NILS KOPPRUCH, 16.11.2010, Zwölfzehn, Stuttgart

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Fotos: Andreas Meinhardt

Ich komme nur durch diesen fiesnassen Herbst, weil ich schon weiß, was ich im kommenden Sommer als erstes machen werde. Auf dem Markt kaufe ich mir eine dicke Tüte Hedelfinger Riesen, und ich buddel im Garten ein Riesenloch. Dann spucke ich die Kerne rein, mach alles wieder zu und bald blüht ein Bäumchen. Frohgemut schaue ich nun den Bienen beim Bestäuben zu und freue mich der Früchte meiner Arbeit.

Doch genug vom Sommer, der kommt noch lange nicht, jetzt geht’s ums Konzert. Eine kleine Entdeckung war die Vorgruppe. Die Wiener „Das Trojanische Pferd“ stehen zu zweit auf der Bühne und wer skeptisch war, ob ein Cellist und ein Sänger mit Gitarre für ein Konzert ausreichen, wurde eines besseren belehrt. Schmäh zieht immer und weil er so sympathisch rüberkommt, verzeihen wir dem Sänger sogar, dass er dachte, Ludwig II. wäre einst unser König gewesen. Mit der Liedzeile „Der Nächste, der Kunst sagt, kriegt eine auf’s Maul“ hatten die Buben mich dann in der Tasche, ganz großer Opernball! Der Schlagzeuger ist diesen Abend verhindert, wenn sie mal zu dritt wiederkommen, bin ich gespannt, wie sie sich komplett anhören.

Nach dem verdienten Applaus für die Trojaner und einer kleinen Umbaupause betritt Nils Koppruch mit Band die Bühne. Im Gepäck haben sie das neue Album „Caruso“ und jede Menge hervorragende Altlasten. Der Mann schreibt ja schon immer gute Songs. Leider leider ist das Publikum ein bissle wenig, dafür natürlich handverlesen. Dienstagabend spät ist halt ein schwieriger Termin, kann man wohl nix machen.

Als Lewis Carrol seine famose Cheshire Cat erdachte, hatte er wohl Nils Koppruch im Sinn. Der steht wie ein freundlicher Grinsekater vor der Band, singt seine hintersinnigen Songs und dengelt die Gitarre dabei, wenn er nicht den Mund voll Blues Harp hat, denn dann muss er pusten. Vom Mosten und Bienen und der Liebe und Hamburger Bergen wird er Dir erzählen. Große Metaphern fließen ruhig dahin. Du musst Dir nur noch Deinen Autoreifen schnappen und Dich treiben lassen. Die Band ist eingespielt, alles sitzt und nix geht daneben. Kein Wunder, dass der Sänger von seinem „Wald“ spricht, als er sie uns vorstellt. Der Bassist mit Hut hat sein Instrument schön tief gehängt, der Schlagzeuger fegt die Felle und verhaut seine Becken und der Mann an den Saiten kann auch wunderbar Schmalzpedalgitarre spielen (auch so’n Ding, mit dem Mann mich immer kriegt, ich geb’s ja gerne zu).

Der Fuß wippt mit, der Kopf freut sich über die Texte und der Sound ist auch okay. Wenn dann noch beim Song übers Küssen ein Pärchen ganz selbstvergessen hinter der Monitorbox losknutscht und nichts mehr mitbekommt, ist auch die Truppe auf der Bühne froh. So ging’s weiter. Lang und schön! Wem das hier zu idyllisch klingt, der kann halt daheimbleiben. Mutters Apfelkuchen ist immer besser als die Apfeltasche vom nordamerikanischen Großschnellimbiss und handgemachte Musik mit Schnörkeln und viel Seele höre ich mir immer gerne an. Es muss auch mal was zu hören geben für uns heimliche romantische Landlustleser, die nicht stricken können!

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Fotos: Andreas Meinhardt

2 Gedanken zu „NILS KOPPRUCH, 16.11.2010, Zwölfzehn, Stuttgart

  • 18. November 2010 um 10:42
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    Gern geschehen, Grüße!

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