WHY?, 08.04.2010, Manufaktur, Schorndorf

Why?

Foto: Steffen Schmid

Warum ist das Universum so wie es ist und wir existent? Warum die Banane krumm? Warum ist es so verdammt schwierig, einen geilen Anzug zu finden, wenn einem konstatiert wird, doch den perfekten 60ies Body zu haben? Warum ist noch keine Band vorher auf die Idee gekommen sich Why? zu nennen? Warum jetzt, aber echt mal, eigentlich immer so geile Artikeleinstiege?

Ja, weiß ich doch nicht. Ich weiß, dass der Abend in der so mittel gefüllten Manufaktur mit Why?-Schlagzeuger Josiah Wolf anfängt, der mit Akustikgitarre bewaffnet und am Schlagzeug postiert, ca. 20 Minuten lang ruhige Folksongs zum Besten gibt. Eigene Stücke und Covers, u.a. Chelsea Hotel von Leonhard Cohen, werden gekonnt präsentiert. Dass es mich trotzdem recht schnell langweilt liegt nicht an der musikalischen Qualität, sondern an meiner zerfahrenen psychischen Verfassung + „Folk ist einfach nicht so meins.“

I Might Be Wrong aus Weilheim Berlin sind da schon eher meine Tasse Tee. Melancholischer Alternativepop, der mich desöfteren mal an The Notwist, Lali Puna oder Ms. John Soda erinnert. Paar starke Songs dabei, toll gespielt und angenehm zurückhaltend dargebracht, über die ganze Auftrittsdauer gesehen fehlt mir dann aber doch ein wenig die Abwechslung in der Musik. Klingt dann doch alles recht ähnlich so beim ersten Hören. Vielleicht wäre als Vorprogramm ein kürzeres Set angebrachter gewesen.

Why?

Foto: Steffen Schmid

Hätte auch den Vorteil gehabt, dass Why? nicht erst um viertel vor elf auf die Bühne kommen. Aber das ist dann total schnell ganz egal, denn was kommt ist ein sehr erstaunliches, superkurzweiliges Konzert, fast schon eine Art Faszinosum. Ein Stilmix, den ich so noch nie gehört habe, weder in dieser extremen Ausprägung, noch  in dieser organischen Geschlossenheit. Hier wird symphonischer Prog-Folkpop konstruiert und dekonstruiert. Da wird mal kurz über einen Klavier- und Glockenspielteppich, der an Minimalmusik alà Philip Glass erinnert, lässig drüber gerappt. Im Gegensatz aber zu den von mir sehr verehrten Archive, funktionieren hier diese HipHop-Parts aber bestens. Nebenbei haut das Quintett noch Mördermelodien mit mehrstimmigem Gesang aus diesem strukturierten Stilchaos, dass es nur so eine Freude ist. Eine verzerrte Gitarre im Refrain eines balladesken Stücks erinnert dann sogar an das ganz ganz fiese Subgenre Metal-Powerballaden. Großartig!

Die Band schüttelt das alles gekonnt locker aus dem Ärmel. Sänger Yoni Wolf mit seiner leicht näselnden Stimme spackt originell rum, mal eine Uhr imitierend, mal Schlittschuhlaufbewegungen ausführend. Der uns schon bekannte Schlagzeuger bedient nebenbei noch ein Glockenspiel, das er gerne auch gleichzeitig zum Schlagzeugspiel einsetzt. Keyboarder Doug McDiarmid erinnert optisch an einen Beach Boy der späten 60er und greift zwischendurch auch mal zur Gitarre. Im Backingbereich der Basser, der wie der Kumpel von Frodo aussieht, und sich einen abschuftet, während der Gitarrist, der mich zum Glück jetzt endlich mal an niemanden erinnert, alle Stile der Welt auf der Gitarre spielt.
Alles passt wunderbar zusammen und ergibt einen ganz eigenen Klangkosmos, der einen immer gespannt warten lässt, was denn wohl als nächstes passieren wird, und am Ende kommt dann doch große Popmusik raus. Vertrackt, intelligent, spannend, nie langweilig und banal. Nach drei Zugaben müssen wir gehen, und was jetzt kommt ist auch klar:
Why?

5 Gedanken zu „WHY?, 08.04.2010, Manufaktur, Schorndorf

  • 9. April 2010 um 15:05
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    „der Gitarrist, der mich zum Glück jetzt endlich mal an niemanden erinnert“- großartig.

    von dem anzugproblem habe ich auch schon öfters gehört, ich warte gespannt auf die lösung.
    mist, i might be wrong verpasst.

    why erinnert mich an flight of the conchords: „why? be more constructive with your feedback!“
    https://www.youtube.com/watch?v=YXmI5iNj2P0

  • 9. April 2010 um 19:09
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    Wow, „Why“ klingt echt sehr interessant.

  • 10. April 2010 um 12:27
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    Die Blüte der Bananenpflanze, später die Frucht reckt sich zur Sonne und wird dadruch krumm, womit auch die Frage nach dem Universum und uns Menschen die die Banane ja essen müssen endlich mal geklärt sein sollte.

    Den Rest klären wir nächste Woche beim Bruder von Björk.

  • 11. April 2010 um 10:57
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    fruit-toy Experte Tox weiß mal wieder bestens Bescheid über sein Lieblingsobst…

  • 11. April 2010 um 12:05
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    Das sagt der Richtige, wer hat denn angefangen mit dem schlüpfrigen Thema? Ich wollte das Ganze noch durch wissenschaftliches Dings retten…well done Mr. Twiggy!

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