JAMIROQUAI, 28.11.2010, Zapata, Stuttgart

Foto: Max Vadukul

Ganz leichte Übung: aus der Indie-Hipster Ecke Jamiroquai kacke finden. Vor über zehn Jahren waren sie hip, seit den Strokes ist aber Acid Jazz und Funk auf den Indie-Dancefloors töter als tot. Aus dieser Sicht haben die Mannen um Jay K. mittlerweile fast schon etwas dinosaurierhaftes. Das macht sie mir aber schon wieder sympathisch. Klar, großartig verändert hat sich die Musik der Band die letzten Platten nicht mehr, aber muss es das? Vielleicht fällt es bei Jamiroquai nur stärker auf, da der Sound eben etwas spezieller ist.

Lustig fand ich schon immer die Tatsache, dass Jamiroquai die Pop-Konsensband für Jazzmucker war/ist. Hohe musikalisch-technische Qualität, Jazz-Harmonien, ja wenn denn die kommerzielle Musik nur immer so wäre, ist da gerne mal zu hören.
Bin mal auf mich selber gespannt wie das Konzert heute Abend auf mich wirken wird.

Schön auf jeden Fall die Band im gemütlicheren Rahmen der SWR 3 Party im Zapata zu hören. Irgendwann vor zehn Jahren oder sowas in der Schleyerhalle war mir das zu groß, zu kalt. Hier in clubbigerer Atmosphäre kommt das schon besser rüber. Der Sound ist gut, hat genau die richtige Lautstärke und hallt nicht kühl wie in der großen Halle.

Gespielt werden heute Abend hauptsächlich neuere Songs des aktuellen Albums Rock Dust Light Star. Was man konstatieren kann ist, dass der Band-Sound sich seit den Anfängen immer mehr Richtung souligem Disco, weg vom Acid-Jazz entwickelt hat.
Funktioniert live natürlich umso besser wegen Rhythmus, bei dem man mit muss und so. Eine sehr feine Band steht da mal wieder auf der Bühne. Leute, denen man nicht erklären muss, wie sie ihre Instrumente zu bedienen haben. Drei Bläser, drei Backgroundsängerinnen, Perkussionist, Schlagzeuger, Keyboarder, Basser, Gitarrist und Jay himself, grooven sich bestens arrangiert durch das Programm. Jan Delay hat sich da bestimmt auch ein wenig was abgeschaut, wie man Seventies-Disco orientierten Sound live am besten reproduziert.

Paar kleine Unstimmigkeiten erklärt Jay K. damit, dass sie bisher noch kaum Zeit zum Proben hatten, und dass sie im nächsten Frühjahr in der Porsche Arena bestimmt besser spielen werden. Jammern auf hohem Niveau, aber Perfektionismus ist ja auch eine Respektsbezeugung dem Publikum gegenüber.

Was glaube ich der Band irgendwie in ihrer Entwicklung fehlt, wäre ein richtig herausragendes Album rauszubringen. Das ist natürlich alles sehr hochwertig, auch nicht uninspiriert, aber ein bisschen kommt es mir doch vor, wie ein Verwalten des eigenen Standards (auf hohem Niveau). Vielleicht ist das aber auch nur der persönliche Eindruck, weil ich geballt mit fast nur neuem, mir unbekannten Material konfrontiert werde. Love Fool und Deeper Underground kenne ich dann doch, und die zünden dann auch gleich ein wenig mehr.

Als ich anfange mich für die Musik zu erwärmen, ist es dann aber auch schon wieder vorbei. Schade, denn Jamiroquais Musik funktioniert nach meinem Verständnis am besten, wenn sie live viel jammen und improvisieren, die Stücke bis in den Tod grooven. Man muss das Ganze also wohl eher als eine Art Warmlaufen und Vorspiel für den großen Auftritt nächsten April sehen. Man sieht sich dort.

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