HELLSONGS, 09.05.2010, Universum, Stuttgart

Hellsongs

Fotos: Steffen Schmid

„Never play the same artist twice!“ Eine wichtige DJ-Regel sei das, ventilierte mir mal heiser Gig-Blog-Stimmungstrinker und Heiratsschwindler Schappo Klack ungefragt ins Ohr. Seine Alk-Fahne hat sich schon längst verzogen, aber die Worte hallen noch bedeutungsschwanger nach.
Nur das übliche wirre Gefasel dieses kranken Mannes, oder gilt das vielleicht doch im übertragenen Sinne auch für Blogger? Darf ich jetzt schon wieder über Hellsongs schreiben, obwohl der letzte Bericht doch auch von mir stammte und gerade mal ein halbes Jahr zurückliegt? Ist eigentlich nicht immer das Gegenteil von dem richtig, was Schappo Klack zu meinen glaubt?
Mal wieder zuviel unnötigen Krimskrams gedacht vor einem Konzert. Hellsongskonzerte waren bisher immer Eruptionen an toller Musik und Sympathie. Außerdem haben wir die Schweden fest in unser Herz geschlossen, seit sie uns das ausführlichste Questions & Answers unserer noch jungen Bloggeschichte hinterlassen haben. Deshalb steht auch dieser skandinavische Abend (Olafur Arnalds spielt gleichzeitig in der Rosenau) im Universum wieder unter dem Motto: speckige Metal-Kutte trifft auf Rosen im Haar.

Im bestens gefüllten Universum gibt diesmal Sarah Nonin Metzner aus Kanada den Support. Sympathisch und hübsch sind schon mal keine schlechten Eigenschaften. Tolle Stimme und tolle Songs gesellen sich noch hinzu, und ergeben so einen sehr gelungenen Auftakt des Abends. Sie steht alleine auf der Bühne, benutzt Samples, um vokal erzeugte Beats zu loopen, spielt bei manchen Stücken auch Akustikgitarre, und das Resultat ist eine Art Soul, der ab und an beim Folk vorbeischaut. Wer kanadische Sängerin denkt, muss natürlich auch Feist sagen. Kann man nehmen als Vergleich, auch der eigenen Faulheit heraus geschuldet, trifft’s aber natürlich nicht vollständig.
Definitiv ein sehr gelungener Auftritt der jungen Dame mit Vögelchen-Tattoos auf dem linken Oberarm, die sich auch nicht durch ab und an auftretende Gitarrenprobleme aus dem Konzept bringen lässt. Zur Zeit nimmt sie wohl gerade ihr Album in Stuttgart auf. Man darf gespannt sein!

Nach einem Jazz-Intro kommen die Über-Obersympathen von Hellsongs auf die Bühne. Überraschung: im Vergleich zum letzten Mal sind sie diesmal zu viert. Eine zusätzliche Gitarre ist noch am Start, was ich sehr begrüße. Reduzierte Sounds sind nicht so meins, minimal my ass, gebt mir orchestralen Sound.
Die Band hat die übliche Spielfreude am Start, scheint aber noch besser eingespielt zu sein als beim letzten Mal. Eigentlich nur logisch, da Sängerin Siri Bergnéhr mittlerweile nicht mehr „die Neue“ ist. Die schon letztes Mal getroffene Feststellung, dass die Frau ein echter Gewinn ist, bestätigt sich heute eindrucksvoll. Man muss ihre Art und ihre Stimme einfach nur gerne haben. O-Ton vom Boss: „Sie hat eine super schöne Stimme!“. Man kann sie schon gar nicht mehr zählen die schwedischen Frauen mit tollen Stimmen, bei ABBA angefangen…
Breaking The Law ist der Einstieg, und Kalle kündigt Siri als „the hardest working woman in the show-biz“ an. Die Setlist danach sieht diesen Abend so aus: Seek & Destroy, The Evil That Men Do, The Trooper, Loosers And Winners (das mir mal ein Acceptsong gefallen könnte, unfassbar!), Blackened, Paranoid, Thunderstruck, das noch nicht veröffentliche Sin City, und TNTs 10.000 Lovers. Wie immer wird das Publikum mit zahlreichen Mitsingparts einbezogen. Was bei anderen Konzerten gerne mal wie verzwungene Animieraktionen wirken kann, ist hier einfach natürlicher Bestandteil des Ganzen, völlig unpeinlich und logische Konsequenz der mitreißenden Musik. Immer wieder nett die Ansagen von Kalle und Siri. Besonders gefallen hat mir die Stelle, als Siri erzählt, dass sie schon ein wenig stolz seien, dass sie so oft von der Polizei angehalten werden. Sie seien ja gar nicht dieses „sex, drugs & rock’n roll thing“, sondern eher so „peace, love and understanding“, aber dadurch würden sie schon ein wenig „metal credibility“ erhalten.
Dass es Zugaben gibt und geben muss, ist klar, wir alle wollen noch mehr hören. Run To The Hills ist wieder mal wunderschön und fadet mit dem Gesang des Publikums aus. Beim mitreißenden Symphony Of Destruction darf Gaststar Jana mit auf die Bühne und singt zweistimmig mit Siri den Song perfekt mit. Wow!
Doch damit nicht genug, die Band muss nochmal für I’m Running Free von Iron Maiden auf die Bühne zurück. Der krönende Abschluss usw. usf.

Mir ist ja Skandinavienbegeisterung etwas suspekt, das hat immer so was von positivem Rassismus, seine Projektionen von besseren Menschen auf die armen Leutchen da oben im Norden abwälzen. Aber ich glaube der Wettkampf, um die sympathischste Band der Welt, dürfte ein hartes innerschwedisches Duell zwischen Hellsongs und I’m From Barcelona werden.

Sarah Noni Metzner

Fotos: Steffen Schmid

Wie immer gibt’s noch mehr Fotos von Sarah Nonin Metzner und Hellsongs.

2 Gedanken zu „HELLSONGS, 09.05.2010, Universum, Stuttgart

  • 10. Mai 2010 um 21:01
    Permalink

    Bin mir ziemlich sicher, dass John Peel sogar vom gleichen Album manchmal 2 Stücke hintereinander gespielt hat.
    Hauptsache ist doch, dass der Specht ordentlich in die Tanne gedrückt wird, oder?

    Saubere Berichte Lino, tatsächlich guter Ersatz, wenn man als Schwerstarbeiter manchmal verhindert ist.

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