SVAVAR KNÚTUR, 06.11.2010, Café Galao, Stuttgart

Svavar Knutur

Foto: Steffen Schmid

Das gig-blögle hier ist für alle da: Für die großen Konzerte in den Arenen, für die Geheimtipps in urbanen Caféhangouts. Musikalisch sind da keine Grenzen gesetzt. Das Konzert des Isländers Svavar Knútur im Café Galao im Stuttgarter Süden war ein bisschen eine Herzensangelegenheit, weil der Herr uns schon beim Iceland Airwaves zwei Mal verzaubert hat. Ungewiss aber bleibt: Werden seine leisen, natürlich unbekannten Lieder in Stuttgart funktionieren? Wird man genauso gerührt sein? Und: Wird der Troubadour das schwäbische Publikum zum Mitsingen bekommen?

Sagen wir’s, wie’s ist: Das Konzert von Svavar Knútur war das lustigste, melancholischste und mitreißendste, was man seit langem gesehen hat. Etwas, das man eigentlich nicht erzählen kann, wenn man es nicht erlebt hat. Vielleicht ist es in etwa so, diesen Text zu lesen, wie fremde Facebook-Urlaubs-Alben zu gucken: Man kann nicht viel damit anfangen.

Frau C. neben mir sagt nach zwei Takten des ersten Songs „Clementine“: „Ich will den heiraten.“ Drei Minuten später hat sie Tränen in den Augen, weil Svavar Knútur eine sehr traurige Geschichte von seinem Vater erzählt, der vor 15 Jahren gestorben ist. Welche Konzerte schaffen so etwas?

Svavar Knutur

Foto: Steffen Schmid

So geht das hier: Gefühlsachterbahnfahrt galore. Immer wenn es dann doch zu arg pathetisch wird, weil Svavar von sehr traurigen Erlebnissen berichtet, packt er seinen Humor aus – und rettet die Situation. Stuttgart heißt übersetzt soviel wie „Partygarden“, ein Troll-Buch geht herum, in das wir bitteschön keine Penisse malen sollen, wir lernen uns auf isländisch zuzuprosten, sehen wie Svavar geschätzte acht Bier während des Konzerts trinkt, und wir singen mit. Jawoll! „Lalala“ und „uhuhuu“. An den Tischen wird viel Rotwein geordert. Und es wird viel gelacht.

Hier steht aber nicht nur ein toller Entertainer auf der Bühne, sondern auch ein großartiger Musiker, der seine Instrumente beherrscht, eine klassische Gesangsausbildung hat, aber auch mal den Roger Whittaker gibt und eine tolle Cover-Cover-Cover-Version von „Hallelujah“ zum Besten gibt. Es geht um Fehler, die uns zu besseren Menschen machen, darum, was Singen bewirkt. Seine Mission sei es, dass die Menschen mitsingen. Mission erfüllt.

Svavar Knutur

Foto: Steffen Schmid

7 Gedanken zu „SVAVAR KNÚTUR, 06.11.2010, Café Galao, Stuttgart

  • 7. November 2010 um 12:32
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    ich wusste nicht ob weinen oder lachen, schreien oder fasziniert zuhören. faszinierend :) reiner

  • 7. November 2010 um 12:34
    Permalink

    dont miss:
    am kommenden Mittwoch meine Lieblings-Band im Cafe Galao:
    Lesni Zver aus Brno / Tschechien: absolut genialer Mix aus Drum n Bass und Jazz und Psychedelic :))))) 21 uhr

  • 7. November 2010 um 12:37
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    Wow! Es freut mich total für Svavar und Stuttgart, dass das Konzert so grandios war! Und liebe Anja, danke für den wunderbaren Artikel! Skál und liebe Grüße aus Reykjavík! Tina

  • 7. November 2010 um 12:37
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    Scheiße, dass ich das verpasst habe!!

  • 7. November 2010 um 13:20
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    Neid, Neid, Neid!
    Bitte lieber Svavar, bald nach Frankfurt, Darmstadt oder Heidelberg kommen. Nur heiraten will ich Dich noch nicht. Heiraten will ich nur Gúffi von For A Minor Reflection. ;)

  • Pingback: Tweets that mention SVAVAR KNÚTUR, 06.11.2010, Café Galao, Stuttgart | gig-blog.net -- Topsy.com

  • 16. November 2010 um 13:04
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    Wenn es jetzt ganz dumm gelaufen ist, war die zweite Konzerthälfte so überragend, dass ich es wohl sehr bedauern müsste das Galao in der Pause verlassen zu haben. Doch auch nachdem ich die hier aufgeführten Loblieder gelesen habe ändert sich mein Eindruck nicht.
    Klar, total knuffiger Typ und so weiter… (man hört das ja auch gerne wenn Isländer englisch sprechen..).
    Aber ist das nicht ein wenig übertrieben so sehr über die teils arg salbungsvollen Worte und die doch ziemlich nervige „Reli-Lehrer-Selbstfindungs-Beziehungsratgeber-Soße“ des Herrn Knutur zu jubilieren?

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