SHOUT OUT LOUDS, 31.03.2010, Wagenhallen, Stuttgart

Shout Out Louds

Foto: Steffen Schmid

Schweden, Schweden, nicht schon wieder Schweden! Wieder eine Band aus dem hohen Norden. Ja machen die denn da gar nichts anderes außer Ikea-Möbel vertreiben und Musik? Zugegeben, letzteres meist gar nicht mal schlecht. Schweden als Herkunftsland ist fast ja schon ein Gütesiegel geworden. Auch von den Shout Out Louds hab ich viel Gutes gehört. Besonders hellhörig bin ich geworden, als man mir erzählt hat, dass Sänger Adam Olenius fast schon ein Stimmzwilling von Cure-Frontmann Robert Smith sein soll. Grund genug, am Mittwochabend in die Wagenhallen zu fahren, einer sowieso sehr unterstützenswerten Location.

Mit 900 Leuten ist die Halle proppenvoll und natürlich ausverkauft. Den Shout Out Louds eilt ihr gnadenlos guter Ruf voraus. Bevor die von Kritikern und Fans mit viel Lob überschütteten Schweden die Bühne betreten, dürfen erst mal die vier Mannen von Nervous Nellie ran, die wie der Hauptact ebenfalls aus dem Stockholmer Stadtbezirk Södermalm stammen. Noch nie gehört, klingt aber ganz entspannt. Irgendwo zwischen Alternative, Indie-Pop und Folk hat Nervous Nellie seinen eigenen leicht hippieesken Sound gefunden. Immerhin, die Halle ist schon voll. Dem Publikum scheint es zu gefallen. Hier und da wippt jemand mit, auch wenn die drei härtesten Tänzer eindeutig auf der Bühne stehen. Nach etwa 45 Minuten werden die sympathischen Mannen von Nervous Nellie dann auch unter wohlwollendem Applaus entlassen. In der Pause versuchen wir derweil zu erkunden, wer den schnellsten Weg zur Bar findet. Die Laune ist jedenfalls bestens.

Shout Out Louds

Foto: Steffen Schmid

Gegen Viertel nach Zehn flackert das links und rechts von der Bühne aufgebaute Rotlicht los – das Zeichen, dass die Shout Out Louds bereit sind. Vom ersten Akkord an wird klar, dass der Großteil des Publikums (mich mal ausgeschlossen) die Songs in- und auswendig kennt. Schon bald regieren verträumte glückliche Gesichter mit halb geschlossenen Augen und wippende Füße die Szenerie in den Wagenhallen. Sicher auch nicht ganz unschuldig am Erfolg ist die Tatsache, dass Sänger Adam Olenius bei den Frauen ganz gut anzukommen scheint (das hab ich zumindest nicht erst einmal von weiblichen Bekannten gehört). Der echte Hingucker für mich: Keyboarderin Bebban Stenborg. Aber zurück zur Musik. Die ist unaufgeregt, oft melancholisch und einfach nur schön. Eingängiger Indie-Pop, der auf Anhieb gute Laune macht. Und tatsächlich: Besonders in den ruhigeren Momenten klingt Frontmann Olenius verdammt nach Robert Smith, auch wenn er den viel drolligeren Blick hat. Der Vergleich wird vielleicht ein wenig zu oft bemüht, aber es gibt sicher Schlimmeres. Schließlich sind The Cure eine Kultband, und das vollkommen zu recht.

Die Shout Out Louds machen Spaß und freuen sich selbst auch, wieder in Stuttgart zu sein. Klar, gehört zum guten Ton bei einem Konzert zu verkünden, wie toll man die Stadt und die Fans findet. Die Schweden haben aber sogar noch ein paar echte Erinnerungen an ihren 2005er-Auftritt im Gepäck. „Let’s bring back the Schocken-feeling“, verkündet Olenius. „With all the water running down the windows.“ Ja ja, das Klima bei einem Rockkonzert im Schocken ist manchmal tropisch und bleibt wohl auch bei den Künstlern hängen. In der Folge treibt ihr Hit „Fall hard“ die Fans nochmal richtig zum Tanzen an. Auch die eigenen Beine halten schon lange nicht mehr still. Nach gut 1 ½ Stunden verlassen Olenius und seine Bandkollegen die Bühne, natürlich nicht ohne nochmal für ein paar Zugaben zurückzukommen. Den Beginn machen sie mit dem gnadenlos genialen „Impossible“, einem wunderschön traurigen Song, den Robert Smith sicher auch gern geschrieben hätte. Gegen 0 Uhr ist der Abend dann vorbei und die Shout Out Louds entlassen uns mit einem wohligen Gefühl in der Magengegend in die Nacht. Lange muss ich ja nicht warten, bis ich die Schweden wieder live sehe. Im Juni spielen sie auf dem Southside-Festival. Sollte man nicht verpassen.

6 Gedanken zu „SHOUT OUT LOUDS, 31.03.2010, Wagenhallen, Stuttgart

  • 2. April 2010 um 10:03
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    Mal wieder Chapeau Schmoudi…klasse Fotos!

  • 2. April 2010 um 10:54
    Permalink

    ja, wie gewohnt super Fotos! Nur ein Kritikpunkt, weshalb gibts von Bebban nur ein Foto :)?
    War wirklich ein sehr gutes, atmosphärisches Konzert und die Band kam sehr sympathisch rüber.

  • 2. April 2010 um 15:55
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    Ich schließe mich den Vorrednern an:
    Fucking great photos!
    Neid.

  • 11. April 2010 um 19:48
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    Sehr schöne Fotos.
    Wenn er seine Hand etwas weiter unten gehabt hätte, wäre es perfekt gewesen, – man hätte sein Gesicht sehen können ;-) Aber egal. Klasse Foto!

  • 12. April 2010 um 12:14
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    Vielen Dank :)

    Ich weiß, die Hand…

    Allerdings bin ich froh, überhaupt ein paar brauchbare Fotos des Abends zu haben. Viel Nebel, wenig Licht und ab und an ein Spot im Vordergrund.

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