U.K. SUBS, THE VIBRATORS, 22.02.2011, Röhre, Stuttgart

UK Subs

Fotos: Steffen Schmid

Leck mich am Arsch, das muss dem guten Charlie Harper erstmal einer nachmachen: Nietenarmband, blondierte Haare, Nickelsonnenbrille, Chucks an den Füßen und um den Hals ’ne Kette samt Vorhängeschloss, mit dem andere gerne mal die Kellertüre sichern. Nix besonderes? Von wegen, denn der ehemalige Frisör ist 67 Jahre alt – und wirkt in dem Aufzug trotzdem kein bisschen peinlich. Wer im Lexikon unter „Punk-Rocker“ nachschlägt, müsste eigentlich ein Foto von good ol‘ Charlie finden – na ja, der Brockhaus weiß halt auch nicht alles.

Seit 1976 machen die U.K. Subs die Bühnen dieser Welt unsicher – ein Konzert von The Damned im Londoner Roxy, so sagt es die Legende, hat den damals 32jährigen Rhythm’n’Blues-Sänger Harper zum Punk bekehrt. War wohl eine Entscheidung fürs Leben. 24 Platten und mindestens soviele Umbesetzungen später wollen immerhin über 300 Leute wissen, ob Knaller wie „Warhead“, „C.I.D.“, „Stranglehold“, „Party in Paris“ oder „I live in a car“ immer noch knallen. Tun sie, tun sie. Und wie. Die Punk-Rock-Dinos geben nicht nur Vollgas, sie drehen auch die Regler voll auf – verdammt laut wird’s in der Röhre. Vielleicht ist er ja doch schon ein bisschen taub, der alte Mann, der da vorne am Bühnenrand steht und solche Sachen singt:

Yeah some little girl’s gotta hold on me
She’s only thirteen but oh so sweet
Got me down on my knees
Got a stranglehold on me

Put’s her arms around me like a vice
It’s oh so painful but nice
But I can only take it once or twice
Got a stranglehold on me
(„Stranglehold“)

Ein Schelm, wer böses dabei denkt. So lyrisch die Texte, so filigran auch das zugehörige Klangwerk: Drei-Akkorde-Punk-Rock der alten Schule, natürlich. Gitarre, Drums, Bass, Gesang – das war’s. Kaum einer der Songs dauert wesentlich länger als zwei Minuten. Warum auch? Das macht Spaß – sowohl dem etwas älteren Herrn neben mir („Ich hab‘ die das letzte Mal vor 28 Jahren live gesehen.“) als auch dem Punk mit akkurat gestelltem Iro, der garantiert noch nicht auf der Welt war, als die U.K. Subs 1980 im Vorprogramm von The Police durch die USA tourten. Drei Generationen in einer Röhre, quasi. Überhaupt ist das wieder so ein Abend, an dem man all die Leute trifft, die einem schon früher bei Konzerten über den Weg gelaufen sind, die man dann aber wegen unaufschiebbarer Drogenexperimente oder Studium oder bürgerlichem Leben oder was auch immer aus den Augen verloren hat. Klassentreffen also. Gefällt mir. Nach ’ner guten Stunde ist Schluss, doch Charlie und seine Jungs lassen sich nicht lange bitten, schütteln Hände und spielen erneut zum Tanz – nach 24 Platten ist die Auswahl ja auch entsprechend groß. In den ersten Reihen wird artig gepogt, der Rest der Meute steht eher so Alt-Herren-mäßig mit wippenden Füßen und breitem Grinsen daneben – ist wohl dem Alter geschuldet, wer hier Ü40 ist, fällt nicht weiter auf. Eine Zugabe jagt die nächste, Partystimmung macht sich breit, Bier und Tequila schmecken immer besser – und dann ist doch irgendwann Schluss. Bumms, aus, Jugendhaus. Schee war’s.

Ach ja, die U.K. Subs waren ja nicht alleine, sondern mit The Vibrators unterwegs, die auch schon seit 1976 pausenlos auf Tour sind und mit „Baby, Baby“ und „Automatic Lover“ zwei respektable Hits und mit dem legendären „Troops of tomorrow“ eine DER Punk-Rock-Hymnen vorzuweisen haben. Trotzdem bin ich mit denen nie richtig warm geworden, irgendwie ist mir da viel zuviel langweiliger Kram dabei. Das bestätigen sie als Opener leider auch in der Röhre: Alles plätschert so vor sich hin, gut sind sie nur, wenn sie mal das Tempo anziehen und Vollgas nach vorne spielen – und beim Überhit „Troops of tomorrow“ natürlich. Ralf Sandner, Shouter der lokalen Hardcore-Punx Murder Disco X, hat’s so kommentiert: „Ok. Thank you Vibrators for reminding me why we invented Hardcore Punk…“. Und dann auch das noch: Sänger und Gitarrist Ian ‚Knox‘ Carnochan annimiert das Publikum zum rythmischen Mitklatschen. Hallo, geht’s noch? Wir sind doch hier nicht bei Pink Cream 69… Charlie Harper aber scheint’s zu gefallen. Der sitzt derweil ganz alleine hinten am Tresen, nuckelt an ’ner Pulle Bier und wippt im Takt mit. Born a rocker, die a rocker. Oder so.

 

The Vibrators

Fotos: Steffen Schmid

The Vibrators


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