LOCAL NATIVES, 06.02.2010, Keller Klub, Stuttgart

Local Natives

Fotos: Steffen Schmid

Ein Samstagabend dieses scheisskalten Winters 2010: Etliche Gig-Blogger gehen hinter den Desks anschaffen, andere gehen auf das Konzert der Local Natives. Die Kalifornier touren gerade mit einem weißen Van das erste Mal durch die Republik, die deutsche, um ihr Debütalbum Gorilla Manor zu präsentieren. Dass es sich wohl nicht um eine gewöhnliche Newcomerband handelt, kann man vielleicht daraus ablesen, dass sie auch schon in der ZEIT gefeatured wurden.

Der Keller Klub ist angenehm gefüllt und Punkt 22.42 Uhr ist Anpfiff (Danke Chris!). Die fünf jungen Männer legen gleich gut los. Ich hatte eigentlich mit eher folkigerem, ruhigen Sound gerechnet, doch das hier geht gleich nach vorne mit lauten Trommeln (Schlagzeuger + noch eine Tom vorne auf der Bühne) und lauten Gitarren. Die Fleet Foxes werden ja gerne als Vergleich genannt, aber damit können eigentlich nur die mehrstimmigen Chorgesänge gemeint sein. Der Rest ist doch wesentlich flotter, schon irgendwie Indierock, aber der ausgefeilteren Sorte. Vielleicht ein origineller Bastard der Fleet Foxes und Vampire Weekend? Letztere kommen mir in den Sinn, da die Gitarrenläufe gerne mal an afrikanische Musik erinnern. Der Opener wartet zudem noch mit reggaehaften Parts auf, während die Rhythmik aber auch sonst selten in den üblichen Rockschemata verharrt. Passend dazu, dass der dritte Song dann auch gleich ein Talking Heads-Cover ist.
Da steckt also ganz schön Arbeit und Tüftelei hinter dieser Musik. Die Gesänge sind teilweise vierstimmig, der Bass übernimmt manchmal die Melodieführung, die 2 Gitarren spielen grundsätzlich nie die gleichen Parts, Keyboard gibt es auch noch. Ziemlich beeindruckend für so junge Menschen. Das kommt also dabei raus, wenn man als Band zusammen in einem Haus wohnt.
Sehr angenehm auch die Spielfreude, die gut rüberkommt, trotz aller Schwierigkeiten und Komplexitäten der Songs. Könner, muss man so sagen. Wenn man denn rummäkeln will, dann vielleicht dies, dass kompositorisch noch etwas Luft nach oben ist. Manche Songs könnten vielleicht mehr auf den Punkt gebracht sein, was Melodie und Struktur angeht. Bei anderen gelingt dies allerdings vorzüglich, wie v.a. beim letzten Stück. Da zeigen sie, dass sie auch schon die Kunst des dynamischen Spielens beherrschen und steigern die Musik in eine finale, hymnenhafte Explosion. Das ist dann schon sehr große Klasse.
Lobend erwähnt sei noch der Moustache des Sängers. Dicht, schwarz, breit, Tom Selleck wäre stolz auf dieses Musterexemplar. Schon jetzt ein Anwärter auf den Topschnurri des Jahres.

Nach einer Stunde ist der Spaß vorbei, und ich glaube, man kann noch Großes von denen erwarten. Bands, die nach nur einem Album, live schon so gut sind, gibt es nicht viele.

Der Abend geht dann noch weiter mit crowdsurfenden jungen Leut‘ bei den Tights, aber das ist eine  andere Geschichte…

Local Natives

Fotos: Steffen Schmid

Hier gibt’s noch mehr Fotos.

4 Gedanken zu „LOCAL NATIVES, 06.02.2010, Keller Klub, Stuttgart

  • 7. Februar 2010 um 16:25
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    Kann das alles bestätigen: großartiges Konzert voller Energie, tolle Musik, symphatische Band…war ein toller Abend. Kann jeden das Debutalbum der Jungs echt empfehlen: vielfältiger & besser als das von the XX, um welches meiner Meinung nach zu Unrecht ein riesen Hype gemacht wurde.

  • 7. Februar 2010 um 16:54
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    Oh ja, war ein sehr schönes Konzert.
    Da merkt man doch immer wieder, dass kleine Konzerte doch irgendwie (in gewisser Weise) viel viel besser sind als diese großen Dinger.

    Und was da abging bei Sun Hands, Hallelujah, unfassbar gut.

    Ich werd dann auch gleich mal meinen Bericht schreiben und wie immer schön verlinken, genauso eure Bilder ;)
    (Ich kanns nicht oft genug sagen, die sind sehr gut!)

  • 7. Februar 2010 um 17:18
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    Lino Du Schlingel jetzt steh ich mal wieder als pingelig da ;-)

    Zum Bericht gibt es nix mehr zu sagen wir waren uns da eh einig. Noch ein paar mehr Songs wie die Art des letzten und die Jungs werden der nächste große Hype.

    Großes Kino !!!

  • 7. Februar 2010 um 22:17
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    Da ich den Gig aufgenommen habe, war keine Hand mehr frei für eine Knipse – wie gut, daß Du so großartige Eindrücke festgehalten hast – herzlichen Dank! Auch ich muß sagen, daß ich diese Band vom ersten Ton an geliebt habe und sich die scheißlange Fahrt von Wiesbaden nach Stuttgart gestern absolut gelohnt hat…ich werde ihre Reise im Musikgeschäft aufmerksam verfolgen und prophezeie ihnen Großes…

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