. Stuttgart liebt sie und geregnet hat’s hier auch nicht, es gibt also keinen Grund, nicht ganz schnell wiederzukommen! Überhaupt keinen!

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Foto: Andreas Meinhardt

Moop Mama

La Brass Banda

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