HUNDREDS, 08.12.2010, Wagenhallen, Stuttgart

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Fotos: Alexa Dobelmann

So gemütlich habe ich die Wagenhallen vor einem Konzert noch nie erlebt. Gedämpftes Licht und chillige Hintergrundmusik schaffen eine entspannte Atmosphäre, in der sich die nicht übermäßig zahlreich erschienenen Gäste angeregt unterhalten oder sich an der Bar mit Bier und Softdrinks eindecken. Die Stimmung passt bestens zu Hundreds, die an diesem Mittwochabend mit ihrem behutsamen und unaufdringlichen Elektropop begeistern werden.

Als erste Schwaden aus der Nebelmaschine das baldige Erscheinen der Band ankündigen, verstummen die Gespräche. Wir und vermutlich viele Andere auch sind gespannt auf das Hamburger Geschwisterpaar Eva und Philipp Milner, alias Hundreds, das in letzter Zeit von sich Reden gemacht hat. Auf dem Iceland Airwaves 2010 habe ich sie leider verpasst. Schade, aber da spielen einfach zu viele richtig gute Bands. Zuerst betritt Philipp Milner die Bühne, der für Synthi, Piano und Laptop zuständig ist. In Nebel und blaues Licht gehüllt stimmt er das Publikum mit ersten zaghaften elektronischen Beats auf Hundreds ein. Kurz darauf kann es dann losgehen. Eva Milner hüpft die Stufen zum Mikro hoch. Was für eine Erscheinung diese Frau! Gertenschlank und feingliedrig tanzt sie barfuß und mit verzücktem Lächeln zu den sphärischen Beats ihrer Band, die in Stuttgart zum ersten Mal von zwei Herrschaften an Drumkits unterstützt werden.

Eva Milners charakteristische Stimme verleiht den Songs zwischen Indiepop und Triphop eine ganz eigene verträumte Note. Dass sich das Geschwisterpaar bestens versteht, hört und sieht man an der Art, wie sie sich mit vertrauten Blicken verständigen. Die wahnsinnig sympathische Hamburgerin sagt selbst wenig und lässt stattdessen lieber die Musik wirken. Überhaupt sollen Hundreds wenig über sich selbst bekannt geben. Ist eigentlich auch gar nicht nötig, wenn man so wunderschön zarte, manchmal fast schon zerbrechliche Songs für sich sprechen lassen kann.

We’ll gaze into the sunset
and we’ll walk into the light.
And we’ll reach into the sunset,
And we’ll turn into the light.

Eva Milner fühlt sich wohl, das sieht man. Sie tanzt lächelnd mit geschlossenen Augen und manch einer im Publikum tut es ihr nach. Hin und wieder bedient die junge Hamburgerin auch die E-Harp oder das Glockenspiel. Selten ein so schön entspanntes Konzert erlebt. Spärlich eingesetzte Visuals untermalen die melancholische Stimmung, die nur hin und wieder von etwas poppigeren Tracks aufgelockert wird. Die zwei bekannteren Songs „I love my harbour“, eine Liebeserklärung an den Hafen ihrer Heimatstadt, und „Happy Virus“ ernten besonders großen Applaus.

Mein persönliches Highlight des Abends ist aber der Moment, als Eva Milner in dunkelrotes Licht gehüllt und mit ganz viel Gefühl den wunderschönen Track „Let’s write the streets“ anstimmt. Gänsehaut pur. Das Publikum wippt und tanzt nicht weniger verträumt mit. Nach knapp 50 Minuten sind Hundreds dann leider am Ende angelangt. Ist bei gerade mal einem Album auch nicht weiter verwunderlich. Aber die Länge von Konzerten wird meiner Meinung nach sowieso überbewertet. Als Zugabe spielen Philipp und Eva Milner noch „Little heart“, bevor sich Hundreds vor ihrem Publikum nochmal tief verbeugen und dann verschwunden sind. Ein grandioses und wunderbar leises Konzert. Ich bin mir sicher, dass man von dieser Band noch eine Menge hören wird.

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