VETIVER, FRUIT BATS, 08.12.2009, Manufaktur, Schorndorf

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Fotos: Steffen Schmid

Uff, die schwere Last des Erbes. Quasi wie ein Sohn des Ochsenknechts sein zu müssen (Sindbad Gripsholm oder sowas), will schlussendlich eigentlich nur sagen: Einen Konzertbericht abzuliefern, nachdem Tags zuvor lautes Remmidemmi und Rocklegenden in großen Hallen abgefeiert wurden, ist keine leichte Sache. Vor allem bei so dezenten Acts wie heute Abend. Aber auch hier Herausragendes: die Manufaktur hat mal wieder das Kunststück hinbekommen, den einzigen Deutschlandauftritt an Land zu ziehen. War schon bei I’m From Barcelona dieses Jahr so, erstaunlich!

Karohemdenmusik again. Aber dieses Mal nicht die boreale Nadelwaldvariante, sondern eher Präriesound. Die Fruit Bats spielen ihr erstes Deutschlandkonzert überhaupt. Die Chicagoer Band war mir überhaupt kein Begriff bisher, ist doch das ganze Genre Americana-Folk-Country nicht so meins. Und eigentlich machen die Jungs auch live keinen Sound, der mich dazu überreden könnte, nicht vielleicht doch mal Jeans-Latzhosen zu kaufen.

Und dennoch bin ich schwer beeindruckt. Selten hab ich bei einer Band das Gefühl gehabt, die Qualität so mit Händen fassen zu können wie bei den Fruit Bats. Das klingt so stimmig alles, angefangen bei der herausragenden Stimme des Sängers, die Arrangements sind perfekt, und selbst die nicht unkomplizierten Parts klingen so locker und selbstverständlich gespielt… da ist eine ganz große Band bei der Arbeit. Meinen anfänglichen Versuch die Musik als Mischung aus Supertramp (Stimme) und Allman Brothers zu verorten, verwerfe ich relativ schnell als absolut miesesten Vergleich der Musikgeschichte. Peinlich sowas, wie kommt man nur auf so Müllgedanken?

‚Ne Mischung aus den Traffic der Post-„Mr. Fantasy“-Phase und den Spooky Tooth trifft es vielleicht minimal besser. Aber egal, für Genre-Liebhaber muss dieser Auftritt ein Fest gewesen sein, ich hab mich sehr gut unterhalten gefühlt.

Vetiver legen sehr entspannt los und bleiben auch fast durchgängig bei eher moderaten, sanften Tönen. Der Vorabeindruck per youtube, dass die Band auch poppigeren Momenten nicht abgeneigt ist, bestätigt sich live nur selten. Teilweise sehr countryesk, folkig, ab und an mit rockigeren Momenten. Am Besten gefällt mir ein Stück mittendrin im Set, in dem endlich die Grundtonart ein E-Moll ist und das Stück fast schon psychedelische Züge annimmt.
Ansonsten bastel ich mir auch hier wieder ein Hilfskonstrukt zusammen, um die Musik beschreiben zu können, diesmal: hört sich an, als würden Lieder von Bob Dylan oder J.J. Cale von Paul Simon gesungen. Große Vergleiche, denen die Qualität der Musik durchaus gerecht wird, nur eben nicht ganz meine persönliche Geschmacksrichtung.
Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Vorband eben so überragend war, dass der Hauptset dem nicht ganz standhält. Dabei liegt das weder an der engagierten, gut spielenden Band, noch an der durchaus begeisterten Stimmung. Die Umstände sind schuld, wie immer, diese verdammten Umstände…

Fruit Bats

Fotos: Steffen Schmid

Wie immer gibt es noch mehr Fotos von Vetiver und Fruit Bats.

Ein Gedanke zu „VETIVER, FRUIT BATS, 08.12.2009, Manufaktur, Schorndorf

  • 9. Dezember 2009 um 11:19
    Permalink

    Yes: „boreale Nadelwaldvariante“ – ich freu mich.

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